Wein
13. Oktober 2008

Penfolds Grange recorked: 1955, 1960, 1962, 1963, 1964, 1989, 1990, 1998, 2003

Penfolds ließ seine Recorking Clinic erstmals in Deutschland stattfinden, in der Residenz Heinz Winkler in Aschau und bei Unger Weine in Frasdorf, Winemaker Peter Gago erklärte dazu die Philosophie des Hauses

Peter Gago, Penfolds Chefwinemaker, kam, sah und entkorkte. Als einziges Gut weltweit macht Penfolds noch dieses Prozedere, das die Bordeaux-Chateaux nur noch inoffiziell für Stammkunden durchführen.

Michael und Wulf Unger stellten mit ihrer neuen Vinothek in Frasdorf den Rahmen für das Ereignis. Dabei wurden rote Penfolds ab dem Jahrgang 1993 und älter kostenlos geöffnet, degustiert, gegebenenfalls frisch aufgefüllt und schließlich wieder neu verkorkt und zertifiziert. 20 Kunden hatten über 200 Weine geschickt oder selbst vorbeigebracht und schauten in froher Erwartung, ob der Wein okay oder schon hinüber war. Eine Art russisches Roulette mit Kork statt Kugel.

Dabei hatte Niko die Gelegenheit einen "wenzigen Schlock" der mitgebrachten Penfolds Grange zu nehmen, sie wurden mit 2004 Grange aufgefüllt:

1955, der älteste Patient: leider keine Heldenflaschen, der Jahrhundertjahrgang präsentierte sich in der ersten Flasche als vorbei, die zweite Flasche war gut, Frucht, Laub, Süße

1960: Herbst, Pilze, vorbei

1962: süße Würze, weicher Schmelz, getrocknetes Obst, wunderbar trinkbar

1962 Bin 60A: die Legende hatte eine verführerische Süße, beschwingt fruchtig, schöne Reife, Pilze, Datteln, 2 Flaschen werden am 16. Oktober in London bei Christies versteigert, Schätzpreis: 1600-1800 Euro die bottle (aufgefüllt mit 2004 Bin 60 A: starke Muskeln, Frucht und Beeren ohne Ende)

1963: dunkel, orientalische Würze, erstaunlich kräftig, Klasse, würde ich noch mitsteigern

1964: blass, wässrig, nett, nein vorbei 

Das Zertifikat ist eine Garantie für einen potenziellen Käufer auf Versteigerungen, er hat die Sicherheit, dass der Inhalt dem Standard des Jahrganges entspricht. Wenn die Flasche dieses Niveau nicht hält, bekamen die Flaschen nur einen weißen Punkt, wurden mit dem gleichen Wein aus einem jungen Jahrgang, in unserem Fall dem 2004 aufgefüllt und neu verkorkt. Mit der dringenden Bitte der Winemaker: Jetzt trinken und nicht mehr lagern!

Damit ist auch klar, dass die Flasche echt ist, keine Fälschung. Korkdoktor Peter Gago erzählte, dass er das bisher nur zweimal erlebt habe. In einem weiteren Fall war kalter Kaffee in den Flaschen, der Hausherr wollte seinen Erben den teuren Wein einfach nicht gönnen.

Kritiker mögen einwenden, dass die Neuverkorkung eine getunte Frischzellenkur darstelle, da mit dem Jahrgang 04 aufgefüllt wird. Aber die Menge ist nur winzig, und Penfolds recorked jeden Wein nur einmal, dazu wird ein exaktes Archiv geführt, wer welchen Wein einmal eingereicht hat.

Das Klinik-Menü der Residenz Heinz Winkler in Aschau darf nicht verschwiegen werden:

Ein trockener 2008 Bin 51 Eden Vallay Riesling überraschte als Aperitif mit guter Struktur und Harmonie.

