Reise
25. September 2010

Reise nach Israel durchs Heilige Land

Millionen Pilger suchen jedes Jahr in Israel die Spuren Jesu. Wer die typischen Touristenpfade auch mal verlässt, entdeckt eine großartige Landschaft

Gäbe es diesen Metallstern nicht, Israel wäre ein anderes Land. Er ist schon etwas abgegriffen von den Hunderttausenden Händen, die ihn berührt haben. Manche Pilger fallen bei seinem Anblick überwältigt in Ohnmacht, andere lesen die passende Stelle in der Bibel nach: «Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.» Hier wurde der Weihnachtsgeschichte zufolge Jesus geboren.    

Seit Jahrhunderten reisen Christen um die Welt, um in der Geburtsgrotte in Bethlehem zu beten. Kriege wurden um diesen Ort geführt - und bis heute ist Bethlehem ein Beispiel für die Verworrenheit im Heiligen Land: eine christlich geprägte Kleinstadt im muslimischen Westjordanland im jüdischen Staat Israel. Wer nach Israel reist, erlebt immer eine Mischung aus Spiritualität, religiöser Konkurrenz und politischen Konflikten.    

2,7 Millionen Touristen kamen im vergangenen Jahr, die meisten waren christliche Pilger. Aber man muss nicht tief gläubig sein, um in Israel einen schönen Urlaub zu verbringen. Neben biblischen Orten und historischen Denkmälern bietet das Land eine großartige Natur: die bewaldeten Hügel Galiläas, die zerklüftete Wüste Negev oder den Zankapfel Golanhöhen mit ihrer großartigen Aussicht.    

Die Tourismusbranche stellt sich zunehmend auf Individualreisende ein, die nicht im Reisebus von einer Kirche zur nächsten gefahren werden wollen. Aus Deutschland kamen im vergangenen Jahr nach Angaben des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros schon 51 Prozent der Reisenden auf eigene Faust. Die meisten Hotels bieten Internetseiten, über die man mit ein paar Klicks ein Zimmer reservieren kann.    

Im ganzen Land sind Wander- und Radwege ausgeschildert, auf denen man sich auch ohne ortskundigen Führer problemlos zurechtfindet. Der Jesus-Trail in Galiläa führt Wanderer zu wichtigen Schauplätzen des Neuen Testaments. Und auf dem Israel Trail fahren Radler einmal von Norden nach Süden durch das ganze Land.    

Trotzdem: Ein einfaches Reiseland ist Israel nicht. Ständig brodeln politische und religiöse Konflikte - mal deutlich sichtbar, mal nur unterschwellig. Wer auf eigene Faust durch das Land reist, sollte die Sicherheitslage genau im Blick behalten.    

Internationale Flüge nach Israel landen auf dem Ben-Gurion-Flughafen etwas außerhalb von Tel Aviv. Von dort können Reisende zwei Richtungen einschlagen: Mit dem Sherut, dem Sammeltaxi, nach Jerusalem oder mit dem Zug oder Taxi nach Tel Aviv.    

Wer sich zunächst langsam an das Klima und das Leben im Nahen Osten gewöhnen will, ist in Tel Aviv gut aufgehoben. Die Stadt am Mittelmeer ist völlig untypisch für das sonst so streng religiöse Israel. Frauen laufen im Minirock durch die Straßen, und mit dem Einbruch der Dunkelheit beginnt am Strand und in den vielen Clubs die Party.

Selbst am Samstag, wenn Jerusalem und viele andere Städte wegen des Sabbats stillstehen, geht das öffentliche Leben hier weiter. Lohnenswert ist ein Abstecher ins mittelalterliche Jaffa, das heute zu Tel Aviv gehört. An der Mittelmeerpromenade entlang braucht man eine knappe Stunde zu Fuß.    

Eine Zugstunde nördlich von Tel Aviv liegt die Stadt Haifa, wo jüdische und arabische Israelis vergleichsweise friedlich zusammenleben. Vom Berg Karmel hat man einen weiten Blick über die Stadt, den berühmten Bahaischrein und die große Mittelmeer-Bucht. Auf keinen Fall versäumen sollte man ein Stück weiter nördlich die Kreuzfahrerstadt Akko mit ihrem Gewirr aus mittelalterlichen Altstadt-Gassen und einem urigen Basar.    

Um von hier aus in das Bergland Galiläas zu kommen, nimmt man sich am besten einen Mietwagen. Zwar fahren Busse und Sheruts bis in die entlegensten Winkel des Landes. Aber es lohnt sich, mit dem Auto immer wieder kurze Zwischenstopps einzulegen, um die großartige Aussicht zu genießen. Israels Norden hat zwar wenig Kulturelles zu bieten, dafür aber mehrere Landschaftsschutzgebiete wie den Hulatal-Nationalpark. In dessen Sumpflandschaft kann man Pelikane und Seeadler beobachten. Und wer auf den Spuren Jesu pilgern will, sollte in seiner Heimat die Wanderschuhe schnüren.    

Safed, die Hauptstadt Galiläas, ist berühmt für ihre Künstlerkolonie: Dort leben und arbeiten Maler und Kunsthandwerker aus unterschiedlichen Religionen zusammen und bieten in den engen Gassen ihre Produkte an. Nazareth, wo Jesus aufwuchs, ist für viele Pilger hingegen eine Enttäuschung. Die Stadt ist laut, hektisch und für die Touristenmassen eigentlich viel zu eng.    

