Best of Donhauser
06. Juni 2010

Reise durch die Basilikata, Teil 2

Pino Bianco aus der Trattoria Muntagnola in Berlin und Rose Marie Donhauser bereisten die Basilikata. Heute Teil 2

4. Tag

Nach einem erfrischenden Spaziergang an der Küste des ionischen Meeres, ging es wieder ab ins Erdbeerfeld, um nahe bei Scanzano Jonico, bei NicoFruit die Ernte mitzuerleben. Welch ein Erlebnis, pflückfrisch die Gaben der Natur zu verzehren und sich wie Kinder zu (er)freuen, weil es so lecker schmeckt.

Zum Mittagessen waren wir von Rocco Contangelo, einem Olivenölproduzenten (Bioqualität, u.a. Lieferant für Demeter Deutschland) herzlich eingeladen und schmeckten uns quer durch seine Oliven. Olivenöl in Weißbrot getunkt, eingelegte Oliven von der Sorte San Bernadotte und Spaghetti mit Olivenpesto.

Scarmorza, ein italienischer Filatakäse, geräuchert und in Scheiben leicht erwärmt, bildete zusammen mit dem Kräuterlikör Mirto Lucano den Abschluss. Der biodynamische Betrieb San Canio erstreckt sich mit 32 Hektar Anbaufläche und etwa 12.000 Olivenbäumen (sowie etwa 3000 Bäumen, die zu jung zum Früchte tragen sind) auf den Hügeln bei Montescaglioso (Matera). Es werden Olivenöl extra Vergine, Olivenöl extra Vergine mit Wildkräutern, Olivencreme und Oliven in Salzlake hergestellt.

Nach soviel gutem Mangare (Essen) gab es eine Sightseeing Tour in Matera, ausgehend von dem hübschen Kaffeehaus Tripoli, in welchem wir die süßen Seiten der Basilikata ausgiebig erforschten. Die Rioni Sassi di Matera, Höhlensiedlungen, wurden von der Unesco 1993 zum Weltkulturerbe erklärt und müssen mit eigenen Augen gesehen werden - wir konnten uns gar nicht satt sehen. Zudem wird Matera oft genug als Filmkulisse für historische Filme verwendet, Die Passion Christi mit Mel Gibson wurde in Matera gedreht.

5.Tag

Die Fahrt über Craco, dem verlassenen Dorf (Craco wurde wie Matera in den Felsen geschlagen, letztendlich aber wegen einem Bergrutsch 1963 verlassen), die Berge rauf und runter, immer wieder große Schafherden sehend, war beeindruckend. Ziel war eine Azienda Agricola Per boschi e contrade www.boschiecontrade.it , einem landwirtschaftlichen Betrieb unter der Leitung von Paola de la ville sur illon.

Alles was zwischen "Wäldern und kleinen Häusern", so die Übersetzung, angebaut und geerntet wird, daraus stellt diese kleine Manufaktur Konfitüren, Chutney und eingelegte Früchte her. Besonders die typischen Bohnen aus der Gegend von Sarconi "Fagioli di Sarconi" werden hier zu Fasoldo classica oder Fasoldo crema dolce di fagioli verarbeitet.

Weiter ging es einer Pasta-Manufaktur in Moliterno, nahe Sarconi, Pastificio Cirigliano. Was is(s)t denn nun so typisch für die lukanische Hausfrau, wenn sie Pasta kocht? Strascinati, Fusilli, Triscidd, Lagane, Sfoglia (Nudelplatten für die Lasagne), Cortecce A5 Dita und Ravioli, war die Antwort. Tja, es sind nicht immer die Teigschnüre (Spaghetti).

Und dann ab auf die Alm, zur La Fattoria del Caciocavallo, hoch über Sarconi. Der Familiengeführte Betrieb von Nicola und Ielpo Raffaela stellt beeindruckenden Käse her. Zuständig dafür sind die 15 Kühe, die wir auch persönlich besucht haben. Noch heute ist mir der gute Käsegeschmack im Gedächtnis und vor allem auf dem Gaumen.

