Genussgipfel Österreich
09. Februar 2014

Pro Vielfalt von Koch.Campus

Foto: Koch.Campus

Wie die geplante EU-Saatgutverordnung die kulinarische Identität Österreichs bedroht – die Kampagne der Köche

Nach dem Erfolg des Innovations-Workshops »Koch.Campus« mit den österreichischen Köchen Andreas Döllerer, Thomas Dorfer, Josef Floh, Thorsten Probost, Richard Rauch, Heinz Reitbauer und Andreas Senn beim »Döllerer« in Golling, gehen die Köche nun mit einem Statement gegen die geplante EU-Saatgutverordnung an die Öffentlichkeit.

»Als Köche tragen wir eine Verantwortung für die Lebensmittel-, Gastronomie- und Genusskultur in Österreich«, sagt Thomas Dorfer, Küchenchef im Landhaus Bacher in Mautern (Niederösterreich), stellvertretend für die Köche. »Sollte die EU-Saatgutverordnung in ihrer aktuellen Form in Kraft treten, wird die natürliche Biodiversität und die immense Sortenvielfalt an Nutzpflanzen in Österreichs Gärten und Äckern – und damit auch die geschmackliche Vielfalt – buchstäblich »im Keim erstickt«.

»Alte oder rare Nutzpflanzen wie Kardonen, weisse Karotten oder Bockshornklee zählen zu den Bodenschätzen Österreichs«, ergänzt Klaus Buttenhauser, gemeinsam mit Thomas Dorfer Initiator des Koch.Campus: »Hunderte, wenn nicht tausende Sorten warten auf ihre Entdeckung durch Köche und Köchinnen. Gemeinsam mit der Arche Noah setzt sich der Koch.Campus zum Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Köchen und Produzenten zu intensivieren und die Sortenvielfalt stärker in der Gastronomie zu verankern. Da werden wir beim Koch.Campus am 8. April beim Floh unsere Ideen präsentieren.«

Bedrohung der Sorten- und Artenvielfalt

Diese Verordnung sieht vor, dass jegliches Saatgut von agrarischen Nutzpflanzen wie Gemüse, Getreide, Obst oder Kräuter künftig strengen, kostspieligen und aufwändigen Registrierungs- und Zertifizierungsregeln unterworfen sein soll. EU-Saatgutverordnung bedroht damit kleine Landwirtschaftsbetriebe, Sämereien und Gärtnereien massiv in ihrer wirtschaftlichen Existenz. Denn diese Betriebe kultivieren häufig traditionelle, regionale und andere seltene Sorten.

Die bürokratischen und finanziellen Hürden der Zertifizierung treffen die kleinen Unternehmen natürlich ungleich härter wie große Konzerne. Und die in der Verordnung vorgesehenen Ausnahmen für die Sortenvielfalt sind leider absolut unzureichend. Die erste Abstimmung über die Saatgutverordnung im EU-Parlament ist für Mitte April 2014 angesetzt. Mitte Februar wird der tatsächliche Abstimmungstermin festgelegt.

»Freiheit für die Vielfalt« – die Kampagne der Köche

Die Köche des Koch.Campus fordern daher von den politischen Entscheidungsträgern in Österreich und in Europa der EU-Saatgutverordnung in ihrer aktuellen Form nicht zuzustimmen! Der Koch.Campus möchte vielmehr dazu beitragen, die natürlich gewachsene Vielfalt seltener und bedrohter Arten stärker in der heimischen Gastronomie zu vermarkten und die Produzenten mit interessierten Köchen zusammenzubringen.

kochcampus.at

freievielfalt.at

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