Wein
24. Juli 2010

Reise durch das Weinland Kalifornien

Top-Sommelier Gunnar Tietz aus dem Restaurant First Floor im Hotel Palace Berlin besucht ausgewählte Weingüter Kaliforniens. Seine persönlichen Wein und Hotel-Entdeckungen

Riesige Barriquekeller und astronomische Hektoliterproduktionen bei den Giganten der kalifornischen Weinindustrie? Ja, natürlich - aber Kalifornien ist insgesamt weitaus beeindruckender! Insbesondere die persönlichen Gespräche mit den Winzern, die Herzlichkeit und Offenheit der amerikanischen Weinbauern haben mich in zehn Tagen im Weinland Kalifornien überzeugt.

Das kalifornische Weininstitut in San Francisco hatte eine European Media Group bestehend aus belgischen, holländischen, russischen, finnischen, polnischen, dänischen und schwedischen Journalisten zu einer Tour der besonderen Art durch das Weinland Kalifornien eingeladen. Ich durfte als deutscher Sommelier diese einmalige Reise begleiten, Eindrücke sammeln und selbstverständlich auch mein Fachwissen erweitern.

Seit vielen Jahren finden sich auf meiner Weinkarte im Hotel Palace Berlin auch die Boutillen aus Napa und Sonoma und müssen sich mit den besten Qualitäten aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien messen lassen. Nun war es an der Zeit, mir selbst vor Ort einen Eindruck über den Stand und die Qualität der Weine zu verschaffen.

Kalifornien kann auf eine große Weinbautradition zurückblicken, erste moderne Weingüter wurden in den Jahren 1938/1939 gegründet. Heute gibt es mehr als 600 Winerys mit unterschiedlichen Qualitätsansprüchen. Nach dem Pinot Noir Boom durch den Film Sideways haben es nicht nur die dort bekannten Rebsorten Chardonnay und Cabernet Sauvignon geschafft sich durchzusetzen.

Und nicht zu vergessen sind die unglaublichen Blends (Verschnitt aus ursprünglichen Bordeauxrebsorten), hervorragend ausgebaute Zinfandel und mineralische Sauvignon Blanc. Letztere erinnern zum Teil an weiße Bordeaux und werden oft auch mit Rebsorte Semilion verschnitten. Und wir fanden im sonnenverwöhnten Kalifornien sogar einen rassigen Riesling 2009 auf Chateau Montelena, der uns mehr als überzeugt hat.

Die amerikanische Weinindustrie schläft nicht, auch wenn hier in Europa oft eher die Weine aus der "alten Weinwelt" bevorzugt werden, gibt es aus Kalifornien sehr interessante Neuigkeiten. Mich persönlich hat am meisten der Ausbau der Weine im Keller und der Einfluss des jeweiligen Mikroklimas interessiert.

Kleine 225 Liter Innox Stahlfässer sollen teure Barriquefässer aus dem Bordelais ersetzen, damit eine offene Oxidation im Fass verhindern und wahrscheinlich dann auch den Konsumentenpreis für die Flasche reduzieren.

Vielleicht werden wir diese Methoden auch bald in den deutschen Weinbauregionen finden, sicher nicht als Ersatz, aber vielleicht als Alternative? Gerade in der heutigen Zeit zeigen der Fortschritt im Weinberg & Keller, aber auch veränderte klimatische Bedingungen, wie offen das Denken der Winzer sein muss, um langfristig mit der entsprechenden Qualität auch erfolgreich sein zu können.

Was ist nun mit der Frage nach dem Image der voluminösen und zum Teil hochprozentigen Monster-Weine aus Napa & Co? Meiner Meinung nach sind es genau diese Weine, die zu Kalifornien gehören - wie die mineralischen Rieslinge an die Mosel. Nicht jeder liebt sie, ganz im Gegenteil, oft sogar geht der Alkoholgehalt unter die Gürtellinie, aber haben wir nicht auch in Deutschland in den großen warmen Jahren mit viel Sonne Weine mit 15 Volumenprozent und mehr?

Das Klima, die Sonne und die Handschrift des Kellermeisters sind auch in Kalifornien einfach nicht wegzudenken, eine Typizität der Region. Gerade in Deutschland reden wir auch gern über das Terroir und sind stolz darauf.

Mich haben diese Weine dort begeistert und seien wir doch mal ehrlich, wer trinkt nicht mal gern ab und zu ein Gläschen Zinfandel von Ridge oder Caymus mit 15 Prozent - in welcher Jahreszeit auch immer?

Mein Ranking der Weiß- und Rotweine, die mich auf dieser Reise ganz besonders begeistert haben.

Top Five Weißweine:

2007 Chardonnay Mer Soleil, Central Coast

2005 Chardonnay Jordan Vineyards Russian River Valley

2006 Chardonnay Santa Cruz Mountain, Ridge Vineyards

2008 Chardonnay Silver Mer Soleil, Santa Lucia Highlands

2009 Riesling Château Montelana, Potter Valley

Top Five Rotweine:

2007 Pinot Noir Gary Farrell, Sonoma County

2006 Sangiovese Seghesio, Russian River Valley

2007 Zinfandel Geyersville Ridge

2000 Cabernet Sauvignon Special Selection Caymus

2000 Cabernet Sauvignon Silver Oak Winery, Napa Valley

Sicherlich gab es noch den einen oder anderen großen Wein bei Kendall Jackson, Beringer, Mondavi, Shafer, Conn Creek oder Opus One, aber dies waren einfach meine persönlichen Favoriten in einer Weinwelt von mehr als 9.100 Kilometer Entfernung, die sich sicherlich in der nächsten Zeit auf der ein oder anderen Seite meiner Weinkarte im Hotel Palace wiederfinden werden.

Begleitet wurde die Reise durch einige kulinarische Higlights, wie den Besuch in der French Loundry bei Thomas Keller in Yountville, sowie exzellentes Food zum Lunch und Dinner einiger Gastköche auf den Weingütern, welches hervorragend zu den jeweiligen Weinen abgestimmt wurde - wie von Todd Knoll, Estate Executiv chef de cuisine der Jordan Winery.

Hotelempfehlungen:

Hotel Monaco in San Francisco

Hotel Healdsburg in Healdsburg Sonoma County

Hotel Luca in Yountville Napa Valley

Text und Fotos von Gunnar Tietz