REISE
02. April 2010

Reise ins Buenos Aires der Evita Perón

Kurztripp in die Stadt Evita Peróns

Sie ist schon fast 60 Jahre tot. Aber Maria Eva Duarte de Perón, genannt Evita, ist in Buenos Aires immer noch allgegenwärtig. «Sie stand immer auf dem kleinen Balkon dort links», sagt Fremdenführerin Maria und zeigt auf die Fassade des Präsidentenpalastes Casa Rosada. Das Volk hat die 1952 gestorbene, schillernde Gattin von Präsident Juan Perón geliebt und hält die Erinnerung an sie hoch.

Und fast jeden Buenos-Aires-Besucher zieht es zu ihrem Mausoleum, auch wenn er nur kurz in der Stadt ist. Und das sind viele: Argentiniens Hauptstadt ist ein beliebtes Stopover-Ziel für Touristen, die den Süden von Südamerika bereisen wollen.    

Buenos Aires erscheint eigentlich zu groß für einen kurzen Besuch. Rund 14 Millionen Bewohner hat die Metropole. Aber ein guter Fremdenführer kann von der Stadt in nur einem Tag einen guten Eindruck verschaffen. Wichtig ist, dass man ein Hotel im Zentrum bucht. Von dort sind eigentlich alle Wege kurz.

Ihren Namen - Buenos Aires heißt «gute Lüfte» - hat die Stadt nicht wegen der guten Luft, sondern von der Schutzheiligen der Seefahrer: Santa Maria del Buen Aire. Buenos Aires liegt am Rio de la Plata an der Südostküste Südamerikas. Der zentrale Platz ist die Plaza de Mayo, der Maiplatz. Auf seinem Pflaster sind merkwürdige weiße Zeichen aufgemalt.

Bei näheren Hinsehen erweisen sie sich als stilisierte Kopftücher. Sie sind den «Madres de la Plaza de Mayo» gewidmet - Müttern, deren Söhne in den Zeiten der Militärdiktatur in den späten 70er Jahren verschleppt und getötet wurden. Sie liefen auf diesem Platz vor dem Präsidentenpalast jahrelang schweigend im Kreis und demonstrierten damit gegen die Willkür und Gewalt im Lande.    

Von der Plaza de Mayo gehen sternförmig die Avenidas ab, breite Straßen, denen einst ganze Häuserzeilen weichen mussten. Heute noch haben diese Straßen daher drei Namen: die der alten Straßen und die der neu entstandenen mittleren Fahrspur. Wegen der Länge der Avenidas erreichen die Hausnummern mitunter den Bereich der Tausender-Ziffern. Und man kann selten spontan wenden, die meisten sind Einbahnstraßen.    

Die Stadt ist grundsätzlich nach dem Schachbrettmuster gebaut. Es gibt nur wenige Straßen mit Kurven. Im Zentrum liegen auch die beiden einzigen Fußgängerzonen der Stadt: die Florida und die Reconquista. Die Florida ist die Haupteinkaufsstraße für Urlauber. Hier lassen sich gute Lederwaren erstehen, die wie Silberarbeiten ein klassisches und günstiges Mitbringsel aus Argentinien sind. Wer nicht an T-Shirt-Läden interessiert ist, sollte sich schnell zu den hohen Hausnummern hocharbeiten. Dort sind exquisite Boutiquen zu finden. Europäische Edelmarken gibt es im eleganten Kaufhaus Galeria Pacifico. Schnäppchen können hier aber nicht erwartet werden.    

Einkäufer sollten ab und zu einen Blick in die Hinterhöfe werfen. Dort verstecken sich oft kleine Gärten, Bars und Restaurants. Ein Muss für Cafégänger liegt aber keineswegs im Hintergrund, sondern an der belebten Avenida de Mayo: Das «Tortoni» ist seit 150 Jahren berühmt für seine Café-Spezialitäten, serviert werden aber auch zarte Steaks mit feinen Weinen. Optisch erinnert es mit seinen dunklen Holzvertäfelungen an eine Mischung aus Pariser und Wiener Caféhaus.    

