Wein
07. Dezember 2009

Rebenzüchtung ist Geduldsarbeit

Der lange Weg zur resistenten Rebe wird kürzer und ihr Wein soll besser schmecken

Rebenzüchter müssen in Jahrzehnten denken. 25 Jahre und mehr kann es dauern, bis eine Neuzüchtung soweit ist, dass man sie auf den Markt bringen kann. Entwickelt werden heute vor allem Reben, die widerstandsfähiger gegen bestimmte Krankheiten wie etwa den Mehltaupilz sind.

Künftig kann das Verfahren um bis zu zehn Jahre abgekürzt werden, glauben Forscher. Sie haben das Erbgut der mehltauresistenten Rebsorte «Regent» entschlüsselt. Im Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen bei Landau ist von einem «Quantensprung» die Rede.

Die pfälzische Einrichtung, die zum Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut/JKI) gehört, hat das Genom zusammen mit der Kaiserslauterer Seq-IT GmbH entschlüsselt. Die Rotweinsorte «Regent» war 1967 gekreuzt worden, 1994 bekam sie den Sortenschutz. Heute ist sie mit einer Anbaufläche von rund 2200 Hektar die wichtigste mehltauresistente Sorte in Deutschland.

Die Pflanzen ist widerstandsfähiger gegen den Falschen und den Echten Mehltau, so dass der Winzer bis zu zwei Drittel weniger Spritzmittel gegen die Pilze im Weinberg braucht. «Ohne Pflanzenschutzmittel geht es aber nicht», sagt der Leiter des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof, Professor Reinhard Töpfer.

Der Winzer spare mit einer solchen Rebe nicht nur Spritzmittel, sondern auch Arbeitszeit, sagt Töpfer. Außerdem wird die Umwelt geschont. Mit der Entschlüsselung des Genoms werde es künftig leichter sein, die Resistenzmechanismen in der Rebe nachzuvollziehen und Resistenzen miteinander zu kombinieren, ist Töpfer überzeugt.

Das Institut betreibt nicht nur Züchtung. Es betreut unter anderem auch eine europäische Datenbank für Rebsorten und koordiniert die Arbeit an einer Deutschen Genbank Reben, die im kommenden Jahr gegründet werden soll. Darin sollen die gentechnischen Ressourcen tausender Reben gesammelt und damit erhalten werden - ein riesiges Potenzial für künftige Züchtungen.

Das Siebeldinger Institut hat seinen eigenen Weinkeller. In hunderten Glasballonen und Flaschen steht hier Wein aus unzähligen verschiedenen Rebenzüchtungen. Manchmal sind es nur kleine Fläschchen, wenn es von der Sorte etwa nur wenige Reben gibt. Manchmal sind es große Glasballone mit bis zu 100 Litern. Hier wird überprüft, ob sich aus den Rebsorten auch vernünftiger Wein machen lässt.

Die große Kunst in der Rebenzüchtung ist es nämlich, dass der Wein aus den resistenten Reben am Ende auch nach etwas schmeckt. «Wenn man den Wein nicht verkaufen kann, bringen einem die Resistenzen auch nichts», sagt Töpfer. Es sei kein einfaches Geschäft, Winzern eine neue Rebsorte schmackhaft zu machen.

Früher habe man gedacht, je besser die Resistenzen einer Rebe, desto schlechter müsse die Qualität des Weines sein, erzählt der Institutsleiter. «Heute kann man sagen, dass sich Resistenz und die Qualität des Weines miteinander vereinbaren lassen», sagt er. Die perfekte Züchtung wird aber wohl für immer eine Wunschvorstellung bleiben. «Eine Züchtung ist immer ein Kompromiss», sagt Töpfer. (Marc Strehler, dpa)

www.geilweilerhof.de