14. September 2009

Olivenöl vom Mosel-Winzer

Guten Rotwein von der Mosel gibt es seit längerem, Molitor sei Dank. Jetzt versuchen sich Winzer wie Clemens Busch auch in Olivenöl

Ein Tropfen Öl, drei Tropfen Schweiß. So lautet das Motto beim Olivenanbau. «Oliven zu Öl zu verarbeiten ist natürlich eine körperlich anstrengende Sache», sagt Bernd Schäfer und hält eine Flasche des goldgelben Saftes prüfend in die Höhe. «Doch die Anstrengung lohnt sich. Olivenöl ist ein Modeartikel geworden, über dessen Herstellung die meisten Verbraucher dennoch nicht Bescheid wissen», erklärt Schäfer, der als Versicherungsmakler arbeitet. «Meine Frau und ich haben einen Olivenhain mit 400 Olivenbäumen in der Türkei. Vor drei Jahren kam uns die Idee, den Anbau auch in Deutschland zu versuchen.»

Gesagt, getan: In Öko-Winzer Clemens Busch in Pünderich (Kreis Cochem-Zell) fanden sie einen Unterstützer ihrer Idee. Schäfer: «Von der Gemeinde Pünderich haben wir eine 4000 Quadratmeter große Steillage an der Mosel gepachtet und Anfang März 2009 dort 200 Olivenbäume gepflanzt». «Für uns ist das ein großes Abenteuer: Es gibt keine Erfahrungswerte, und wenn wir Pech haben, dann ist die ganze Arbeit umsonst und die Bäume gehen ein», skizziert Ayse Aktül- Schäfer das Risiko ihres Oliven-Experiments.

Denn Frost könnte den Plan durchkreuzen, an der Mosel Olivenöl herzustellen. Mehrere Wochen im Winter Temperaturen unter Minus sechs Grad Celsius würden die Olivenbäume gefährden. «Klar: Wir sind in Deutschland. Das kann passieren. Aber die Idee elektrisiert uns, und wir sind absolute Dickköpfe. Seit Jahren spielen wir mit der Idee, die Olive hier anzubauen. Als Pionier muss man die Dinge auch realisieren», sagt Bernd Schäfer. Mindestens drei Jahre wird es dauern, bis die ersten Bäume Oliven tragen. Erst nach sieben Jahren rechnet das Ehepaar, das in Köln-Sürth lebt, mit nennenswerten Erträgen.

«Wir haben auch schon den Grundstein für den nächsten Olivenhain in Deutschland gelegt. In Zell im Zellertal in der Pfalz werden wir ein ähnlich großes Areal wie in Pünderich im nächsten Frühjahr zusammen mit dem Öko-Winzer Helmut Krauß bepflanzen.» Vor wenigen Wochen wurden die ersten Bäume gesetzt. So wollen die Schäfers mit geringerem Risiko das Verhalten der Bäume im Winter beobachten. Das olivenbegeisterte Ehepaar möchte wissen, ob die Bäume in einem Löss- Boden, wie er in der Pfalz zu finden ist, genauso gut gedeihen wie auf Schiefer-Böden in den Mosel-Steillagen.

Vor allem hoffen sie auf den Klimawandel. Schäfer: «Es wird wärmer in Deutschland. Viele Winzer profitieren davon und bauen plötzlich Rebsorten an, die früher nur in Italien oder Südfrankreich gediehen. Wenn am Kaiserstuhl in Baden plötzlich Cabernet-Sauvignon wächst, wieso soll man es dann nicht mit Oliven in Rheinland-Pfalz probieren?»

Obstbau-Professor Peter Braun von der Fachhochschule in Geisenheim (Rheingau) ist skeptisch. «Das ist ein interessantes Vorhaben. Natürlich verändert sich auch das Klima bei uns hier in der Region. Ich kann jedoch nicht seriös vorhersagen, ob dadurch Olivenbäume an der Mosel überwintern können. Fakt ist jedoch, dass die Sommer wärmer werden», sagt der Obstbau-Professor auf Nachfrage der dpa. «Die Überlebenschancen der Olivenbäume werden sicherlich dann gesteigert, wenn die Lage wärmebegünstigt ist. Deshalb will ich einen Erfolg des Projekts nicht ausschließen.»

In ihrem Optimismus ist das Kölner Oliven-Ehepaar nicht zu bremsen: Sie haben die Mosel-Steillage für 50 Jahre gepachtet. «Olivenöl ist zum universellen Lebensmittel der modernen Küche geworden, obwohl die Qualität der Angebote häufig nicht hoch ist. Das Bewusstsein für gutes Olivenöl wird steigen, und hier sehen wir unsere Chance», sagt Bernd Schäfer und hofft auf Käufer, die bereit sind, für hochwertiges Olivenöl den Geldbeutel weiter zu öffnen als beim Öl-Kauf im Discounter.

Und wenn die ersten Oliven-Bäume doch eingehen? Dann werden sich die Schäfers nicht entmutigen lassen und aus den Erfahrungen lernen. Eines Tages wird es klappen, da sind sich beide sicher. www.olea-organica.de