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15. Juni 2009

Obama besuchte die Queen

... und das Bio-Gemüse im Buckingham-Palast. Königin Elizabeth II. ist unter die Gärtnerinnen gegangen

Zwei starke Frauen dieser Welt teilen eine Leidenschaft: das Gärtnern. Nach US-Präsidentengattin Michelle Obama, die vor dem Weißen Haus in Washington ein Gemüsebeet angelegt hatte, ist jetzt auch Königin Elizabeth II. unter die Gärtnerinnen gegangen. In dem neuen königlichen Biogarten wurden seltene und bedrohte Sorten angepflanzt, darunter die gelbe Johannisbeertomate «Sonnenbaby» oder die französischen Bohne «Blaue Königin». Zuletzt hatten die Royals während des Zweiten Weltkriegs Gemüse im Garten des Palastes gezüchtet. Erste Haus-Erdbeeren haben die Küchenchefs schon serviert.

Obama-Tochter Sasha gehörte an ihrem achten Geburtstag am vergangenen Mittwoch zu den ersten Besuchern. Wie erst am Sonntag aus Kreisen des königlichen Hofes bekannt wurde, erhielten Sasha, ihre Schwester Malia (10) und ihre Mutter eine äußerst seltene Führung durch den königlichen Garten. Die Queen schaute sich die Früchte der Saat erst am Samstag an, als sie ihren Geburtstag offiziell feierte.    

Zum Abschluss der drei Stunden langen Führung in dem 16 Hektar großen Garten trafen die Obamas die Queen. Aus den sonst diskreten königlichen Mauern drang außerdem, dass die beiden Frauen auch ein gemeinsames Interesse für Landschaft und Mode haben. Der königliche Hof gibt keine offiziellen Stellungnahmen zu Privatbesuchen ab.

Die Freundschaft der Frauen begann mit einem Verstoß gegen das Protokoll: Die amerikanische Präsidentengattin hatte beim Rahmenprogramm zum G20-Gipfel im Buckingham-Palast ihren linken Arm um die Schulter der Queen gelegt. Dass Michelle Obama damit gegen die Etikette verstieß, störte die 83-jährige Monarchin aber offensichtlich nicht: Sie nahm die freundschaftliche Geste gelassen hin und legte ihren Arm um die First Lady. Das Protokoll untersagt, die Königin zu berühren. Die Queen hatte damals gesagt: «Jetzt, wo wir uns getroffen haben, würden Sie bitte in Kontakt bleiben?»

Den endgültigen Startschuss für den Obst- und Gemüse-Anbau gab die britische Stiftung Biogarten, die sich für den Anbau von saisonalem, biologischem und landestypischem Obst und Gemüse einsetzt. Die Stiftung hatte die Samen für die Sorten gespendet. Die Hofgärtner pflanzten sie vor sechs Wochen in traditionell königlicher Garten- Geometrie an. Besondere Aufmerksamkeit zieht dabei ein Rundbeet aus konzentrischen Kreisen auf sich. Darin wachsen und gedeihen die Karottensorte «Abflug» und der Rote-Beete-Typus «Rotes Ass». Unter dem noch jungen Gemüse bestaunte die 83 Jahre alte Monarchin die Tomate «Königin der Herzen» und den Salat «Nördliche Königin». Hier kommt nur flüssiger Seetang als Pflanzennahrung und Knoblauch gegen Blattläuse zum Einsatz.

Am Samstag hatte die Queen ihren Geburtstag mit der Militärparade «Trooping the Colour» nachgefeiert. Die 83-Jährige grüßte bei gutem Wetter im himmelblauen Mantel bei Prunk und Pomp im Zentrum der britischen Hauptstadt tausende Schaulustige von ihrer offenen Kutsche, die auf dem Hof der Königlichen Reitergarde an den angetretenen Truppen vorbeifuhr. Dort nahm sie den «Royal Salute» ab. An dem Festakt nahmen mehr als 1100 Soldaten teil. Eigentlich wurde die Königin schon am 21. April 83 Jahre alt, wegen des zumeist besseren Wetters findet die offizielle Geburtstagsfeier jedoch immer im Juni statt. dpa