Reise
16. Februar 2010

Reise zum Karneval in Rio

Samba am Zuckerhut: Rios Karneval lockt die Stars

Batman, Harry Potter, Don Quijote, Engel und Teufel, Adam und Eva und auch ein Michael-Jackson-Double - alle waren sie da beim traditionellen Defilee der zwölf besten Sambaschulen in Rio de Janeiro.

Mit fantasiereichen Motivwagen und einem Aufgebot von schätzungsweise 40 000 Tänzern, Trommlern und leicht bekleideten Samba-Queens kämpften die Vereine bis in die frühen Morgenstunden um die Karnevals-Krone 2010. Dem Charme des Sambas am Zuckerhut erlagen in diesem Jahr auch Pop-Diva Madonna, Paris Hilton und der schottische Schauspieler Gerard Butler («Beowulf», «P.S. Ich liebe Dich»).

In Rio gab es seit vorigem Freitag, als König Momo die Stadtschlüssel überreicht bekam, nur ein Thema: «O Carnaval». Millionen Narren feierten auf den Straßen der «Cidade Maravilhosa», der «wunderbaren Stadt», bei Umzügen und Temperaturen von weit über 30 Grad ausgelassen die Tollen Tage. Fernsehen und Zeitungen brachten stundenlange Sondersendungen und bis zu 20-seitige Extrabeilagen.

Beliebtestes Bildmotiv waren dabei die Samba-Queens, die in knappsten Kostümen sehr viel Haut zeigten. Madonna und ihr Freund, das brasilianische Männer-Model Jesus Luz, erlebten das Defilee in der Nacht zum Rosenmontag live. Society-Girl Paris Hilton und Freund Doug Reinhardt kamen gleich an beiden Tagen ins «Sambódromo da Marquês de Sapucaí».

Die meisten Mitglieder der Sambaschulen stammen aus den Armenviertel Rios, den Favelas, und arbeiteten fieberhaft monatelang an den Choreografien, der Komposition der Lieder und dem Bau der Motivwagen. Maximal 82 Minuten hatte jede Schule Zeit für ihr Defilee über den legendären Karnevalboulevard. In ihren glitzernden farbenprächtigen Fantasiekostümen werden die «Sambistas» aus den Favelas knapp eineinhalb Stunden zu Königen und Königinnen. «Ich liebe den Karneval. Es ist die pure Freude», ruft eine der schweißüberströmten Samba-Queens in die allgegenwärtigen Kameras, ohne dass sie dabei mit dem Tanzen aufhört.

Die jüngste Samba-Queen war erst sieben Jahre und führte in der Nacht zum Rosenmontag die Schule «Unidos do Viradouro» an. Angesichts der Heerscharen von Fotografen und der beeindruckenden Kulisse mit mehr als 80 000 Zuschauern fing das Mädchen zunächst an zu weinen und musste von der Mutter getröstet werden. Dann aber kehrte sie auf die Paradepiste zurück und führte die «Bateria», das Aufgebot der Trommler und Tänzer, an, die sich als Thema «Mexiko, Paradies der Farben unter dem Zeichen der Sonne» gewählt hatte.

Wer von den zwölf Sambaschulen den Titel 2010 gewonnen hat, wird sich am Aschermittwoch zeigen, wenn die Jury ihre Entscheidung fällt. Anders als in Deutschland ist in Rio am Aschermittwoch aber noch nicht alles vorbei: Am kommenden Samstag präsentieren sich die sechs erstprämierten Vereine erneut auf die Parade-Strecke des Sambódromos und kurz danach laufen schon die Vorbereitungen für den «Carnaval 2011» an. (Helmut Reuter, dpa)