REISE
22. Dezember 2009

Reise-Trends und Ziele 2010

ITB-Report zu späten Buchungen, Winterspielen, Expo und Fussball-WM

Ob Mallorca, Antalya, Rügen oder Sylt: Dass die Lieblingsziele der «Reiseweltmeister» 2010 wieder etliche deutsche Urlauber zu Besuch bekommen, steht außer Frage. Die Folgen der Wirtschaftskrise und die Angst vieler Menschen um ihre Jobs führen jedoch dazu, dass der Start ins Reisejahr 2010 mit vielen Unsicherheiten verbunden ist.

Die meisten Reiseveranstalter haben zur Sommersaison ihre Preise gesenkt, nicht zuletzt für die Frühbucher. Dennoch erwarten Experten, dass 2010 erneut ein Jahr mit vielen Last-Minute-Urlaubern wird. Wohin die Reise geht, könnte sich also bei vielen erst kurzfristig entscheiden. Besondere Anlässe, für die sich das Kofferpacken lohnt, bietet auch das neue Jahr einige.    

Was sich im Urlauberverhalten abzeichnet, ist eine immer größere «Polarisierung der Nachfrage» - so drückt es der Tourismusforscher Prof. Karl Born von der Hochschule Harz in Wernigerode aus: Gebucht werde entweder sehr frühzeitig oder sehr spät im Jahr, gefragt seien besonders billige Angebote ebenso wie exklusive Luxusreisen. Die Mittelwege dazwischen werden weniger beschritten. Die Branche stellt sich laut dem Präsidenten des Deutschen Reiseverbandes Klaus Laepple darauf ein, dass der Trend einerseits zum sehr frühzeitigen Buchen und andererseits zum kurzfristigen Buchen anhalten wird. 

Dass immer öfter erst im Juni oder Juli die Entscheidung für den Sommerurlaub fallen könnte, erwarten auch andere Experten. Prof. Roland Conrady von der Fachhochschule Worms sieht sogar eine «tektonische Verschiebung des Reise- und Buchungsverhaltens»: In den vergangenen zwei Jahren hätten sich die Vorausbuchungsfristen beim Urlaub um 40 Prozent verkürzt, so der Experte im neuen «Travel Trendwatch» des Online-Reiseportals Expedia.

Und Martin Buck, Chef der Reisemesse ITB in Berlin, zieht aus dem Trend den Schluss: «Der Reisende wird für die Urlaubsländer, die Fluggesellschaften, Hotels, Reiseveranstalter und Reisebüros zunehmend unkalkulierbar.»    

Wichtig ist vielen Urlaubern weiter der Preis. Auf die «schönsten Wochen des Jahres» wird nicht verzichtet - aber sie sollen, bitte schön, weniger kosten als bisher. Das haben die Reiseveranstalter zum Beispiel daran gemerkt, dass sie 2009 ähnlich viele Gäste hatten wie 2008, der Branchenumsatz aber um drei bis vier Prozent gesunken ist. Die Preissenkungen der Veranstalter für den Sommer 2010 lagen nun meist bei fünf bis sechs Prozent, in einzelnen Ländern auch darüber.

Und es geht weiter: Mitte Dezember gab mit Alltours der viertgrößte deutsche Reiseveranstalter erneute Preissenkungen von im Schnitt sieben Prozent für gut ein Drittel des Katalogangebotes bekannt.    

Manche Prognosen für das Reisejahr 2010 scheinen sich zu widersprechen. So geht der «ITB World Travel Trends Report» davon aus, dass die Fluggesellschaften gezwungen sein werden, ihre Preise deutlich zu erhöhen. Zumindest für Urlaubsflüge, die in Deutschland starten, gelte das aber nicht, meint Prof. Born: Im Sommer werde es zusätzliche Flugkapazitäten auf dem Markt geben, vor allem von Anbietern aus dem Mittelmeerraum: «Das wird auf die Preise drücken.»    

