News
17. August 2009

Razzia in China-Restaurants

Eine chinesische Schleuserbande soll jahrelang mehr als 1000 Landsleute als Spezialitätenköche nach Deutschland geholt und ausgebeutet haben

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittele unter anderem wegen Menschenhandels und Ausbeutung, teilte der Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) mit. Mindestens zwei Millionen Euro sollen sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover damit verdient haben.    

Bei den Razzien in Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wurden von 2100 Beamten 180 China-Restaurants und Wohnungen durchsucht. Bereits im März hatte die Polizei in Hannover zwei 46 und 38 Jahre alte Chinesen und eine 35 Jahre alte Chinesin festgenommen. Das seitdem in Untersuchungshaft sitzende Trio hatte nach Erkenntnissen der Ermittlungsgruppe Schleusungskriminalität des LKA und der Bundespolizeidirektion in Hannover eine Firma für ihre Schleuseraktivitäten gegründet.    

Die drei waren danach die Drahtzieher. «Sie haben dafür gesorgt, dass alle Formulare richtig waren», sagte LKA-Sprecher Frank Federau. Für etwa 10 000 Euro bekamen die ausreisewilligen Chinesen ein gültiges Visum und einen Arbeitsvertrag. Nach ihrer Einreise in Deutschland mussten sie ihre Pässe abgeben. «Sie standen regelrecht in Schuldknechtschaft», sagte Federau. Dann wurde ihnen eine Arbeitsstelle zugewiesen. Wer kein Koch war, wurde nach Erkenntnissen der Ermittler «ziemlich schnell angelernt».    

Für einen Stundenlohn von drei Euro mussten die Köche 80 bis 90 Stunden in der Woche schuften. Mangelnde Sprachkenntnisse machten es ihnen schwer, sich zu beschweren. Wie die Ermittlungstruppe dem Schleusertrio auf die Spur kam, sagte der LKA-Sprecher nicht. Fest steht aber, dass die Bande und ihre Mittäter in China einen «Erlös in Millionenhöhe erzielt haben».

Eingereist waren die Chinesen mit einem Visum für ein Jahr, das zum Teil um weitere drei Jahre verlängert worden war. Auch die Arbeitsverträge, die sie vorzeigten, waren korrekt. Den Köchen war aber klar, dass sie unter falschen Bedingungen nach Deutschland gekommen waren. Deswegen werde auch gegen sie ermittelt. Zunächst werde allerdings dafür gesorgt, dass sie von dem bei den Razzien sichergestellten Geld zumindest einen Teil des ihnen vorenthaltenen Lohns bekommen. «Sie sind Mitbeschuldigte aber auch Geschädigte». dpa