6.Tag

Bei soviel gutem Essen, herzlicher Gastfreundschaft und vielen Gesprächen rund um Produkte, Land und Leute - war es mal wieder Zeit den Vormittag am Meer auszulüften und frische Kräfte zu sammeln. Um 12 Uhr trafen wir mit der Familie von der www.masseriacardillo.it im Ristorante et Pizzeria Al Vecchio Frantoio (die alte Ölmühle) in Bernalda zum (Arbeits)essen zusammen.

Mit dem hauseigenen Wein Malandrina Matera Moro liefen die Gespräche besonders fruchtbar und die lukanischen Spezialitäten wie Stockfisch mit Peperoni, Haifisch mit Semmelbröseln, Oktopussi auf Saubohnenpürree, Linguine mit Tintenfisch, Peperoni und Tomaten waren alle durchwegs Leckerbissen. Ein doppelter Espresso half uns des öfteren nach diesen opulenten Mahlzeiten wieder auf die Beine - wenn schon keine Zeit für eine Siesta war.

Denn wir hatten am Spätnachmittag eine Verabredung mit dem Chef von Amaro Lucano www.amarolucano.it in dem Ort Pisticci, um der Herstellung des bekanntesten Bitterlikörs Amaro Lucano der Region auf der Spur zu sein. Doch Sambuca, Lucano Caffé, Limoncello, Grappa, Grappamaro, Brandy sowie alkoholhaltige Schokoladenhäppchen werden hier auch hergestellt. Die Arbeit von Journalisten kann sehr anstrengend sein, wenn man/frau auch alles probieren soll.

7. Tag

Das Informationsmaterial, ob als Prospekte, Fotos oder Produktproben, nahmen mittlerweile gigantische Ausmaße an, hoffentlich nicht auch unser Gewicht. Heute im Landwirtschaftsbüro von Matera prüften wir noch einmal, ob wir genügend Adressen und alle kulinarischen Köstlichkeiten der Region Basilikata dabei haben. Und anschließend ging es zu Bonifacio, einem jungen Künstler aus Matera, der für seine modernen Ölbilder bekannt ist. Er wird im Sommer 2010 bei Pino in der Trattoria Muntagnola eine eigene Ausstellung bekommen. Wir freuen uns schon auf ihn, und vielleicht kommt auch sein Vater mit den Skulpturen, hergestellt aus Pasta, mit.

Das Mittagessen im Ristorante Lucanerie, Cucina Tipica della Basilikata war für uns der krönende Abschluss unserer kulinarischen Tour: Es war ein "Festival per la bocca", ein Fest für den Gaumen mit Spezialitäten wie Pecorino mit Honig, Ricotto con Marmelade, Bruschetta mit Austernpilzen, Feigen mit Wildschwein, Salsicce mit Peperoni, Mangold mit Saubohnenpürree, Fusili mit Semmelbröseln und Tomaten - mit einem typisch regionalen Rotwein Aglianico del velture.

Die Basilikata ist eine Reise wert und wir waren traurig, als wir Arividerci sagen mussten. Meine letzte Tat war das Pflücken einer Zitrone, denn die wollte ich als Souvenir mit nach Berlin nehmen. Alle Eindrücke, alle Begegnungen, weitere Besuche in Konditoreien, Bäckereien, Spezialitätengeschäften, Weinbergen, Käsereien und bei italienischen Mamas, die uns bekochten, darüber schreibe ich gerne nächstes Mal, denn sonst wäre aus diesem kulinarischen Reisebericht ein Buch geworden.

Zum Basilikata-Bericht - Teil 1

Das Buch über die Basilikata erscheint im Herbst 2010 im Umschau Verlag.

Eure

Rose Marie Donhauser

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