Reise
24. Juni 2013

Neue Bond-Welt auf dem Schilthorn

Foto: schilthorn.ch

George Lazenby spielt einmal 007 und nie wieder. Doch für die Region rings um das Schilthorn in den Schweizer Alpen wurde der Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» zum immerwährenden Glücksfall

Von Thomas Burmeister

Andere Seilbahnen in den Schweizer Alpen mögen beim Abfahren klingeln oder tuten. In den Kabinen der Schilthornbahn jedoch erklingt die wohl bekannteste Titelmelodie der Filmgeschichte - das «James Bond Theme». Kein Wunder: Der Geheimagent bewahrte die einst längste Luftseilbahn der Welt vor einer drohenden Pleite. Mehr als 40 Jahre danach öffnet am Samstag (29.6.) auf dem 2970 Meter hohen Schilthorn - gegenüber vom Gipfeldreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau - die völlig neu gestaltete «Bond World 007» ihre Pforten.

Wo früher kaum mehr als ein paar Schautafeln von der Verwandlung des Schilthorns in den fiktiven Filmschauplatz Piz Gloria erzählten, widmet sich nun eine moderne Ausstellung dem Mythos Bond. Im Mittelpunkt steht jenes cineastische Ereignis, das dem Bergdorf Mürren - Ausgangspunkt für Schilthorn-Touren - seine «1968-er Revolution» bescherte: Die Dreharbeiten für den sechsten Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät».

Vom 21. Oktober 1968 an, so berichtete die «Berner Zeitung», habe die 120-köpfige Filmcrew den Ort in Aufruhr versetzt. Tagsüber donnerten Hubschrauber über Mürren und das nahe Lauterbrunnental hinweg. Und in der Nacht habe für die partyverwöhnten Filmleute die Polizeistunde aufgehoben werden müssen. «Es "bondet" im Kurort», titelte die Boulevardzeitung «Blick».

Für die größte Aufregung sorgten allerdings weder der Typ mit der Kino-Lizenz zum Töten, noch der glatzköpfige Filmbösewicht Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas) mit seiner weißen Katze. Das schafften vielmehr die zehn bildhübschen «Bond-Mädchen», die Blofeld auf dem Piz Gloria unter dem Vorwand einer Allergietherapie zu zweibeinigen Virusbomben auszubilden versuchte.

Dem Australier George Lazenby brachten die attraktiven Damen freilich kein Glück: Er ging in die Filmgeschichte als der einzige der bislang sechs 007-Darsteller ein, für den der erste Bond-Film auch der letzte war. Weit vom Ruhm eines Sean Connery oder Roger Moore entfernt, blieben Lazenby danach nur Jobs in B-Movies, Hongkong-Action-Streifen, Bond-Parodien oder als Dressman.

Jedoch gab es auch immer einen treuen Kreis von 007-Lazenby-Fans. So dürfte der attraktiv gealterte 73-Jährige am Wochenende bei der Rückkehr an seinen Alpen-Einsatzort Autogrammwünsche zu erfüllen haben. Auch einige der Stuntmen werden erwartet. Ihnen war es mit zu danken, dass der Film trotz einer insgesamt wenig spannenden Handlung nicht floppte: Spektakuläre Hubschrauberflüge und Verfolgungsjagden auf Skiern und in Bobschlitten bügelten Schwächen aus.

Zugleich ging «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» als der Streifen mit der herrlichsten Bergkulisse in die 007-Annalen ein. Und mit einem aufsehenerregenden Gebäude - dem ersten alpinen Drehrestaurant der Welt. Als Regisseur Peter Hunt der fast fertiggestellte Rundbau des Berner Architekten Konrad Wolf auf dem Schilthorn gezeigt wurde, war die Schauplatzsuche beendet: «Perfekt», entschied Hunt.

Bevor er seiner Bestimmung als Restaurant gerecht werden konnte, musste der Konrad-Bau als Heimstatt des Bösen dienen. Die Entscheidung rettete damals das ingenieurtechnisch geniale, aber wirtschaftliche riskante Projekt Schilthornbahn. Statt der eigentlich erwarteten tiefroten Zahlen schrieb das Unternehmen dank der Popularität durch den Bond-Film bald schwarze.

«Als Bond-Drehort verfügt die Schilthornbahn über einen Werbefaktor, der auf der ganzen Welt auf Anhieb verstanden wird - bis heute», schrieb die Schweizer Nachrichtenagentur sda. Doch der 007-Glanz wäre wohl allmählich verblasst, wenn Schilthornbahn-Chef Christoph Eggert nicht entschieden hätte: «Dieses Thema wollen wir spürbar beleben und ausbauen.»

Das Ergebnis ist eine kleine, aber feine interaktive High-Tech-Show auf fast 3000 Meter Höhe. Die Schlüsselszenen des Films sind nun nacherlebbar - vom simulierten Helikopterangriff auf Blofelds Bergfeste im Originalgehäuse einer Alouette III der Air Glaciers bis hin zum «Ride» im orangenen Bobschlitten, in dem Bond einst dem Bösewicht bei einem halsbrecherischen Rennen davonraste. dpa

bond-world.ch