25. Oktober 2017

Naturkork versus Schraubverschluss Tradition und Erfahrung

Naturkork versus Schraubverschluss | Tradition und Erfahrung

Mail aus München: Der Schraubverschluss ist voll im Trend, dennoch werden auch heute noch weltweit von den 18 Mrd. Weinflaschen zwei Drittel mit Kork verschlossen.

Quer durch alle deutschen Weinregionen hat sich der praktische Schraubverschluss durchgesetzt, und das nicht nur bei Alltagsweinen. Für den Deutschen Korkverband ist es daher an der Zeit verstärkt auf die Vorzüge eines guten Naturkorks hinzuweisen. Deshalb engagierte der deutsche und portugiesische Korkverband den Sommelier und Weinfachberater Rakhshan Zouleh, ein Verfechter des Naturkorks, um auf die Vorzüge hinzuweisen, erfreulicherweise mit feinen Weinen im Gepäck die natürlich mit Kork verschlossen waren.

Gleich zu Beginn präsentierte er seine "Edition Rakhshan Zhouleh", ein fantastischer Silvaner, der in Zusammenarbeit mit dem Weingut Fürst Löwenstein in Franken entstand und er wies darauf hin, dass er es absolut vorzieht einen besonderen Wein mit einem Naturkork zu verschließen. Das Weingut Fürst Löwenstein ist eines der ganz wenigen Weingüter in Franken, das dem Schrauber die kalte Schulter zeigt. Rakhshan Zhouleh ergänzt, dass ein hochwertiger Wein auch einen hochwertigen Kork verdient und dass es in der Topgastronomie nach wie vor eine Frage des Stils ist eine edle Flasche Wein vor dem Gast zu entkorken.

Weshalb wenden sich seit den 90iger Jahren immer mehr Winzer vom Kork ab und dem Schraubverschluss zu? Ist es der wesentlich niedrige Preis (zwischen 3 bis 12 Cent pro Verschluss) oder ist es die Angst vor Korkschmeckern?

Rüdiger Bleckmann, Besitzer einer der fünf noch aktiven Korkherstellungsbetriebe in Deutschland erklärte zum Thema Korkschmecker: "Der sogenannten Korkschmecker muss nicht unbedingt vom Naturkork herrühren. Verursacher können auch Trichloranisol (TCA) sein, die bei der Lagerung im Keller oder in den Fässern in den Wein gelangen, selbst wenn die Flaschen mit Glas, Aluminium oder mit Kunststoff verschlossen sind." Er räumt aber ein, dass natürlich bei der starken Nachfrage nach billigen Korken so manches Mal auch die Qualität auf der Strecke blieb, sehr zum Leidwesen der Gastronomen und Konsumenten. Wegen der reduzierten Nachfrage aus deutschen Landen haben die Korkeichen wieder ein wenig mehr Zeit zum Nachwachsen und das Augenmerk wird wieder verstärkt auf hohe Qualität gerichtet.

"Auffallend ist, dass gerade in der Schweiz - die als zu allererst fast vollständig auf Schraubverschluss umgestiegen sind - die Nachfrage nach Naturkork seit Kurzem wieder bemerkenswert ansteigt, insbesondere für Rotweine. Das gleiche gilt auch für die USA und China (hier aber vor allem im Billig-Korkbereich)" berichtete Herr Bleckmann.

Was könnte die Winzer und die Verbraucher überzeugen, dem Naturkork wieder den Vorzug zu geben? Nachhaltigkeit? "Kork ist ökologisch klar im Vorteil", sagt der deutsche und der portugiesische Korkverband, denn:

- Mit der Fläche von 2,3 Millionen Hektar in Portugal (50%), Spanien, Algerien, Marokko, Tunesien und Frankreich binden die mediterranen Korkeichenwälder pro Jahr rund 14 Millionen Tonnen C02.

- Bei der Produktion eines Naturkorkens entsteht 24-mal weniger C02 als bei einem Schraubverschluss aus Aluminium.
- Außerdem sind Korkeichenwälder Rückzugsorte für bedrohte Tierarten wie den Iberischen Luchs, den Spanischen Kaiseradler und den Mönchsgeier. Zudem sind die Bäume ein idealer Überwinterungsplatz für Zugvögel, u. a. für rund 60.000 Kraniche.

- Immer wieder ist man geschockt wenn man die Meldungen über Waldbrände im Mittelmeerraum hört. Ein weiterer Vorteil: Korkeichen sind nur sehr schwer entflammbar!

- Kork wird zu hundert Prozent verwertet. Auch wenn bei der Herstellung von Naturkorken nur 30 % verwendet werden, der Rest wird ebenfalls verarbeitet, sei es für Fußböden, Isoliermaterial, Handtaschen, Schuhe und sonstige Accessoires. Der anfallende Korkstaub wird verbrannt um Energie zu gewinnen.

- Bei der Entsorgung von Korken muss man wissen, dass diese nicht verrotten. Also der Kompost ist keine geeignete Endlagerung. Es gibt zentrale Kork-Sammelstellen in vielen Städten und Landkreisen in ganz Deutschland die Kork weiterverarbeiten, jedoch natürlich nicht wieder zu einem Flaschenverschluss. Mehr unter: www.diakonie-kork.de/de/arbeit-foerderung-betreuung/Produktion-und-Dienstleistung/Korken-fuer-Kork.php und bundesweit unter www.jacques.de/winedepots.php

Das sind ganz klare Argumente für Naturkork, ob es jedoch hilft den Korkverschluss in Deutschland wieder mehr in den Focus zu rücken, bleibt abzuwarten. So sehr ich es auch schätze meinen "täglichen Wein" schnell und unkompliziert zu öffnen und mich freue garantiert keinen Korkschmecker im Glas zu haben, abends will ich, wenn ich entspannt einen gut gereiften Amarone öffne, das wohlklingenden "plopp" hören und am Kork riechen ...

Eure Monika Kellermann