Im Microcento sind Banken und Büros zu finden, es ist kein Viertel für Touristen. Interessanter ist der Hafen, obwohl die Stadt nicht wie andere dem Wasser zugewandt gebaut worden ist. Noch vor 20 Jahren eine Brache, ist die Gegend ähnlich wie die Docklands in London zu einem schicken Viertel geworden. Heute gehören die eleganten Ensembles aus Backstein des Puerto Madero zu den teuersten Lagen von Buenos Aires - und in den Gewässern liegen große Jachten.    

Wer Spanisch spricht, hat Glück. Die meisten Argentinier sprechen nicht viel Englisch und in der Regel keine andere Fremdsprache. Aber selbst Spanier sind mitunter verwundert über das argentinische Spanisch, vor allem die Aussprache hat eine eher italienische Anmutung. Aber irgendwie verstehen sich beide Seiten am Ende doch.    

Das einst höchste Gebäude der Stadt ist der immer noch sehenswerte Palacio Barolo. Es hat ein Pendant in Montevideo, der Hauptstadt des Nachbarlandes Uruguay, und es ist nur durch einen Park getrennt vom Parlamentsgebäude, das dem US-Kapitol in Washington nachempfunden ist. Ein Besuchermagnet ist natürlich der Präsidentenpalast, in dem einst Evita lebte, bevor sie mit 33 Jahren an Unterleibskrebs starb.    

Die Ikone des einfachen argentinischen Volkes liegt heute auf dem Friedhof La Recoleta, ebenfalls im Zentrum: Im Mausoleum der Familie Duarte fand die einbalsamierte Evita nach einer Odyssee, die selbst durch Europa führte, erst Jahre nach ihrem Tod ihre letzte Ruhe. Es zieht noch immer täglich Hunderte Bewunderer an.    

Wer gerne auf Märkten und in Antiquitätengeschäften stöbert, sollte ins älteste Viertel der Stadt fahren, nach San Telmo. Auf dem Gebiet dieses Viertels wurde die Stadt am 2. Februar 1536 von Pedro de Mendoza gegründet. Hier gibt es fast alles zu kaufen - vom alten Küchenregal aus den 50er Jahren bis hin zum schweren Kristalllüster, imposant genug für ein Schloss.

Quer durch die engen Gassen war während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) eine Autobahn gezogen worden, die Blicke in die Wohnzimmer der Anwohner ermöglicht. In den Stützpfeilern der Betontrasse wurden vor einigen Jahren Folterkammern entdeckt - der Verkehrslärm übertönte die Schreie der Gemarterten.    

Die Trümmer der alten Häuser, die der Stadtautobahn weichen mussten, wurden damals einfach ins Becken des alten Hafens La Boca geworfen. Übersetzt heißt La Boca «der Mund» - dieser Ort nahm einst die Einwanderer auf, die in den 1920er Jahren zu Zehntausenden aus Europa, aus den ärmeren Provinzen des Landes und den Nachbarländern kamen.

Heute ist er ein verdrecktes Hafenbecken ohne jeden Nutzen, in dem alte Frachtkähne rostend herumdümpeln. Aber die Hafenkneipen der Gegend mausern sich bereits zu Restaurants. Straßenkünstler verkaufen ihre Bilder, Galerien haben sich etabliert, und auf der Straße tanzen Tangopaare für die Touristen. Abends finden hier Tangoshows statt.    

Ein wenig versteht der Besucher in La Boca, warum Buenos Aires auch das «Paris des Südens» genannt wird. Um die Ecke, keine fünf Minuten entfernt, liegt das Fußballstadion der Boca Juniors - hier wurde einst Diego Maradona zum Star. Es steht eng zwischen die Häuser gequetscht, die Tribünen ragen steil empor - und deswegen heißt es bei den Einheimischen «La Bombonera», die Bonboniere.    

Wer auf eigene Faust durch die Stadt streifen will, kann das in der City unbedenklich, in den Seitenstraßen des Hafens ist es aber nicht empfehlenswert. Generell gilt der Süden der Stadt als eher unsicher, der wohlhabendere Norden dagegen als unproblematisch.    

