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17. Dezember 2014

Olivenöl Schwarzes Jahr für Olivenöl-Ernte

Das Wetter war mies, und eine Fruchtfliege hat den Olivenbauern den letzten Rest gegeben. Die Ernte in Italien und Spanien ist so schlecht wie seit langem nicht mehr - dafür Olivenöl-Superjahr in Griechenland

Von Annette Reuther und Hubert Kahl

Zu Weihnachten ist in Italien Essen «Made in Italy» ein absolutes Muss: Panettone, Wein, Käse, Schinken, gutes heimisches Olivenöl. Olivenöl? Dieses Jahr ist die Ernte so katastrophal wie seit langem nicht mehr. Doch nicht nur in Italien, auch in Spanien - dem weltgrößten Exporteur von Olivenöl - klagen die Bauern. Experten warnen vor Oliven-Diebstahl, Panschern und Etikettenschwindel. Am Ende zahlt der Verbraucher.

ITALIEN: Bilder von verschrumpelten Oliven und verzweifelten Bauern beschreiben das «Annus horribilis» der Olivenernte wohl am besten. Schuld ist einerseits der verregnete Sommer, andererseits die «Killerfliege» Bactrocera oleae, deren Larven das Fruchtfleisch auffressen. Die Olivenöl-Produktion sinkt diese Saison im Vergleich zur vorherigen nach Schätzungen des Agrarverbands Coldiretti um 35 Prozent auf rund 300 000 Tonnen. In einigen Regionen, darunter in der Toskana, fiel die Ernte fast komplett aus. Ein Desaster, ist Italien doch nach Spanien der zweitgrößte Exporteur von Olivenöl.

Kunden müssen tief in die Tasche greifen: Der Liter extra natives Olivenöl aus Italien koste rund zehn Euro, das seien 40 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, schreibt die Genossenschaft der Olivenbauer, Unaprol.

Weil es zu wenig italienisches Öl gibt, muss mehr importiert werden - Italien ist sowieso schon der weltgrößte Importeur von Olivenöl. Der Agrarverband warnt vor eine «Invasion» von schlechterem Olivenöl aus dem Ausland. Vermutlich müsse 2014 so viel eingeführt werden wie nie zuvor. «Zwei von drei Flaschen, die in Italien abgefüllt werden, erhalten Öl aus dem Ausland», sagte Coldiretti-Präsident Roberto Moncalvo. Der Verbraucher könne das auf dem Etikett aber nicht erkennen. Deshalb sei eine «Task Force» nötig, um Schwindel und Panscherei aufzudecken.

Der Verband warnt auch vor Oliven-Diebstahl. Räuber seien erwischt worden, die tonnenweise Oliven und Öl gestohlen hätten. Bauern hätten schon Patrouillen organisiert, um ihre «Oliven so wertvoll wie Diamanten» zu schützen. Auch Videokameras in den Olivenhainen seien eine Option.

SPANIEN: Nach einer Prognose des Internationalen Olivenöl-Rats IOOC wird die vor wenigen Wochen begonnene Ernte in Spanien 800 000 Tonnen Olivenöl abwerfen. Das ist nicht einmal die Hälfte der Produktion in der vorangegangenen Erntesaison. Allerdings sieht der Rückgang ein wenig dramatischer aus als er wirklich ist. Spanien hatte 2013/14 eine Rekordernte eingefahren und mit fast 1,8 Millionen Tonnen mehr Olivenöl produziert als je zuvor. Die jetzige Ernte dürfte etwas besser ausfallen als 2012/13, aber deutlich unterhalb des Durchschnittswerts der vergangenen fünf Jahre liegen.

Die Region Andalusien, in der gut 80 Prozent des spanischen Olivenöls hergestellt wird, erwartet im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 56 Prozent. «Damit werden wir 42 Prozent unterhalb des Durchschnitts der vergangenen fünf Jahre liegen», sagte die andalusische Agrarministerin Elena Víboras. Eine ungewöhnliche Hitze hatte im Mai die Blütenbildung und das Wachstum der Früchte beeinträchtigt. Im Juni setzte dann Hagel den Olivenbäumen zu. Andalusien beantragte bei der spanischen Regierung einen Ausgleich für die Verdienstausfälle der Erntehelfer. Ein Trost für die Hersteller ist der Anstieg der Preise. «Wir hoffen, dass in der Kette der Herstellung und Vermarktung alle Glieder in gerechter Weise daraus Nutzen ziehen», sagte die andalusische Ministerin.

Anders ist die Lage in GRIECHENLAND. Dort freut man sich über ein Olivenöl-Superjahr. Während letztes Jahr die Produktion 135 000 Tonnen erreichte, werde dieses Jahr 280 000 Tonnen größtenteils reines Olivenöl bringen, teilte der Verband der Olivenölproduzenten mit. Panagiotis Tagaris, ein Olivenölproduzent aus der Region Zacharo auf der Halbinsel Peloponnes, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Dieses Jahr hatten wir Glück. Kein Insektenbefall, Superwetter im Sommer. Deswegen sind wir total glücklich mit unserer Produktion.» dpa