Und die besonderen Reiseanlässe 2010? Sie reichen von sportlichen bis hin zu religiösen Großveranstaltungen. Hier ein kurzer Überblick:    

Kulturhauptstadt Ruhr: Elf Jahre ist es her, dass Deutschland zuletzt eine der Europäischen Kulturhauptstädte stellen durfte. 1999 war es Weimar, nun schultern gleich 53 Städte im Ruhrgebiet diese Aufgabe. Rund 2500 Veranstaltungen stehen im Terminkalender, von Konzerten über Kabarett bis zu einer Vollsperrung der A40 am 18. Juli, bei der die Autobahn zur 60 Kilometer langen Kulturmeile wird. Das Ruhrgebiet teilt sich die Kulturstadtwürde mit Pécs in Ungarn und Istanbul in der Türkei (www.ruhr2010.de).    

Olympische Winterspiele: Das erste sportliche Großereignis des Jahres 2010 geht neun Zeitzonen entfernt von Deutschland in Kanada über die Bühne: Vancouver und Whistler richten vom 12. bis 28. Februar die Olympischen Winterspiele aus. Die Zahl der deutschen Touristen, die direkt an den Wettkampfstätten die Daumen für Maria Riesch und Co. drückt, wird wegen der großen Flugdistanz überschaubar bleiben. Die Provinz British Columbia hofft jedoch auf viele schöne Fernsehbilder, die den Appetit auf eine Urlaubsreise ganz in den Westen Kanadas wecken könnten.

Expo 2010 Shanghai: Die Expo in Hannover liegt fast zehn Jahre zurück. Nun haben die Chinesen die Welt bei sich zu Gast. Unter dem Motto «Better City, Better Life» («Bessere Stadt, besseres Leben») sollen vom 1. Mai bis 31. Oktober etwa 70 Millionen Menschen auf dem Weltausstellungsgelände in Shanghai begrüßt werden. Ziel der Expo, an der sich laut dem Chinesischen Fremdenverkehrsamt mehr als 200 Länder und Organisationen beteiligen, ist es, einen Einblick in das Leben in Städten der Zukunft zu geben. In Shanghai stehen insgesamt 370 000 Hotelbetten zur Verfügung.    

Passionsspiele Oberammergau: Alle zehn Jahre lassen sich die Männer des kleinen Dorfes in Oberbayern einen Bart wachsen, um ein Pestgelübde aus dem Jahr 1633 zu erfüllen: Sie treten als Darsteller in der Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu' Christi auf. Im Jahr 2010 sind 102 Aufführungen vom 15. Mai bis 3. Oktober geplant. Etwa zwei Drittel der rund 500 000 Eintrittskarten werden als Teil eines Reisearrangements mit Übernachtung verkauft, erklärt Jesus-Darsteller Frederik Mayet. Diese Pauschalpakete sind über Reiseveranstalter und die örtliche Tourist-Info zu bekommen. Dass auch wieder Einzeltickets ohne Übernachtungen in den Verkauf gehen, sei voraussichtlich erst im Februar zu erwarten, schätzt Mayet.

Fussball-WM: Für viele Bundesbürger ist es wohl das Ereignis des Jahres schlechthin: Vom 11. Juni bis 11. Juli entscheidet sich in Südafrika, wer Italiens Nachfolger als Fußball-Weltmeister wird. Das Land am Kap sieht im Großereignis eine Chance, weltweit auch als Reiseziel zu punkten. Ob das gelingt, dürfte auch davon abhängen, wie sich die Sicherheitslage im WM-Gastgeberland weiter entwickelt. Wer dabei sein will, kann sich direkt beim Weltfußballverband FIFA um Tickets bemühen und die Reise selbst organisieren. Alternativ bieten die Veranstalter Dertour, Vietentours, Passion Southafrica und Thomas Cook Reisen fertige Reisepakete samt Eintrittskarten für die Stadien an. dpa

Zur Kolumne Südafrika 2010