28. September 2009

Paris, seine Restaurants und die Mode

In Paris öffnen zu den Modeschauen neue Restaurants und Bars von Ladurèe, Philippe Starck und Fauchon: Warum man auf dem Dach eines Museums essen muss und wo die Pariser Gesellschaft brav Schlange steht

Dinieren auf einem Museumsdach, mit den 100.000 Lichtern des Eiffelturms als Kulisse. Nein, der Connaisseur hat nicht zuviel Champagner getrunken, er sitzt im Restaurant Nomiya, was auf japanisch soviel heißt wie "Restaurants von der Größe einer Westentasche", das auf dem Dach des Palais de Tokyo steht.

Das frühere "Einzimmer-Hotel Everland" auf dem Dach des Museums wurde für ein Jahr von einem genauso spektakulären Projekt abgelöst: dem Restaurant "Art Home" nach einem Konzept des französischen Künstlers Laurent Grasso mit der Unterstützung des Elektroartikelherstellers Electrolux. Das sehr kleine, sehr schicke Restaurant im futuristischen Glaswürfel bietet einen grandiosen Blick über die Dächer von Paris bis hin zum Eiffelturm und der Seine. Bis zu maximal zwölf Personen haben die Möglichkeit, sich von der Küche des Chefs Gilles Stassart verwöhnen zu lassen. Ein 5-gängiges Mittagsmenü um 60 Euro oder 5-gängiges Abendessen um 80 Euro inkludieren ein Glas Champagner, Weine und Kaffee, Reservierungen erfolgen ausschließlich über  www.art-home-electrolux.com

Soviel Aussicht braucht einen starken Drink danach.Der Weg führt in das La Paiva. Das großartige Hôtel Particulier, das einst von La Paiva, der bekanntesten Kurtisane ihrer Zeit erbaut wurde, leuchtet seit Neuem wieder in prachtvollem, napoleonischem Stil. Aufgemotzt wurde es von Stardesigner Jacques Garcia, der schon den Glam Chic ins weltbekannte Hôtel Costes brachte. Hohe Decken, Onyxnymphen, Alabastertreppen, Gold und purpurfarbene Wandbehänge erinnern an die Zeit, als die Nobelhure ihr prunkvolles Untergrundleben im elegantesten und luxuriösesten Haus der Champs Elysées führte. Finanziell überlebt man den Einsatz: Vier Glas Champagner, ein Campari Orange - 70 Euro.

Zweiter Stopp: Gleich ums Eck, in der Rue Lincoln. Dort eröffnete die Bar Ladurèe (Foto) des gleichnamigen Makronen-Produzenten. Die "Haus-Designerin" Roxane Rodriguez weiß schon, was sie der Kundschaft schuldig ist, die in der neuen Bar Champagner und Austern schlürfen, Kaviar und Biolachs essen. Von Wirtschaftskrise und Rezession ist dort nichts zu sehen.

Weiter in der Stadt an der Seine: 11. Arrondissement, Rue Paul Bert, Resto Unico - eine Fleischerei aus den 70er Jahren, die von einem Fotografen und einem Architekten zu einem argentinischen Steaklokal umgebaut wurde. Das ist retro as retro can be. Wenn da kein Platz frei ist, was meistens der Fall ist: Straßenseite wechseln und das Bistro Paul Bert aufsuchen.

Einen Steinwurf entfernt vom berühmten Cafe de Flore in St. Germain haben Jean Georges Costes und Alexander Denis ihr neues Restaurant La Societe eröffnet. Nomen est omen: Die ganze Gesellschaft Paris' steht Schlange, um einen Platz im Restaurant mit Jazz-Live-Musik zu bekommen. 4 place St. Germain des Prés.

Irgendwann wird man dann auch müde. Das neue Hotel Lumen liegt für Cityhopper ideal: Zwischen dem Louvre, der Place Vendôme, der alten Opéra und direkt an der bekannten Shoppingmeile Rue St. Honoré haben Alain Daronian und der Designer Claudio Colucci ein kleines, feines 32-Zimmer- Boutiquehotel geschaffen.

