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29. Dezember 2009

Moderne Benimm-Irrtümer

Wein, Handy und Kino: Benimmregeln a la Knigge und Fettnäpfchen beim Essen und anderswo

Viele Benimmregeln passen nicht mehr in die heutige Zeit. Dafür bringt sie neue Fettnäpfchen hervor - und neue Regeln, die viele nicht kennen. Es gehört sich zum Beispiel nicht, den Milchschaum der Latte Macchiato zu löffeln. Und wenn das Handy an der Supermarktkasse klingelt, ist es unhöflich, beim Bezahlen an das Telefon zu gehen.

Hier neue Benimmtipps im Überblick:    

LATTE MACCHIATO: «Eine Latte Macchiato ist keine Art Dessert oder Pudding, den man löffelt, sondern ein Getränk», erläutert die Etikette-Trainerin Nandine Meyden aus Berlin. «Und Getränke werden getrunken und nicht gegessen.» Außerdem gelte nach wie vor die Regel, dass Kaffeelöffel nach dem Umrühren nicht abgeleckt, sondern auf der Untertasse abgelegt werden sollten.    

Das sieht die Image-Beraterin Imme Vogelsang vom Netzwerk Etikette Trainer International (ETI) in Hamburg ebenso: «Wenn ich im Café unterwegs bin, löffele ich ganz bestimmt keinen Milchschaum.» Wer guten Stil zeigen will, tut es den Etikette-Expertinnen gleich. Die modernen Kaffee-Varianten sind ohnehin eine Quelle schlechten Stils. Vielen ist der Espresso mit Milch am liebsten - die italienischen Sitten für seinen Genuss missachten sie aber.    

Nach dem Essen gehört sich zum Beispiel längst nicht jeder Kaffee - ein Cappuccino beispielsweise sei dann tabu. «Nach einem mehrgängigen Essen gehört zum Abschluss nur ein Espresso», sagt Vogelsang. «Denn wer nach einem mehrgängigen Menü etwas mit Milch trinkt, hat nicht wirklich Stil. Denn damit signalisiere ich dem Gastgeber: 'Ich bin nicht wirklich satt geworden.'» Außerdem könne der Kaffee mit Milch seine wohltuende Wirkung nicht richtig entfalten, ergänzt Meyden: «Die Milch verhindert, dass der Kaffee den Kreislauf so richtig ankurbelt und belebt und etwas für die Verdauung tut.»    

WEIN: Auch beim Wein ist den Expertinnen zufolge viel Unsicherheit und Unwissen vorhanden. Das Glas gehört zum Beispiel nicht am Kelch angefasst: «Ein Glas mit Stil hat einen Stil, weil man es am Stil anfasst», erklärt Vogelsang. Alles andere hinterlasse Abdrücke von Fett oder Schweiß. Und die Hand am Glas verändert die Trinktemperatur des Weins. «Und Wein wird hoffentlich in der richtigen Trinktemperatur serviert, damit er seinen optimalen Geschmack entwickelt.» Wer den Kelch mit der Handfläche anfasst, verändert die Temperatur und damit den Geschmack. Und er beweist, dass er von der richtigen Temperatur nichts versteht und dem Gastgeber keine Servier-Kenntnisse zutraut.    

HANDY: Zu den Verhaltensweisen, die Stilbewusste besser unterlassen, gehört auch das Telefonieren beim Einkaufen. «Wenn man an der Kasse steht und das Handy klingelt, ist es extrem unhöflich der Kassiererin gegenüber, sie als eine Art Möbelstück zu behandeln und einfach weiter zu telefonieren», sagt Meyden.    

Es sei in dieser Situation besser, das Telefonat kurz anzunehmen und auf den ungünstigen Zeitpunkt des Anrufs hinzuweisen. «Man hält außerdem den Betrieb auf und kann die Ware nicht so schnell einpacken», fügt Susanne Helbach-Grosser aus Schwäbisch-Gmünd hinzu, die seit vielen Jahren Nachwuchstrainer ausbildet. Die Lösung: Einen Rückruf in ein paar Minuten anbieten.    

KINO: Unhöflich ist es den Benimmexperten zufolge auch, im Kino mit dem Blick zur Leinwand an den Sitzenden vorbei zu seinem Platz zu gehen. «Das ist eine Missachtung des anderen, ihm meine Kehrseite zuzuwenden», erläutert Meyden. «Außerdem kann ich besser sehen, ob ich den anderen berühre oder ihm versehentlich auf die Zehen trete.»    

EINGELADEN: Wenn der Gastgeber in der Einladung ausdrücklich wünscht, dass die Gäste auf ein Geschenk verzichten sollen, fühlen sich viele mit leeren Händen dennoch unwohl. «Wir als Eingeladene müssen Wünsche des Gastgebers respektieren», erklärt aber Meyden. Dabei sei es egal, ob es um die Kleidung, die Uhrzeit oder Mitbringsel geht. «Eine Missachtung der Wünsche bringt den Gastgeber und andere Gäste in Verlegenheit.» Es sei besser zu fragen, ob ein Gast dem Gastgeber sonst etwas Gutes tun könne - vielleicht zum Büfett beizutragen. (Verena Bast, dpa)