Hotels findet man im strukturschwachen Galiläa nur wenige. Aber von der Stadt Tiberias am See Genezareth aus lässt sich die Region in Tagesausflügen mit dem Auto gut erkunden. Ohnehin ist der See Genezareth ein Höhepunkt jeder Israelreise. Rund um den See spielen viele der Erzählungen aus den Evangelien. Hier hat Jesus mit seinen Jüngern gewohnt, gelehrt und der Bibel zufolge auch zahlreiche Wunder vollbracht - an fast jedes davon erinnert eine Kirche.    

Wer von Tiberias Richtung Süden fährt, erreicht nach zwei Stunden Fahrt durch das palästinensische Westjordanland schließlich Jerusalem, die von der Staatengemeinschaft nicht anerkannte Hauptstadt Israels. Keine andere Stadt auf der Erde hat eine so wechselvolle Geschichte und keine ist so sehr von der Religion durchdrungen. Drei Religionen erheben Anspruch auf Jerusalem und leben dort mit-, neben- und oft auch gegeneinander. An der Klagemauer beten die Juden, im Felsendom die Muslime und in der Grabeskirche die Christen.

Der Ruf des Muezzins vermischt sich mit dem Gebet der Juden und dem Klang einer Kirchenglocke. Innerhalb weniger Fußminuten kommt man von Einkaufsstraßen, in denen freizügig gekleidete Israelinnen flanieren, in ultraorthodoxe Viertel, in denen Touristinnen im schulterfreien Top mit faulem Obst beworfen werden.    

Reisende müssen sich durch das Gewirr der Altstadt quetschen. Vor allem freitags, wenn Gläubige auf der Via Dolorosa den Weg Jesu vor seiner Kreuzigung ablaufen, ist fast kein Durchkommen mehr. Ruhiger geht es auf dem Ölberg zu, von wo aus man einen grandiosen Blick über die Altstadt und den größten jüdischen Friedhof der Welt hat.    

Von Jerusalem aus ist es nicht weit zu den Städten des Westjordanlandes. Die meisten Touristen machen höchstens einen Tagesausflug dorthin, kaum einer bleibt länger im palästinensischen Autonomiegebiet. Meterhohe Sicherheitsmauern umgeben Bethlehem und Ramallah, nur nach Jericho kommt man ohne aufwendige Kontrollen. Viele Individualtouristen schließen sich für einen Ausflug ins Westjordanland einer geführten Gruppe an. Jedes Jerusalemer Hotel hat entsprechende Angebote.    

Von Jerusalem aus führt auch eine Straße steil bergab durch die Judäische Wüste bis an das Tote Meer - 420 Meter unter dem Meeresspiegel liegt hier der tiefste Punkt der Erde. Es ist ein unwirtlicher Ort. Im Sommerhalbjahr brennt die Sonne unbarmherzig. Trotzdem lässt sich kaum ein Tourist das Gefühl entgehen, wie schwerelos auf dem Salzwasser zu schweben.    

Südlich des Meers beginnt die Wüste Negev, die mehr als die Hälfte der Landesfläche einnimmt. Zerklüftete Schluchten und tiefe Krater prägen die Landschaft. Aber es gibt auch einige grüne Oasen wie den Nationalpark Ein Avdat, in denen man wandern kann.

Wer bis in die südlichste Landesspitze weiter fährt, erreicht den Badeort Eilat am Roten Meer. Hier kehrt man zurück zum Anfang der Reise: zu Strand, Meer und leichtem Leben. (Marc Herwig, dpa)   

Reise nach Israel    

ANREISE: Von Deutschland aus gibt es 60 Direktverbindungen pro Woche. Die meisten Flüge betreiben El Al, Lufthansa und Air Berlin.    

EIN- UND AUSREISE: Deutsche, die nach dem 1. Januar 1928 geboren sind, benötigen bis zu einem Aufenthalt von drei Monaten kein Visum. Ein Reisepass genügt. Am Flughafen werden Individualtouristen penibel kontrolliert und sehr detailliert über ihre Reiseplanung befragt.    

KLIMA UND REISEZEIT: Hauptreisezeit ist im Frühling und im Herbst. Von Juni bis September ist es oft brütend heiß, von November bis Februar regnet es regelmäßig.    

SPRACHE: Hebräisch und Arabisch sind die Amtssprachen, aber fast alle wichtigen Informationen gibt es auch auf Englisch.    

VERKEHR: Israel hat ein sehr dichtes Netz an Überlandbussen, die alle Städte ansteuern. Züge fahren nur auf den Hauptstrecken. Zwischen kleineren Städten pendeln Sammeltaxis, sogenannte Sheruts.    

UNTERKUNFT: Hotels gibt es in allen Preislagen. Christliche Hospize bieten einfache Zimmer an, die aber oft sehr früh ausgebucht sind. Einen besonderen Reiz haben Unterkünfte in den 280 Kibbuzim, ursprünglich sozialistisch organisierten Dorfgemeinschaften.    

GELD: In Israel zahlt man mit dem Neuen Israelischen Schekel (NIS). Ein Euro ist ungefähr fünf Schekel wert. Die meisten Hotels stellen ihre Rechnungen allerdings in US-Dollar aus, denn bei ausländischen Währungen entfällt die Mehrwertsteuer.    

TRINKGELD: Bei Preisen im Restaurant ist der Service nicht inbegriffen. 10 bis 15 Prozent für den Kellner gelten als angemessen.    

INFORMATIONEN: Staatliches Israelisches Verkehrsbüro, Friedrichstraße 95, 10117 Berlin, Tel.: +49 30 2039970, goisrael.de