BEER & BRAU
04. Oktober 2009

Oktoberfest - die Bilanz

Das Oktoberfest in München verliert an Beliebtheit: Weniger Bier und weniger Besucher

Terrorangst und Wirtschaftskrise haben dem Münchner Oktoberfest 2009 trotz Traumwetters die schlechteste Besucherbilanz seit 2001 beschert. An den 16 Festtagen seien nur rund 5,7 Millionen Menschen auf die Theresienwiese gekommen, sagte Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl zum Abschluss am Sonntag. Im vergangenen Jahr waren rund sechs Millionen Gäste gezählt worden.

Von Rekordständen der Vergangenheit ist die Wiesn damit weit entfernt. 1985 waren 7,1 Millionen Besucher auf das größte Volksfest der Welt gekommen. Mit 5,5 Millionen Menschen waren es seither nur 2001 - unmittelbar nach den Terroranschlägen in den USA - weniger gewesen als dieses Jahr.

Der Bierkonsum ging unterdessen nur gering zurück: Nach 6,6 Millionen Maß Bier im Vorjahr wurden 2009 rund 6,5 Millionen Maß getrunken. Damit stieg auch die Zahl der Bierleichen nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes stark an. So mussten sich Ärzte und Sanitäter um 759 Volltrunkene kümmern. Zwei Drittel davon waren unter 30 Jahre, etwa jede Dritte eine Frau.

Nach mehreren Drohvideos des Terror-Netzwerks El Kaida waren in der zweiten Wiesn-Woche die Sicherheitsmaßnahmen massiv verschärft worden. In den Bierzelten waren jeden Morgen Polizeistreifen mit Sprengstoffhunden unterwegs. Rucksäcke und Taschen von Besuchern wurden zum Teil penibel durchsucht. Zwei in München lebende mutmaßliche Islamisten wurden bis zum Ende des Volksfestes vorbeugend in Polizeigewahrsam genommen.

Von den verstärkten Sicherheitsvorkehrungen ließen sich wohl auch die Souvenirjäger abschrecken, die versuchten, einen Maßkrug vom Festgelände zu schmuggeln: Rund 145 500 Bierkrüge sammelten die Ordner wieder ein, im Vorjahr waren es noch rund 200 000. Die Zahl der Maßkrug-Schlägereien ging den Angaben zufolge erheblich zurück.

Im Laufe der zwei Wochen starben mindestens drei Festplatz- Besucher. Ein betrunkener Australier wurde auf dem Heimweg zu einem Campingplatz von einer S-Bahn erfasst und getötet. Auf dem Busparkplatz der Wiesn starb ein 51-jähriger Mann. Ein englischer Tourist starb, als er betrunken aus dem Hotelfenster pinkelte und abstürzte.

Gerade die Schausteller und Souvenirhändler litten unter der Wirtschaftskrise. Sie klagten über Umsatzrückgänge. Die Wiesn-Küchen verzeichneten ein Minus von zwei Prozent. Reger Betrieb herrschte hingegen im Wiesn-Fundbüro, wo rund 4100 Fundstücke abgegeben wurden ­ darunter auch eine Angel, ein Toaster, ein Zwergpinscher und ein Milchzahn. dpa

Alles über Bier und Brau