Food
04. August 2012

Regional ist genial

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Regionalmarken auf Erfolgskurs: Eier aus der Eifel, Pfälzer Kartoffeln oder Käse aus dem Hunsrück

Von Julia Kilian

Produkte von Regionalmarken sind auf Erfolgskurs. In nahezu allen Landesteilen gibt es eigene Embleme, mit denen dann oft Lebensmittel beworben werden. Wie viel Regionales aber in den Produkten steckt, entscheiden die Anbieter selbst. «Wenn jede Marke eigene Anforderungen stellt, wird es sehr unübersichtlich», sagt Waltraud Fesser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. «Ich muss dann vorher ein Riesenstudium betreiben.»

Einige Zusammenschlüsse preisen Einzelprodukte an, andere beteiligen Gastwirte, Holzfirmen oder gar Energieproduzenten an der Regionalmarke. Aber was ist die Region? «Es gibt keine gesetzliche Definition», erklärt die Verbraucherschützerin. Nicht vorgeschrieben sei auch, wie viel Prozent der Zutaten aus der Umgebung stammen müssten. Neben der regionalen Herkunft - so glaubt Fesser - erhofft sich die Mehrheit der Verbraucher auch bessere Qualität. «Es muss mehr sein als ein konventionelles No-Name-Produkt. Weil ich in der Regel auch mehr für die Regionalmarken zahle.»

Hinter den Siegeln müsse mehr stecken als nur ein Werbegag, forderte auch schon Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Die Regionalmarken hätten einen Nutzen für Umwelt und Verbraucher, erklärte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Ernährungsministeriums. Zum einen seien Transportwege kürzer, zum anderen bleibe die Wertschöpfung in der Region. Häufig sei Regionalvermarktung auch der einzige Weg, um seltene Produkte - etwa besondere Fleischsorten - am Markt zu platzieren. Allerdings gibt es nach Angaben der Sprecherin für den Begriff weder eine EU- noch eine Bundesregelung.

Zu den ältesten Regionalmarken im Land zählt «Eifel», die es seit 2001 gibt. Bis Ende 2011 lief die Förderung - erst gab es Geld vom Bund, dann von zehn Landkreisen. Nun steht die Marke wirtschaftlich auf eigenen Füßen. «So wie es bis jetzt aussieht, läuft es», sagt der Produktmanager der Regionalmarke EIFEL GmbH, Arndt Balter, in PRÜM. Rund 300 Betriebe zahlen Gebühren, um das farbenfrohe Emblem mit dem gelben «e» im Zentrum nutzen zu dürfen. Rund die Hälfte sind Lebensmittelproduzenten, die andere Hälfte Gastronomen. «Als ganz junger Bereich sind Holzbetriebe dazu gekommen», sagt Balter.

Überprüft werden die Lizenznehmer von unabhängigen Instituten, erklärt der Produktmanager. «Wir mussten uns auch schon von einem Produzenten trennen.» In einem Fall habe eine chemische Analyse ergeben, dass der Hauptbestandteil des Produktes nicht - wie gefordert - aus der Region stammt. Rund 80 Prozent der «Eifel»-Produkte im Handel sind Eier. Hier seien die Kunden bereit, 20 bis 30 Prozent mehr für den Zehner-Pack zu bezahlen. Groß im Kommen seien nun Fleisch- und Wurstwaren.

Die Regionalmarke «SooNahe» wirbt seit 2008 für «Gutes von Hunsrück und Nahe». «Unsere Regionalität bezieht sich auf die Herkunft der Rohprodukte, nicht den Produktionsstandort», berichtet Helmut Hehner vom Hunsrück-Marketing Verein in WALDBÖCKELHEIM. Etwa 150 Betriebe beteiligen sich in den Kreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld und Rhein-Hunsrück - sowohl Lebensmittelhersteller als auch Gastronomiebetriebe. Mit dem Zusammenschluss seien neue Vertriebswege gewonnen worden, zum Beispiel Supermärkte. «Wir versuchen, die Dorfläden und kleinen Betriebe zu stützen. Aber ohne die großen geht es nicht.»

Mindestens 51 Prozent der Zutaten müssen bei «SooNahe»-Produkten aus der Region stammen, bei manchen Sparten gelten sogar strengere Vorgaben. Bei Eiern etwa soll sogar das Hühnerfutter aus der Umgebung kommen, berichtet Hehner. Eine Grundbedingung sei auch die gentechnikfreie Erzeugung aller Produkte. Für die Gastronomie gelte die Regel, dass mindestens zwei regionale Gerichte angeboten werden müssen. Weil aber in dem Gebiet kaum Gemüse oder Salat angebaut werde, müssten nicht alle Zutaten regional sein. Ausgeschlossen wurden Partner bereits. «Wir haben schon Fälle in der Gastronomie gehabt.»

In der PFALZ werden unter anderem Wein, Kartoffeln und Hochprozentiges über Regionalmarken beworben. Seit 2005 gibt es das Gütesiegel «DC Pfalz» für Wein aus der Region. Die Winzer müssen nach Angaben der Vermarktungsgesellschaft Pfalzwein unter anderem regionaltypische Sorten anbauen, Qualitätsweine produzieren und bestimmte Geschmacksansprüche erfüllen. Das werde von einer speziellen Kommission überprüft, damit der Verbraucher eine vertraute und verlässliche Weinqualität vorfinde. 20 bis 30 Betriebe machen pro Jahr mit.

Schon 1992 wurde die Marke «Pfälzer Grumbeere» ins Leben gerufen, 315 Kartoffelerzeuger aus der Pfalz und Rheinhessen sind derzeit in der gleichnamigen Erzeugergemeinschaft organisiert. Frische, Genuss und Umwelt sind die Schlagwörter, um die es geht.

Die Marke «Pfälzer Edelbrand» gibt es seit 1994, wie der Vorsitzende des zugehörigen Vereins, Willi Peter, berichtet. Die Mitglieder dürfen keinen Zucker und keine Aromen verwenden, dürfen dafür aber ihren Hof mit dem Emblem des Vereins schmücken. Künftig soll es auch auf den Flaschen prangen. Eine lückenlose Kontrolle aller knapp 120 Mitglieder sei nicht möglich, räumt Peter ein. Doch dazu gebe es eine Prämierung der Landwirtschaftskammer, nach der sich die Verbraucher richten können.

Mit einem mintgrünen Schriftzug will sich die Regionalmarke «Kräuterwind» seit 2009 im WESTERWALD verkaufen. Fünf Sparten nutzen das Label: Manufakturen, Gärten, Kräuterspezialisten, Gärtnereien sowie Hotel- und Gastronomiebetriebe. In einem gemeinsamen Internetshop verkaufen die Manufakturen Rosmarin-Schinken, Thymian-Confit oder Ziegenkäse «Blütenduft» nach Camembert-Art. «Die laufen supergut», sagt Jörg Hohenadl von der Mittelstandsförderung im Landkreis NEUWIED. Auf den Etiketten stehe, welche Zutaten aus der Region seien. Prozentvorgaben macht die Marke nicht.

Der Zusammenschluss finanziert sich aus öffentlichen Zuschüssen, dem Anzeigengeschäft mit einem Heft und einer Umlage aller teilnehmenden Unternehmen. Rund 25 000 Euro zahlten die Kreisverwaltungen dieses Jahr. Um sich von der öffentlichen Hand zu lösen, sei eine Firmengründung geplant. «Wir müssen betriebswirtschaftlich denken», sagt Hohenadl. dpa