REISE
15. Juli 2010

Rechtstipps für Urlaub und Reise

Stiftung Warentest und Verbraucherzentralen geben Versicherungs- und Rechts-Tipps für die Reise

Deutsche Singles und Paare geben im Schnitt 713 Euro pro Person für ihren Urlaub aus. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat herausgefunden, dass Familien derzeit 518 Euro pro Reisendem zahlen - knapp vier Prozent mehr als vor zwei Jahren. Die folgenden Tipps sollen die Urlaubskasse schonen - auch wenn es ungeplant zu Diebstahl, Unfall oder Streitigkeiten kommt.    

Bei der Frage, ob die deutsche Haftpflichtversicherung auch Schadenfälle im Ausland begleicht, sollte lieber bei der Versicherung noch mal nachgefragt werden. Die Stiftung Warentest hat 140 Familientarife verglichen (August 2009) und festgestellt: Nur sieben Policen sichern sowohl die wichtigsten Risiken im Alltag als auch wesentliche Risiken im Ausland ab - etwa Schäden an gemieteten Fahrrädern, am Mobiliar im Ferienhaus oder durch Unfälle, die der Versicherte als Surfer verursacht.    

«Vor einer Reise sollte der Versicherte immer nachschauen, wie es mit der Deckung im Schadensfall aussieht, auch wenn die meisten Haftpflicht-Policen weltweit gelten», sagt Sylvia Schönke, Leiterin des Regionalzentrums Potsdam der Verbraucherzentrale Brandenburg. Ähnliches gilt für die Rechtsschutzversicherung. Herbert Schons, Rechtsanwalt und Notar in Duisburg sowie Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltvereins (DAV), fügt hinzu: «Es besteht die Möglichkeit einer Zusatzversicherung für die Dauer des Urlaubs.»

«Die Versicherung, die in jedes Reisegepäck gehört, ist die Auslandsreisekrankenversicherung», rät Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BDV) in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Sie übernimmt einen medizinisch notwendigen Rücktransport, beziehungsweise die eventuell von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) nicht gedeckten Kosten für eine erforderliche Heilbehandlung im Ausland.

«Die Auslandsreisekrankenversicherung ist selbst dann für gesetzlich Krankenversicherte empfehlenswert, wenn zwischen Deutschland und dem Reiseland ein sogenanntes Sozialversicherungsabkommen besteht», erläutert Rudnik. Dies ist in allen Staaten der EU der Fall sowie in einigen weiteren Ländern. Auskunft erteilt die Krankenkasse. Die GKV übernimmt hier nur die Leistungen, die in dem Reiseland üblich sind, aber nie den Rücktransport.    

Wer eine teure Kamera, Schmuck, Handy oder andere Wertgegenstände im Hotelzimmer liegen lässt, muss damit rechnen, keinen Schadensersatz zu bekommen. «Hier dürfte grobe Fahrlässigkeit vorliegen. Eine derartige Kamera muss man entweder bei sich tragen oder im Hotelsafe deponieren», sagt Rechtsanwalt Schons. In Ausnahmen zahlt das Hotel vielleicht. «Der Grund liegt hier weniger in einem grob fahrlässigen Verhalten. Der Hausratversicherer zahlt jedoch nicht bei einfachem Diebstahl, sondern nur bei Einbruch in Hotelzimmer oder Ferienwohnung», sagt Thorsten Rudnik.    

Verschwindet der Ehering im Hotel-Pool, gilt es nachzuweisen, das die Pumpe schuld war. Rechtsexperte Schons erläutert: «Ist kein Defekt nachweisbar, dürfte Eigenverschulden vorliegen.» Bei einem Sachschaden in der Ferienwohnung, wenn beispielsweise der Toaster explodiert, haftet der Vermieter. «Deshalb ist es sinnvoll, sich vorher zu erkundigen, ob der Vermieter eine entsprechende Haftpflichtversicherung unterhält», erläutert Rechtsanwalt Schons.

«Ratsam ist, in der eigenen Haftpflicht nachzuschauen, ob Mietschäden mit abgedeckt sind», sagt Verbraucherschützerin Schönke. So sei ein Urlauber wegen eines Rotweinflecks auf dem Teppich der Ferienwohnung belangt worden: «Er musste den Schaden aus eigener Tasche bezahlen.»    

Wer privat Hunde oder Pferde hält oder gewerblich Tiere nutzt, sollte eine separate Tierhaltehaftpflicht-Versicherung abschließen. Im Gegensatz zu Katzen oder anderen zahmen Kleintieren, sind diese nicht in der Privathaftpflicht eingeschlossen. Rudnik: «Eine Tierhalterhaftpflicht-Versicherung sollte diverse Kriterien erfüllen, darunter auch den weltweiten Auslandsaufenthalt - oft nur mit zeitlicher Begrenzung möglich - und Mietsachschäden an Wohnräumen.»

Rechtsanwalt Schons: «Es kann nur dringend dazu geraten werden, vor der Reise die erforderlichen Versicherungen abzuschließen, wozu durchaus auch eine Rechtsschutzversicherung gehören kann. Selbst bei erheblichen Mängeln von Pauschalreisen werden in der Regel nur recht überschaubare Beträge zwischen 250 und 500 Euro erstattet. Verfahren über derartige Prozesse lohnen sich aber nur dann, wenn die Anwaltskosten und die Gerichtskosten durch eine Rechtsschutzversicherung abgedeckt sind.» (Susanne Collins, dpa)