1. Jakobsmuscheln mit Chiccoree in brauner Butter zum 2005 Yattarna Chardonnay: sehr fine, schöne Säure, Holz gut eingebunden, wäre in einer Blindprobe durchaus als Burgunder durchgegangen, 92

2. Salat St. Hubertus (Reh) mit Buttermilch und Wacholder zu 1991 St. Henri Shiraz (dunkel, toll gereift, frisches Herbstlaub, Früchte und Würze, 93-94+) und 2004 St. Henri Shiraz (Orient-Würze, Lakritz, Dichte, 92-93)

Dann solo ein Star des Abends, der 1967 Bin 7 (Cabernet/Shiraz): reich, liqueur, wunderschön, kam auch ohne Pinot regelrecht burgundisch daher, um die 95

3. Gebratene Entenleber mit schwarzen Nüssen und Preiselbeeren zu 1990 Bin 707 Cab (immer noch ein junger Held, dicht und dunkel, toll gereift) und 2005: direkt, zupackend, dicht, fruchtig, offen, bin nicht sicher, ob er sich so gut wie der 90er entwickelt.

Wieder eine Soloeinlage mit dem 1998er RWC Shiraz: Frucht, warme Würze, Power und Potenzial 92-93

4. Wildente mit Orangen und Speck zu viermal Grange:

1989: warm, fleischig, Potenzial, 93+

1990 verschlossen, verhalten, streng, 92-93

1998: groß, dunkles Schoko, tief, reich, dichter Stoff, feine Rhone-Würze, 94-96+ (auch Peter Gago wollte ihm keine 98/99 geben, sondern nur 94+++)

2003: Frucht und Schoko, viel zu jung, frühestens in 10 Jahre trinken, um die 93+

5. Eingelegte Pflaumen zu einem wunderbaren Great Grandfather Rare Liqueur Tawny.

Ein wie so oft verschmitzt-launiger Heinz Winkler bekochte unsere Gruppe im Gartenpavillon, und er kochte perfekt auf die Weine, die jeweiligen Kombinationen passten himmlisch. Was nicht passte, war der unglaublich hohe Butter-Einsatz, ein gefühltes Pfund für jeden Gang. Das geht nicht mehr, Lieber Herr Winkler, diese Zeiten sind längst passe, weniger ist hier mehr!

Das Fazit für die gereiften Weine, vor allem 67 und 63 und die 89 und 90er ist erstaunlich. Damit ist wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass Weine aus der Neuen Welt hervorragend altern können. Wer glaubt, Australier (oder auch Weine aus Kalifornien) haben kein Alterungs-Potenzial, Weine aus der Neuen Welt aus den 60 und 70er Jahren seien alle vorbei, wie fast alle Bordeaux außer den großen Jahrgängen, muss sich eines besseren belehren lassen. Die Toppweine der Güter sind in vergleichbarem, wenn nicht besseren Zustand, wie die Bordeaux!

Niko erinnert sich an einen 72er Grange, den er vor ein paar Jahren verkostete, er war herausragend. Oder einen 89er Heitz Marthas Vineyard (Napa), er schlug vergleichbare Premiers aus Bordeaux.

In der Klinik ließen sich meine Kollegen Helga und Fred Baumgärtel, Jens Priewe, Martin Both, Mario Scheuermann, Joel B. Payne, Wolfgang Fassbender, Frank Kämmer und andere verarzten, ein verdammt gut inszenierter PR- und Marketing-Erfolg für Penfolds, Unger Weine, Christies und Organisator Wine & Partners.

Hier die nächsten Termine für die USA und Australien. Seit Einführung der Penfolds Recorking Clinic im Jahr 1991 hat Penfolds in Australien, Neuseeland, USA und England mehr als 50 Veranstaltungen durchgeführt und dabei mehr als 40.000 Flaschen von mehr als 7000 Weinliebhabern neu verkorkt und zertifiziert.

Hat jemand alte Penfolds preiswert zu verkaufen? Eine Flasche Grange des seltenen Jahrgangs 1951 darf sich seit kurzem "teuerster Wein Australiens" nennen. Die Shiraz-Ikone wurde kürzlich im Auktionshaus Langton's in Melbourne für den Rekordpreis von 54.000 australischen Dollar versteigert, umgerechnet 32.000 Euro.

Grüße, Niko