Mail aus München
26. November 2017

Pseudo-italienische Produktnamen Italian Sounding

Pseudo-italienische Produktnamen | Italian Sounding

Mail aus München: Die Italienische Handelskammer München lud Journalisten zu einer interessanten Diskussionsrunde über das Phänomen "Italian Sounding" ins schicke Kochstudio von SMEG ein.

Die italienische Flagge und wohlklingende italienische oft auch pseudo-italienische Namen werden gerne benutzt, um nicht-italienische Produkte besser vermarkten zu können. Dieses Phänomen, "Italian Sounding" genannt, trifft auf viele renommierte italienische Produkte zu, allen voran in der Lebensmittelbranche, betrifft aber auch den Mode- und Designsektor. SMEG Haushaltsgeräte sind übrigens ein echtes "Made in Italy".

Italian Sounding

Unter der Moderation von Franz Kotteder, leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung, diskutierten:

Gabriele Graziano, Präsident von "Italian Sounding", ein im Vereinsregister des Amtsgerichts Stuttgart eingetragener Verein mit der Zielsetzung den Verkauf "falscher" italienischer Produkte zu unterbinden. www.italian-sounding.de

Als Vertreter der Konsumenten Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern e.V. die sich tagtäglich mit den Problemen der Endverbraucher beim Einkauf beschäftigt. www.verbraucherzentrale-bayern.de

Als Vertreter zertifizierter, italienischer Lebensmittel Alessandra Foppiano, Direktorin des Consorzio "Parma Alimentare", ein Dachverband in dem alle DOP Produzenten der Provinz Parma vereint sind. www.parmalimentare.net

Italian Sounding

Auf die Frage, wie kann sich der Verbraucher vor Fälschungen schützen erklärte Gabriele Graziano. Deutschland ist der wichtigste Markt für italienische Produkte und obwohl es eine einheitliche Gesetzgebung auf europäischer Ebene gibt, läuft Vieles nicht so, wie der Gesetzgeber es vorgegeben hat, und der Endverbraucher es erwartet. Ein Beispiel ist Mozzarella: Jeder kennt ihn, aber kaum einer weiß, dass europaweit der Hauptproduzent für Mozzarella Deutschland ist, und, schlimm für einen Italiener, der wichtigste Verkaufsmarkt Italien. Das Problem ist, das auf den Verpackungen plakativ die italienische Flagge zu sehen ist, häufig auch "mondo italiano" steht, aber nur ganz kleingedruckt findet man "hergestellt in Deutschland". Der Endverbraucher wird so in die Irre geführt. Es ist statistisch erwiesen, dass 99 Prozent zugreifen, weil sie glauben, dass es ein italienisches Produkt ist.

Dagegen vorzugehen ist nicht einfach, aber in den vergangenen vier Wochen haben wir viermal gegen LEH geklagt und vier mal gewonnen, da auch das Amtsgericht der Meinung war, dass es eine Irreführung des Konsumenten ist. Es geht nicht darum dass man zum Beispiel keine deutsche Mozzarella kaufen soll, es geht vielmehr darum, dass der Verbraucher eindeutig erkennen kann, was er kauft.

Italian Sounding

Italian Sounding will aber nicht nur vor Gericht für die Authentizität italienischer Produkte kämpfen, sondern mit Marktanalysen, Veröffentlichungen und Öffentlichkeitsarbeit die deutschen Verbraucher für dieses italienische Anliegen sensibilisieren. Eine der wichtigen Aufgaben von Italian Sounding ist, gegen irreführende Werbung und unlauteren Wettbewerb konsequent vorzugehen.

Die Wichtigkeit von Italian Sounding liegt klar auf der Hand: Für Produkte mit italienischen Namen, jedoch nicht in Italien produziert, beträgt das Umsatzvolumen 52 Milliarden Euro, davon entfielen auf den Norden und die USA 24 Milliarden. Im Vergleich dazu liegt der Gesamtumsatz der italienischen Lebensmittelindustrie 132 Milliarden Euro. Ganz vorne in der Liste der Fälschungen sind die DOP Produkte aus Parma, erzählte Alessandra Foppiano vom Consorzio "Parma Alimentare".

Italian Sounding

Seit den 60iger Jahren beschäftigt sich Italien mit Schutzkonsortien, obwohl damals "Italian Sounding" noch kein Thema war. In der Provinz Parma gibt es 44 DOP und IGP Erzeugnisse und ist damit führend in Italien. Die Lebensmittelindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Provinz Parma, die Zahlen sprechen für sich: 7600 Millionen Euro werden von 1200 Betrieben und 14500 Angestellten erwirtschaftet.

Die Erzeugnisse, wie Parmigiano Reggiano oder Parmaschinken, unterliegen strengsten Kontrollen und das beginnt bei der Auswahl des Futters, geht über die Aufzucht bis hin zum fertigen Produkt. Das Konsortium kontrolliert alle Phasen der Produktion, und erst wenn alle für optimal befunden wurden, gibt es den jeweiligen Erkennungsstempel. Sobald ein Produkt nicht den Erwartungen entspricht, erhält es keine Kennzeichnung und wird einem anderen Verwendungszweck zugeführt. Es wird aber nicht nur die Herstellung laufend kontrolliert, sondern auch die Produkte die bereits im Verkauf sind. So wurden auf der ANUGA von den Lebensmittel-Kontrolleuren einige falsche italienische Produkte aufgedeckt und erfolgreich vom Markt genommen.

Frau Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale München e.V. wies darauf hin, dass der Großteil der Verbraucher wenig Zeit zum Einkaufen hat. Häufig sind es Impulseinkäufe bei denen keiner richtig darauf achtet was er wirklich kauft. Alleine die Möglichkeit zu haben, etwas vorab zu verkosten, hilft nur zu einem geringen Teil, wichtiger wäre es zu wissen welchen Ursprung dieses Produkt hat und welche typischen Eigenheiten dieses Lebensmittel auszeichnen muss. Wir weisen immer darauf hin: Wer isst sollte sich für die Lebensmittel interessieren die er isst. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn die Schutzzeichen und wichtigen Informationen größer auf den Packungen angebracht werden.

Leider sind häufig die größten Feinde der Produkte oftmals die Hersteller selber, weil sie mit einer zweiten Linie mit vergleichbaren Produkten dem Original oft sehr nahe kommen. Zum Beispiel wenn ein Produzent Original-Parmaschinken herstellt und gleichzeitig auch einen italienischen Landschinken vermarktet. Dazu kam von Gabriele Graziano zum Schluss noch eine positive Nachricht. Die Konsortien von Mozzarella di Bufala di Campana und Parmigiano Reggiano haben vorgeschrieben, dass Produzenten dieser zwei DOP Produkte ausschließlich diese Original Produkte herstellen dürfen. Es bleibt zu wünschen dass andere Konsortien nachziehen.

Eure Monika Kellermann