Genussgipfel Österreich
09. August 2014

Österreich Nachhaltig produzierter Wein

Foto ÖWM/Stöcher

Projektstart Nachhaltig produzierter österreichischer Wein

Seit vielen Jahren stellt die Nachhaltigkeit auch in der Landwirtschaft ein wichtiges Thema dar - zunehmend auch im Weinbau. Nun stellt der Österreichische Weinbauverband nach mehrjähriger Vorarbeit der heimischen Weinbranche ein Online-Tool zur Verfügung das von Winzern vorerst zur Eigenbewertung herangezogen werden kann. Im Winter 2014/2015 wird damit auch eine Zertifizierung möglich sein.

Der Weinbau ist aufgrund der eingesetzten Pflanzenschutzmittel und Dünger sowie aufgrund des Energie- und Wasseraufwandes sowie Transportes eine sehr intensive Form der Landwirtschaft. Zudem reagiert der Weinbau sensibel auf veränderte Wetterverhältnisse, wie lange Dürre- oder Regenperioden, die durch den Klimawandel verstärkt werden. Daraus stellen sich Fragen wie "Wie kann sich der Weinbau an veränderte Klimabedingungen anpassen? oder "Wie sieht nachhaltiger Weinbau aus, der sowohl ökologischen als auch sozial und ökonomischen qualitativ-hochwertigen Wein produziert? Welche Maßnahmen sind dafür notwendig?"

Online-Tool zur Nachhaltigkeits-Selbstbestimmung

Als Antwort darauf und aufbauend auf vorangegangene Klima-Projekte initiierte der Österreichische Weinbauverband die Entwicklung eines Zertifizierungssystems für nachhaltig produzierten Wein, welches WinzerInnen eigenständig anwenden können. "Das Nachhaltigkeitsprojekt ist kein Marketinggag", verdeutlicht Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager die Bedeutung der Initiative. "Es ist wichtig, das Thema bei den Konsumenten im Kopf jetzt positiv zu besetzen, bevor es von außen an die Branche herangetragen werde." "Andere Länder sind beim Thema Nachhaltigkeit bereits seit Jahren aktiv", erklärt Josef Glatt, Geschäftsführer des Österreichischen Weinbauverbandes. "Österreich ist durch seine Aktivitäten, etwa in Sachen Boden- und Pflanzenschutz, prädestiniert, sich dem Thema Nachhaltigkeit aktiv zu nähern." Gemeinsam mit Fachexperten und in mehreren Stufen wurden in unterschiedlichen Prozessen (Traubenproduktion, Weinerzeugung, Weingartenanlage, Soziales und Ökonomie) Qualitätsziele definiert und Maßnahmen zur nachhaltigen Umsetzung erarbeitet.

Eigenverantwortung als Basis für die Zertifizierung

In dem für alle online verfügbaren Programm erhalten WinzerInnen nach Eingabe ihrer betrieblichen Kennzahlen eine Auswertung ihrer Nachhaltigkeit in Form eines Diagramms (Siehe Abbildung 1). Die Eingaben in den je nach Betrieb vorhandenen Bereichen (Traubenproduktion, Weinproduktion, Weingartenanlage) werden automatisch nach einem bestimmten Schlüssel bewertet. Das heißt, dass Maßnahmen die nur einen geringen Beitrag zur Nachhaltigkeit haben, eine geringere Wertigkeit bekommen, während etwa die Umstellung beim Flaschenglas auf Leichtglas einen großen Schritt bedeutet. Sind alle Punkte ausgefüllt, wird das Ergebnis in Form eines Diagramms ausgegeben Der schwarze Punkt markiert den aktuellen Wert in dieser Kategorie. Je weiter außen der Punkt liegt, desto nachhaltiger wird in diesem Bereich gewirtschaftet. Der rote Bereich zeigt deutliches Verbesserungspotenzial an, der grüne Bereich überdurchschnittliche Nachhaltigkeit. Das System wirft somit keine konkreten Zahlen aus, sondern einen Relativbezug. Damit ist für WinzerInnen ersichtlich, wie weit sie von einem optimal wirtschaftenden Betrieb entfernt sind und welche Verbesserungen mit diversen Maßnahmen erreicht werden können.

Für die Bewertung dieser Maßnahmen in Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit werden laufend folgende Kriterien herangezogen:

• Klimaneutralität

• Wassernutzung

• Energieeinsatz

• Betriebsmitteleinsatz

• Bodenfruchtbarkeit

• Biodiversität

• Hoher Qualitätsanspruch

Die ersten Zertifizierungen können ab Winter 2014/2015 vorgenommen werden.

"Bio ist positiv, aber alleine zu wenig", kommentiert Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing. "Das neue Nachhaltigkeitsprojekt passt bestens zur Positionierung Österreichs als ursprüngliches Urlaubsland mit reiner Natur. Um mit Nachhaltigkeit argumentieren zu können, muss es langfristig einen hohen Beteiligungsgrad am Projekt geben."