Beer & Brau
13. August 2010

Reise zum Oktoberfest München 2010

Last-Minute-Bucher haben noch gute Chancen auf ein Hotelzimmer. Alle Wiesn-Zelte vom 18. September bis 4. Oktober im Vergleich

Das Oktoberfest ist für viele München-Urlauber ein Pflichttermin. Jedes Jahr zieht es Tausende Besucher aus aller Welt zum größten Volksfest der Welt. In diesem Jahr feiert München den 200. Geburtstag der Wiesn. In den Bierzelten auf der Theresienwiese könnte es daher vom 18. September bis 4. Oktober noch voller werden als sonst. Und auch die Unterkünfte in der Stadt dürften gut ausgelastet sein. Keine guten Aussichten für Wiesn-Fans, die kurzfristig anreisen. Aber die Suche nach einer Last-Minute-Herberge ist nicht hoffnungslos.    

«Es sind noch Zimmer für die Wiesn zu haben», sagt Gabriele Weishäupl, Münchner Tourismus-Chefin und Festleiterin. Auch Unterkünfte zu «moderaten Preisen» seien noch buchbar. «Moderat» ist in diesem Fall allerdings eine Frage der Perspektive: Im Schnitt müssen Gäste in München laut Weishäupl mit 200 Euro für die Übernachtung im Doppelzimmer rechnen. Es gebe aber «keine Wiesn-Preise» mehr wie früher, als die Zimmerpreise während des Oktoberfests rasant nach oben kletterten.

Zwar dürfte das Zimmerangebot schrumpfen, je näher die Wiesen rückt - auch weil die Organisatoren wegen der Jubiläums-Wiesn in diesem Jahr mit einem größeren Andrang rechnen. «Aber ich habe in den letzten Jahren nie mehr die Dramatik erlebt wie vor 20 Jahren», sagt Weishäupl. Damals sei München zum Oktoberfest regelmäßig ausgebucht gewesen. «Die Stadt quoll über, und wir mussten bis weit ins Umland vermitteln.» Aber wegen des steigenden Bettenangebots seien solche Zustände vorbei. München hat seine Hotelkapazitäten auf mittlerweile 55 000 Betten aufgerüstet. «Im Großen und Ganzen ist die Situation entspannt», sagt Weishäupl.    

Möglichst «frühzeitig buchen», empfiehlt dennoch Frank-Ulrich John, Sprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Dann klappe es auch noch mit dem Hotelzimmer in der gewünschten Innenstadtlage. «Wir hoffen natürlich, dass zur Jubiläums-Wiesn mehr los ist als sonst», sagt John. Er wolle aber auch für die kurzfristige Anreise «Mut machen». Es sei keinesfalls aussichtslos, auf den letzten Drücker noch ein Zimmer zu finden.    

«Es gibt zwar die Mär, München sei zur Wiesn ausgebucht», sagt John. «Das stimmt aber nicht. Im vergangenen Jahr gab es zur Wiesn circa 30 Prozent Leerstände.» Das liege auch daran, dass alle immer denken, in der Stadt sei ohnehin alles voll, und dann automatisch zuerst im Umland nach Unterkünften suchen. «Auch wer spontan fährt: Da geht auf alle Fälle was», ermuntert John. Schließlich würden ja immer wieder Buchungen storniert.    

John empfiehlt, zunächst direkt über die Internetseiten der Münchener Hotels nach Zimmern zu suchen. Das sei oft günstiger, als über die einschlägigen Buchungssysteme zu buchen. Aber auch diese seien eine Möglichkeit, noch ein Hotelzimmer zu ergattern. Johns Tipp: Viele Quartiere bieten zur Wiesn Oktoberfest-Specials an, die für Gäste eine preislich interessante Alternative sein können.    

Eine weitere Übernachtungsalternative bietet von 17. September bis 4. Oktober das «Wiesn Camp» im Olympischen Reitstadion München-Riem. Hier können Wiesn-Besucher in bereits aufgebauten Zelten und Wohnwagen übernachten. Eine Nacht im Zelt kostet ab 55 Euro, für den Wohnwagen werden ab 110 Euro pro Nacht fällig. Auch Isomatten und Schlafsäcke können gegen Gebühr gemietet oder gekauft werden. Der Weg zur Wiesn dauert laut den Betreibern des «Wiesn Camps» 25 Minuten.    

