Reise
05. September 2009

Prag und seine Burgen

Burgen und Schlösser sind in Tschechien nichts Besonderes, rund um die Hauptstadt Prag gibt es zahlreiche historische Festungen und Residenzen. Viele von ihnen lassen sich bequem im Rahmen eines Tagesausflugs erkunden, wie die Burg Nelahozeves an der Moldau

Als sich William Lobkowicz nach dem Ende der kommunistischen Ära in der Tschechoslowakei auf die Suche nach dem Erbe seiner Vorfahren begab, hatte er keine Vorstellungen, was ihn erwartet. In den USA waren die Lobkowiczes nur eine von vielen Emigrantenfamilien, die in der neuen Heimat klein angefangen und es schnell zu etwas gebracht hatten. In Böhmen aber zählten sie über 600 Jahre lang zu den wichtigsten Adelsfamilien. 13 Schlösser und Burgen sowie eine Sammlung wertvoller Gemälde befanden sich zuletzt in ihrem Besitz.    

Zunächst von den Nazis, später noch einmal von den Kommunisten vertrieben, erhielt die Familie im Rahmen der Restitution große Teile ihres Eigentums zurück. Dazu gehört auch die rund 15 Kilometer nördlich von Prag auf einem Hügel oberhalb der Moldau liegende Burg Nelahozeves. 1553 erbaut und seit 1623 im Besitz der Familie, zählt sie zu den schönsten Renaissance-Burgen des Landes. Längst erstrahlt sie wieder in altem Glanz und beherbergt eine Ausstellung, die interessante Einblicke in die Familien- und Landesgeschichte gibt. Besonders stimmungsvoll ist es an Sommerabenden, wenn im Schlosshof zu Ehren des im Ort geborenen Komponisten Anton Dvorak Konzerte aufgeführt werden.    

Eng mit dem Namen Lobkowicz verbunden ist auch Melnik. Das Städtchen liegt wenige Kilometer entfernt am Zusammenfluss von Moldau und Elbe und wird von einem Schloss überragt, das im Lauf der Jahrhunderte viele Besitzer hatte. Am längsten aber gehörte es den Fürsten von Lobkowicz. Seit 1992 bemühen sich die Nachfahren nicht nur um die Renovierung des heruntergekommenen Schlosses, sondern auch um die Erneuerung des einstmals berühmten Weinanbaus. Karl IV brachte die Reben einst nach Böhmen, um seine Heimat «französisch» zu kultivieren, erfahren die Teilnehmer bei einem Stadtrundgang.

«Es wird berichtet, dass er beim ersten Schluck des in Böhmen gekelterten Weins den Mund mächtig verzogen haben soll», erzählt die Stadtführerin. Doch die Winzer redeten ihm gut zu, und nach einigen Gläsern soll er gesagt haben: «Wie das Volk, so der Wein. Er schmeckt zuerst gar nicht, aber lernt man ihn erst richtig kennen, wird man die Qualität auch schätzen.» Wer sich von der Qualität der heute hier erzeugten Weine überzeugen will, kann in einer der zahlreichen Winzerstuben einkehren und die rassigen Tropfen gleich verkosten. Ganz groß gefeiert wird immer am letzten Wochenende im September - beim alljährlichen Winzerfest.   

 Nicht an einem Fluss, sondern mitten in einem fünf Hektar großen Wald versteckt liegt das Chateau Mcely. Das ehemalige Jagdschloss der Familie Thurn und Taxis war lange Zeit Schauplatz des luxuriösen Lebens der Aristokratie. Die Chronik überliefert Geschichten von ausgedehnten Jagden und ausschweifenden Festen. Zu den Gästen zählten auch Rainer Maria Rilke, ein enger Freund von Prinzessin Maria von Thurn und Taxis, und Mark Twain, der anlässlich der Vorstellung der tschechischen Version von «Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Fin» nach Prag kam.    

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen verstaatlicht und einige Zeit als Warenlager genutzt. Schließlich verfiel es und war abrissreif. Doch die Geschichte hat ein Happy End - das Chateau Mcely wurde von privaten Investoren entdeckt und zu einem Boutiquehotel ausgebaut. Von hier lohnen Ausflüge zum Schloss Loucen mit seinem berühmten Gartenlabyrinth sowie dem Skoda Museum in Mlada Boleslav, in dem eine hundertjährige Autogeschichte anschaulich dokumentiert wird. Musikfreunde pilgern eher nach Jabkenice. Im Forsthaus des Dorfes lebte von 1875 bis zu seinem Tod 1884 der Komponist Bedrich Smetana, dort fand er Kraft und Ruhe zur Vollendung des Zyklus «Mein Vaterland».    

Die bekannteste und vielleicht auch schönste Burg in Böhmen ist Karlstein. Kaiser Karl IV war ihr Gründer. Wer die Burgkapelle betritt, begreift seine Gedankenwelt: Er war ein Herrscher mit außerordentlicher Macht und großer Demut vor Gott. Die Wände der Kapelle sind mit Halbedelsteinen und Gold verziert. Gold bedeckt auch die Decke, an der Tausende gläserner Linsen befestigt sind, die den Sternenhimmel und damit die Größe Gottes symbolisieren. Doch Karlstein wird nicht nur geheiligte Burg genannt, sondern auch die «Uneinnehmbare». Sie wurde in der Tat nie erobert.    

Die Hussiten belagerten sie 14 Jahre lang erfolglos, auch die Schweden konnten die kostbaren Reichs- und Kronjuwelen 1648 nicht rauben. Dafür überrennen heute Touristenmassen Karlstein, und der Weg zur Burg wird von Souvenirverkäufern gesäumt, die es auf die Geldbeutel der Touristen abgesehen haben.    

Tierisch, aber deutlich ruhiger geht es rund um das Schloss Konopiste zu. Die stolze Burganlage wird von einem weitläufigen Park mit Rosengarten und Treibhäusern umgeben. In der Schlossgrube wachen mit Masa und Kazimir zur großen Freude vor allem der jüngsten Besucher inzwischen wieder zwei Bären. (Detlef Berg, dpa)

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