Reise
06. August 2010

Reise nach Marokko: Marrakesch und seine Hotels

Viele halten Marrakesch für die schönste Stadt Marokkos - derzeit wird an allen Ecken gebaut: Villen und Hotels für die Touristen

Reich und prächtig, das war Marrakesch lange in seiner tausendjährigen Geschichte. Reich als Endpunkt der Karawanen aus Timbuktu und Zentralafrika, prächtig in seinen maurischen Palästen. Matt geworden in der Neuzeit, hat die «Perle des Südens» seit ein paar Jahren erneut zu glänzen begonnen. Und mit dem Rückenwind eines königlichen Investitionsprogramms ist sie auf ihrem Weg zur unumstrittenen Kunst- und Kulturhauptstadt Marokkos.    

Wie in den 1960er Jahren die Hippies, fühlen sich immer mehr junge und betuchte Weltenbürger von der Boomstadt am Fuß des Atlasgebirges angezogen. Geradezu exemplarisch hat sich das Palasthotel «La Mamounia» auf die von ganz oben verordnete Aufbruchstimmung im Land eingestellt. Drei Jahre lang ist das Luxusetablissement für Staatenlenker, Stars und Steinreiche für 120 Millionen Euro umgebaut worden. Hightech-Komfort und feinste Wohnarabesken sind wohl aufeinander abgestimmt.    

So soll es bald im ganzen Reiche sein, wünscht sich König Mohammed VI., der 1993 mit einer Dissertation über Perspektiven einer Allianz zwischen Maghreb und Europäischer Union zum Doktor der Jurisprudenz promovierte. Mit einem milliardenschweren Förderprogramm zur Modernisierung des Landes ermöglicht der 47-jährige Monarch ausländischen Investoren den günstigen Kauf von Grundstücken. In den ersten drei Jahren bleiben Gewinne steuerfrei.    

Diese Aussichten haben in der Wüstenstadt einen Bauboom ohnegleichen ausgelöst. Villen und Nobelherbergen schießen aus dem Boden. Die ausländischen Geldgeber kommen aus Frankreich, Indien, Saudi-Arabien, Russland und Monaco. Selbst die angesehene Société des Bains de Mer (SBM) Monte-Carlo, die sich zuvor noch nie außer Landes engagiert hatte, konnte den Marktprognosen nicht widerstehen. Umgerechnet rund 114 Millionen Euro will sie für ein Hotel- und Villenprojekt aufwenden.    

Erst kürzlich hat Fürst Albert II. im Bereich der weltberühmten Menaragärten den Grundstein für den Großkomplex gelegt. Die ersten Gäste werden 2011 erwartet, sagt SBM-Sprecherin Mireille Rebaudo-Martini. Das auf Prunk und Pracht spezialisierte Unternehmen kontrolliert nicht nur das Spielcasino in Monte-Carlo. Ihm gehören auch die besten Grundstücke sowie mehrere Spitzenhotels in der Stadt, darunter das «Hôtel Hermitage», das - wie «La Mamounia» und das «Hôtel Majestic» in Cannes - vom Innenarchitekten Jacques Garcia kunstvoll umgestaltet wurde.    

Im Augenblick soll mindestens ein weiteres Dutzend Fünf-Sterne-Hotels und Wohnanlagen für Millionäre im Bau sein. Dabei wird auch die Palmeraie von Marrakesch weiter für neue Resorts und ihre Golfplätze erschlossen. König Mohammed VI., der zu den reichsten Männern der Welt gehört, ist indirekt auch am «Mamounia» beteiligt - über die Staatliche Eisenbahngesellschaft (ONCF), die 60 Prozent hält, und über die Stadt Marrakesch sowie die Bank Caisse de Dépôt et Gestion, die sich den Rest teilen.

Dem König gehört auch das neue «Royal Mansour». Das Hotel ist im Juni 2010 eröffnet worden. Eine Übernachtung dort kostet zwischen 1500 Euro und 30 000 Euro.

«Mamounia»-Generaldirektor Didier Picquot findet Konkurrenz zwar gut. Angesichts der aktuellen Entwicklung schließt der Topmanager jedoch nicht aus, dass auf Dauer auch in Marrakesch die Palmen nicht in den Himmel wachsen und es in einigen Jahren Überkapazitäten auf dem Luxussektor geben wird. «Es stellt sich nicht nur die Frage, wie man die ganzen Fünf-Sterne-Hotels füllen will. Es fragt sich auch, woher all die Angestellten kommen sollen», sagt der Franzose. Tatsache sei, dass im vergangenen Jahr viel weniger Touristen nach Marrakesch gekommen seien als 2008. «Schuld daran ist die Krise!» In der Medina stünden schon etliche kleine Hotels zum Verkauf.    

Zwar wurden neue Autobahnen gebaut, und Marrakesch bekam einen neuen Flughafen. Von Deutschland aus fliegt aber nur Ryanair direkt dorthin. Keine gute Voraussetzung für Massentourismus, von dem auf marokkanischem Territorium nur das leicht erreichbare und am Meer gelegene Agadir profitiert. Andererseits: Wäre Marrakesch wirklich gut beraten, sich auf Massentourismus einzulassen, für den Hotels wie das «Mamounia» nach Picquots Meinung bestimmt nicht die richtigen Adressen sind? Ihr Image wie das der ganzen Stadt stünde auf dem Spiel.    

Das aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende «Mamounia» hegt auch im neuen Outfit seinen Namen als Prominentenherberge Nummer eins und als Filmkulisse. Hitchcock drehte hier mit Doris Day und James Stewart «Der Mann, der zu viel wusste». Joseph von Sternberg nutzte die Szenerie des Art-déco-Gebäudes für «Marokko» mit Marlene Dietrich und Gary Cooper, Oliver Stone für seinen «Alexander». Aber auch «Sex and the City 2» mit Sarah Jessica Parker spielt teilweise hier.    

Viele Stars aus der Film- und Musikszene wie Kirk Douglas, Omar Sharif, Richard Gere, Alain Delon und Claudia Cardinale, Gwyneth Paltrow, Jennifer Aniston, Juliette Binoche, Angelina Jolie, Brad Pitt, Julio Iglesias, Elton John und Andrea Bocelli ließen hier ihre Seele baumeln. Staatschefs aus aller Welt von de Gaulle über Ronald Reagan bis Helmut Kohl nahmen hier Quartier.    

Noch scheint die Bastion gegen die touristische Vulgarisierung von Marrakesch zu halten: McDonalds jedenfalls soll voriges Jahr vergeblich versucht haben, das alte «Café de France» an dem als Weltkulturerbe der Unesco geschützten Platz der Gaukler aufzukaufen. (Rolf Liffers, dpa)

Reise nach San Francisco

Informationen: Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Straße 59, 40210 Düsseldorf, Tel: 0211/37 05 51, www.tourismus-in-marokko.de