LIFESTYLE
21. Juli 2012

Mit Kindern im Luxushotel und Sternerestaurant

Hoteliers in Fünf-Sterne-Häusern lassen sich viel einfallen, um die Kleinsten für sich zu gewinnen

Von Verena Wolff

Kinder im Luxushotel - das klingt nach anstrengenden Ferien, bei denen die Erwachsenen dauernd damit beschäftigt sind, den Nachwuchs vom Lärmen, Schreien und Rennen abzuhalten. Doch das Gegenteil ist in zahlreichen Fünf-Sterne Hotels der Fall. «Kinder gehören in ein Luxushotel», sagt etwa Henning Reichel, der Direktor des Kempinski-Hotels «Das Tirol» in den Kitzbüheler Alpen.

Er selbst ist Vater von drei kleinen Kindern und hat festgestellt, dass es die kleinen Sachen sind, mit denen Kindern und Eltern am meisten geholfen ist. «Wenn man die Familie gleich bei der Ankunft anspricht und die Kinder einbezieht, fühlt sich niemand als Fremdkörper.»

Doch das ist nicht das Einzige: «Der Wickeltisch auf der Toilette, der mit Windeln und Feuchttüchern bestückt ist, eine Wanne und ein Flaschenwärmer, wenn Babys dabei sind, ein bisschen Spielzeug auf dem Zimmer - mit solchen Kleinigkeiten kann man Eltern eine große Freude machen», sagt Reichel.

Natürlich sind die Angebote für Kinder nicht ganz uneigennützig: «Kinder sind die Gäste von morgen und bestimmen häufig, wohin die Familie in die Ferien fährt», sagt Heike Schmidt, Direktorin des Hotels «Lenkerhof» im Schweizer Simmental. Gefällt es den Kindern in einem Hotel, werden die Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederkommen.

Damit der Urlaub für alle Beteiligten - also auch Gäste ohne Kinder - erholsam wird, kommt es auch darauf an, klare Bereiche abzustecken. Denn: «Viele Erwachsene freuen sich über die fröhlichen, energiegeladenen Kinder - solange der Lärm im Rahmen bleibt», weiß Schmidt. «Beide Anspruchswelten müssen dazu bedient werden», sagt Thomas Greiter, Direktor der «Wellness Residenz Schalber» im Tiroler Bergdorf Serfaus. Auch räumliche Trennung spielt eine Rolle, wie Wolfgang Burgschwaiger, Besitzer der «Übergossenen Alm» im Salzburger Land, erklärt.

«In unserem Haus gibt es ausreichend Rückzugs- und Spielflächen für Erwachsene und Kinder - aber auch gewisse Bereiche, die lediglich den Erwachsenen oder den Kindern vorbehalten sind.» So haben Kinder im Wellnessbereich des Hotels am Hochkönig keinen Zutritt. Dafür gibt es allerdings mit der Kinderalm ein riesiges Areal, in dem sich kleine und große Kinder den ganzen Tag über austoben können.

Einen solchen Spielbereich haben die meisten großen Hotels eingerichtet, oft in einer etwas abgelegenen Ecke und mit geschultem Personal, das sich um den Nachwuchs kümmert. Vielfach gibt es sogar spezielle Bereiche für einzelne Altersgruppen. Im Hotel «Tauern Spa» in Kaprun gibt es einen eigenen Spa-Bereich nur für Kinder, mit Babybecken und einem Outdoor-Wasserpark, drei Rutschen und einem Spielbach auf mehr als 3000 Quadratmetern.

«Dort ist Lärm und Spielen erwünscht», sagt Marketingchefin Regine Sparber. Der «Lenkerhof» weitet vor allem in der Hochsaison über Weihnachten und Neujahr die Kinderunterhaltung aus: «Dann bieten wir ein Programm an mit Plätzchen- und Pizzabacken, Wettschminken, Iglubauen oder Lesestunden für die Kleinen», sagt Direktorin Schmidt.

Das «Interalpen-Hotel Tyrol» auf der Buchener Höhe betreibt einen «Tipsi-Club». Auch in diesem Fünf-Sterne-Superior-Hotel ist die Einstellung zu den jungen Gästen eher locker: «Lärm, Spielen, Rennen ist generell überall erlaubt, solange sich die anderen Gäste nicht gestört fühlen», sagt Marianne Albert, die Leiterin der Kinderbetreuung. Auch Henning Reichel findet es legitim und wünschenswert, dass Kinder durchs Hotel flitzen und nicht alles still und steif ist.

Doch nicht nur in den Kinderclubs im Hotel geht die Post ab - viele Hotels haben auch ein breites Programm für Kinder in der Natur. Wandern, Bogenschießen, Kletterparks, GPS-Schnitzeljagd, Ausflüge auf den Bauernhof oder in den Zoo - so sehen Ausflüge mit dem Nachwuchs aus. Der «Robinson Club Ampflwang» in Österreich hat eine eigene Reitanlage mit 30 Schulpferden auf dem Clubgelände, wie Hans Schaefer, der Abteilungsleiter Familie bei dem Anbieter, sagt.

Die «Hyatt Hotels & Resorts» haben an ausgewählten Standorten ein eigenes «Camp Hyatt» für den Nachwuchs eingerichtet. «Das Programm ist darauf ausgelegt, den Kindern die landschaftlichen Besonderheiten, die Tierwelt und auch den kulturellen und historischen Hintergrund ihrer Urlaubsregion spielerisch näher zu bringen», sagt Daria Kossogova, Sprecherin der Hotelkette in Deutschland.

Ausstattung, Kinderbetreuung und viel Platz zum Toben: Das alles gehört zu einem runden Angebot für Familien mit Kindern in einem Luxushotel. Doch noch eines ist wichtig: Die Küche muss stimmen. «Kein Kind hat Lust, über Stunden in einem Restaurant zu sitzen und still zu sein», sagt Henning Reichel. Kinder wollen früher essen, schneller, und die meisten von ihnen wollen keine mehrgängigen, hübsch aufbereiteten Gerichte mit Zutaten, die sie noch nie gesehen haben. Also gibt es in vielen Hotels spezielle Kinderbüfetts, die schon früher losgehen als das eigentliche, zumeist mehrgängige Abendmenü.

Oder die Kinder essen in einem eigenen Restaurant, wie das etwa im «Lenkerhof» der Fall ist: «Die Küche stellt sich sehr individuell auf die Kinder ein: Sie haben eine eigene Karte, die sowohl im Hauptrestaurant als auch im Kinderrestaurant verfügbar ist», sagt Direktorin Schmidt. Auch das «Interalpen-Hotel Tyrol» ist auf den Nachwuchs eingestellt: «Es gibt zwei spezielle Kinderspeisekarten, auf denen Snacks, Suppen, Hauptgerichte und Süßspeisen zu finden sind.» In den Ferienzeiten, wenn sich bis zu 100 Kinder in dem Hotel aufhalten, wird im Kinderclub ein eigenes Büfett aufgebaut.

Am besten gefällt es den Kindern allerdings, wenn sie in einem Hotel wahrgenommen werden. «Oft sind es nicht die lauten, teuren Attraktionen, die die Kinder am meisten erfreuen», sagt «Schalber»-Direktor Greiter. «Vielmehr haben wir festgestellt, dass es die bescheidenen Aufmerksamkeiten sind, die die Kinder glücklich machen: das Ostereier-Malen, eine Märchenstunde oder das Glücksschweinchen zu Silvester.» Auch Henning Reichel weiß: «Es sind die kleinen Dinge. Aber sie bringen die Kinderaugen zum Funkeln.» dpa