News
09. August 2008

Neue Serie: Two German Volunteers for Obama (1)

Democrats abroad und Tracey Sperko

Catharina Wilhelm volontiert gerade in Milwaukee/Wisconsin bei den Democrats im Obama-Wahlkampf. Die Autorin ist Event- und PR-Managerin, war für Hallwag, Teubner, GU zuständig und obamiert ab sofort an dieser Stelle. Also viel Kultur-Politik mit Einblick in die amerikanische Wahlkampf-Seele. Dabei werden auch typische Milwaukee-Klassiker wie German Bratwurst, Braukunst, Steaks und Eiscreme nicht zu kurz kommen, versprochen! Der Start der Serie heute: Two German Volonteers for Obama

Mission-Vision-Value: Obamieren for Germans!

Unsere Mission ist eine innere und sie heißt: wir wollen hinter die Kulissen des amerikanischen Präsidentschafts-Wahlkampfs blicken. Wie arbeitet die Basis? Wie viele Volunteers, also freiwillige Helfer, gibt es wirklich, was ist ihre Arbeit, wie viel Einsatz steckt dahinter und welchen Effekt hat sie? Und wie werden zwei Deutsche aufgenommen, wenn sie diesen Blick ins Innere einer Partei wagen wollen, die alle Hoffnung auf den Sieg ihres Frontman Barack Obama setzt: voller Skepsis oder mit Begeisterung?

Unsere Vision lautet: Wir wollen ein wenig besser verstehen, warum der US-Wahlkampf so ist, wie er eben ist: langatmig und für uns Europäer schon deshalb ein wenig unverständlich. Ein ganzes Jahr lang wird geschuftet, debattiert, plakatiert, es werden Vorwahlen abgehalten, Auslandsreisen genutzt, um sich international zu positionieren und Spenden gesammelt in Höhen, von denen so mancher gesunde Mittelständler nicht zu träumen wagt. Und all dies, bevor es überhaupt in die eigentlich heiße Phase geht!

Unser Value: noch ist er nur zu ahnen, der Wert unserer Begegnungen und Erlebnisse. Aber bereits nach den ersten Stunden in einem Wahlbüro der Demokraten wird klar: wir werden viel Wissen mit nach Hause nehmen können. Und das ist schließlich immer eine Bereicherung.

Wir sind in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin, gute zwei Stunden nördlich von Chicago, direkt am Lake Michigan gelegen. Milwaukee ist die Stadt der amerikanischen Braukunst, oder zumindest dessen, was die US-Bürger dafür halten und wovon man eine Bayerin, die noch dazu doch Wein viel lieber mag als Bier, erstmal überzeugen muss. Miller, Pabst, Stroh und Leinenkugel haben hier ihren Sitz, und ja: ihre Gründer waren deutsche Einwanderer. Hier gibt es viele Familiennamen deutscher Genese wie Lustig, Martin oder Mandl. German Bratwurst, Dumplings with Braten oder Spatzle, das sind die Gerichte, die unsere Gastgeber hier mit leuchtenden Augen nennen, wenn sie über ihre Lieblingsgerichte sprechen.

Imagine that, in Florida habe ihr mal jemand eine "Italian sausage" als echte Bratwurst angeboten, absolutely horrifying, meint Tracey Sperko, 42 Jahre alt. Auch ihr Vater hatte deutsche Vorfahren und nun wird ihr Sohn wieder deutsch lernen, was sie selbst leider verpasst habe. Sie und ihr Mann Rick sind überzeugte Democrats, daran lässt schon das Auto keinen Zweifel. "McCain: Bush's Third Period" besagt einer der zahlreichen Aufkleber, der keinen Hehl macht aus ihrer politischen Überzeugung. Sie ist aktiv in der Frauenbewegung, sie ist der Teil der Friedensbewegung, sie hat John Kerry mit großem Elan unterstützt. Tracey erzählt von ihren Erfahrungen im Einsatz von Desert Storm und vergleicht sie mit dem, was sie heute von ihren Ex-Kollegen hört, wenn diese vom Irak-Krieg berichten.

Sie lässt uns wissen, dass ungefähr 5000 Amerikaner seit Beginn des Irak-Konflikts gefallen sind, Zahlen, die wir kennen aus den deutschen Medien. Was uns neu ist: es gibt über 6000 Suizid-Tote im gleichen Zeitraum. Frauen und Männer, die ihrem Leben vor Ort oder während ihres Heimaturlaubs ein Ende gesetzt haben. Diese Statistik sei inoffiziell, da Selbstmord-Tote außerhalb der eigenen Landesgrenzen nicht als solche gälten, hören wir.

Was uns hierher brachte, waren eine spontan entwickelte Charity-Aktion auf der Business-Internetplattform XING im vergangenen Dezember und ein engagierter Exil-Amerikaner in München: John Thayne Savee war einer von 24 "Adventsmen, Männer für den guten Zweck", die interessante Angebote zur Auktion eingestellt hatten, die ausschließlich von Frauen ersteigert werden konnten. Und John hatte ein Volontariat bei den Democrats in Milwaukee, seiner Heimatstadt, angeboten. Als Auktionsmoderatorin erwähnte ich ein paar Mal, wie aufregend dieses Angebot doch sei, so kam John nach Auktionsschluss auf mich zu und bot mir einen Platz in einer Gastfamilie an. Ich müsse mich nur um die Anreise kümmern. Gesagt, getan. Ein Angebot, dass ich nicht ausschlagen konnte, eine vergleichbare Möglichkeit, den US-Wahlkampf hautnah mitzuerleben, bietet sich wohl kaum ein zweites Mal.

Und weil die Chance so einmalig ist, kommt mein 15jähriges Patenkind gleich mit. Im Gepäck (das mal wieder kaum seinen Bestimmungsort erreichte, aber das ist eine andere Geschichte): die Obama-Autobiographie, jede Menge deutsche Schokolade als Mitbringsel und eine große Portion Neugierde nach ausführlichen Vorab-Gesprächen mit den "Democrats Abroad", den demokratischen Auslandsamerikanern, in München.

Wir werden nun also mitarbeiten in mehreren Stadtbezirken Milwaukees, wir werden telefonieren und von Haus zu Haus ziehen, um die Menschen von Barack Obama zu überzeugen, wir sollen einen Senator in Madison, Wisconsin treffen, wir werden Sticker verteilen, Interviews geben und wir werden den Büroleitern und ihren Mitarbeitern berichten, wie Obama in Deutschland gesehen und eingeschätzt wird. Wir werden bis zum 20. August obamieren, was das Zeug hält: Two German Volunteers for Obama!

Grüße aus Milwaukee

Catharina Wilhelm