Am einfachsten ist es, einen Taxifahrer zu buchen, der einen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fährt. Fünf Stunden kosten 200 Pesos - das sind umgerechnet weniger als 40 Euro. Spaziergänger wiederum sollten sich vorsehen vor Autos und Motorrädern - denn deren Lenker verfahren nach dem Recht des Stärkeren.    

Wer sich selbst stärken möchte, sollte ein Steak bestellen. Auf der Speisekarte selbst einfacher Straßencafés steht einheimisches Rindfleisch - Argentinien hat 55 Millionen Rinder. Ihr Fleisch ist sehr mager und schmackhaft, aber nicht teuer. Es kommt daher bei den Einwohnern fast jeden Tag auf den Tisch. Ein Kaffee zwischendurch ist wie in Spanien und Italien in einer der kleinen Cafébars zu haben, ein Espresso kostet umgerechnet etwa 75 Cent. Erfrischungen zum Mitnehmen sind einfach und günstig in vielen kleinen Supermärkten zu bekommen, die scheinbar ausschließlich von Chinesen betrieben werden.    

Die besten Reisezeiten für Buenos Aires sind Frühjahr und Herbst, da ist das Wetter stabil mit Temperaturen um 20 Grad. Im Oktober, November und Dezember blühen süß duftend die Chacarandas, die großen Alleebäume, und Besucher wandeln auf lila Blütenteppichen. Im Sommer - Dezember bis Februar - wird es in der Stadt heiß und stickig. Manchmal nieselt es, doch das ist kein erfrischender Regen, sondern Kondenswasser aus den Klimaanlagen der Bürohäuser. Das finden höchstens die Mücken gut, von denen es im Sommer auch im Stadtgebiet viele gibt. Mitunter drängeln sich schon am Flughafen mit ins Taxi.    

Wer länger als einen oder zwei Tage in Buenos Aires bleiben möchte, sollte einen Ausflug nach Montevideo in Uruguay unternehmen. Mit dem Katamaran dauert das vier Stunden. Näher liegt jenseits des Rio de la Plata das kleine Kolonialstädtchen Colonia. Zu dessen sauberem Strand fährt das Schnellboot in 50 Minuten.

Auch die «Buquebus» genannten Linienschiffe fahren hinüber, sie brauchen jedoch 2,5 Stunden. Dafür kann man an Deck etwas bräunen. Die Strände von Buenos Aires dagegen sind nicht empfehlenswert. Ein Einheimischer verrät die Zahl der Kläranlagen der Stadt: «nada». Null. (Hilke Segbers, dpa)

Buenos Aires    

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Von Deutschland aus fliegt nur die Lufthansa nonstop nach Buenos Aires. Der Flug startet täglich in Frankfurt/Main und dauert fast 14 Stunden. Alternativen sind Umsteigeverbindungen zum Beispiel mit Iberia (über Madrid), Air France (über Paris) oder British Airways (über London-Heathrow). Deutsche benötigen kein Visum, der Reisepass sollte aber noch mindestens drei Monate gültig sein. Wer auch nach Peru reisen will, muss einen Pass mit mindestens sechs Monaten Gültigkeit besitzen.    

REISEZEIT: Die schönsten Reisezeiten sind Frühling und Herbst - wobei die Jahreszeiten denen in Europa genau entgegengesetzt sind. Der Herbst in Buenos Aires fällt also in die Monate März bis Mai.    

GESUNDHEIT: Empfohlen wird eine Impfung gegen Hepatitis A und B, Polio, Tetanus, Typhus und Diphtherie sowie eventuell Gelbfieber.    

UNTERKÜNFTE: Buenos Aires hat als Großstadt Unterkünfte aller Art. Die Preise liegen unter dem Niveau in europäischen Großstädten.    

WÄHRUNG: Für einen Euro gibt es etwa 5,3 argentinische Pesos (Stand: März 2010). www.turismo.gov.ar