Neu ist auch das Hotel Mama Shelter im 20. Bezirk, etwas weiter entfernt vom Zetrum, das neue Boheme-Viertel der Stadt. Gebaut von den Trigano-Brüdern (der Opapa gründete einst den Club Med), eingerichtet von Philippe Starck. In der Küche steht Drei-Sterne-Koch Alain Senderens. Natürlich nicht er selbst, sondern seine Truppe.

Wir sind noch nicht am Ende: Im Museum der dekorativen Künste "Musée des Arts Décoratifs" hat das Restaurant "Le Saut du Loup" Platz gefunden, am Place de la Madeleine erweitert der Feinkosthändler Fauchon sein Geschäft "La Belle Madeleine" um eine Bäckerei mit 25 Gedecken und eröffnet "Fauchon Paris, le Café", ein Restaurant mit mehr als 100 Plätzen.

Hélène Darroze setzt im "Toustem", ihrem neuen Restaurant im Quartier Latin, auf die Bistro-Karte, während Christian Constant mit "Les Cocottes" sein viertes Restaurant in der Rue Saint-Dominique eröffnet. "La Tour d'Argent", das berühmte Restaurant am Quai de la Tournelle, zeigt sich im völlig neue Outfit. "Il Vino", am Boulevard de la Tour Maubourg, eröffnet von Enrio Bernardo, der 2004 zum besten Sommelier gewählt wurde, bietet 1500 verschiedene Weine an.

Und wer in Zeit der Finanzkrise trotzdem nicht aufs Geld schaut, sollte sich folgende Restaurants nicht entgehen lassen: Jules Verne, das Restaurant des Chefkochs Alain Ducasse im 2. Stock des Eiffelturm. Das neue Restaurantkonzept im legendären Palace, das von einem ehemaligen Koch von "Chez Gagnaire" (Rue du Faubourg Montmartre) übernommen wurde. Ein Lunch oder Dinner im legendären L'ami Louis, das einmal das bekannteste Bistrot im Paris der 30er Jahre war und heute wieder daran ist, diesem Ruf zu entsprechen.

Und natürlich das von Phillipe Starck umgestaltete Restaurants "Le Meurice". Ach ja, in Zeiten der Fashion Week ist Philippe Starck meistens in der Stadt an der Seine. Wer ihn treffen möchte (vielleicht für ein kleines, feines Design in der eigene Wohnung - Starck designt ja praktisch alles): Gute Adressen dafür sind der Cha Cha Club in der 47 Rue Berger, der Club Le Baron, 6 av. Marceau. Das Restaurant des Hotel Amour, ein früheres Stundenhotel nahe der Place Pigalle und der Vip Club, ein Musikklub, der von Karl Lagerfeld und Designerkollegen Marc Newson gestaltet wurde.

Kleiner Nachsatz: Paris ist teuer. So eine Woche schmerzt im Portemonnaie. Deswegen noch ein kleiner Nachsatz über leistbaren Luxus in Paris. Die großen Küchenchefs und einige Stars der französischen Küche haben kleinere Filialen mit erschwinglichen Preisen eröffnet. Alain Senderens verzichtet für sein einfacher gehaltenes Restaurant (ca. 65 Euro pro Person) auf seine 3 Michelin Sterne. Pierre Gagnaire bestätigt diese Tendenz mit der Eröffnung des Gaya; Guy Savoy und die anderen tun es ihnen nach. Christian Constant spielt in seinem Café Constant den Bistrotier, genau wie sein Kollege Yves Camdeborde im "Comptoir du Relais" am Odéon.

(Fotos copyright: Kleinefenn/Restaurant Nomiya/Art Home und Bar Laduree)

 

Ihr Connaisseur

Robert Kropf - mit Grüßen aus Paris

 

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