Wer mit dem Reisemobil zum Oktoberfest fährt, findet nach Angaben der Stadt München auf der Sonderfreifläche der Neuen Messe München in Riem Parkraum mit sanitären Einrichtungen vor. Von dort ist das Festgelände mit der U-Bahn zu erreichen. Außerdem gibt es einen Wohnmobil-Abstellplatz in der Siegenburger Straße. Auch von dort geht es mit der U-Bahn bequem zur Theresienwiese.

Die Wiesn-Zelte im Vergleich

Wenn es in wenigen Wochen heißt «O'zapft is!», strömen wieder Millionen Menschen aus aller Welt zum Oktoberfest nach München. In diesem Jahr könnten es sogar ein paar mehr werden, schließlich feiert die Wiesn 200. Geburtstag. Doch bevor sich der Besucher ins Getümmel wagt, sollte er sich gut überlegen, in welcher der 14 großen Festhallen er seine Maß erheben will. Die Unterschiede sind gewaltig.

Für die Prominenz: HIPPODROM und KÄFER-ZELT

Das Hippodrom von Sepp Krätz steht direkt am Haupteingang zur Wiesn und versteht sich als Promi-Zelt. Hier kuschelt Heino mit Hannelore, und vor dem Eingang stehen Marianne und Michael mit dem gemeinen Volk in der Schlange. Noch exklusiver geht es in Käfer's Wiesnschänke zu. Hier geben sich Fußballer des FC Bayern ebenso die Ehre wie Werbe-Ikone Verona Pooth oder Ralph Siegel. Im vergangenen Jahr feierten Lothar Matthäus und seine vierte Frau Liliana noch zusammen. Neben der Wiesn-Maß gibt es auch Wein und Champagner.

Für die Jugend: SCHOTTENHAMEL und HIMMEL DER BAYERN

Eröffnet wird das größte Volksfest der Welt traditionell im Schottenhamel. Hier sticht Münchens Oberbürgermeister Christian Ude alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an. Überwiegend strömen junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt. Ebenso beliebt beim Nachwuchs ist das Hacker-Festzelt mit dem Namen «Himmel der Bayern». Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen ist es eines der schönsten Zelte auf der Wiesn.

Für die Reiferen: FISCHER VRONI und BRÄUROSL

Bei der Fischer Vroni gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch. In diesem vergleichsweise kleinen Festzelt feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. Im Pschorr-Traditionszelt Bräurosl geht es ebenfalls vergleichsweise urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn-Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den «GaySunday». Der Name Bräurosl stammt von der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr.

Für die Touristen aus aller Welt: HOFBRÄU

Mit einer Fläche von mehr als 5000 Quadratmetern ist das Hofbräu-Festzelt nach eigenen Angaben das zweitgrößte Festzelt auf der Wiesn - und wohl das lauteste. Schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, ist das Gröhlen aus dem Zelt auf dem ganzen Festplatz zu hören. Hier treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon aus dem Hofbräuhaus kennen - und lieben. Hier wird getrunken, getanzt, gesungen und geknutscht.

Für die Münchner: AUGUSTINER

Das Augustiner-Zelt liegt schräg gegenüber des Hofbräu-Zelts. Während auf der anderen Straßenseite Australier, Italiener und Japaner um die Wette trinken, feiern im Zelt der ältesten Münchner Brauerei vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. Zur Jubiläums-Wiesn bekommt das Augustiner-Zelt zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder einen 25 Meter hohen Turm.

Für die übrigen Bayern: ARMBRUSTSCHÜTZENZELT, SCHÜTZENFESTZELT und OCHSENBRATEREI

Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen-Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften ausgeschossen werden. Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. Zünftig geht es in der Ochsenbraterei zu. Ein großer Ochse am Spieß ist nicht nur die Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht.

Für Jeden: WINZERER FÄHNDL und LÖWENBRÄU-Festhalle

Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt, heißt es in der Löwenbräu-Festhalle. Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt «Löööööwenbrääääu» und zieht damit Einheimische und «Zuagroaste» gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. Das Winzerer Fähndl kommt in diesem Jahr in neuem Gewand daher. Zur Jubiläums-Wiesn leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät.

Für Biermuffel: Das WEINZELT

Auf dem größten Bierfest der Welt gibt es tatsächlich ein Festzelt, in dem das Bier nicht in Maß-Krügen ausgeschenkt wird: Im Weinzelt gibt es nur Paulaner-Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. «Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln», wirbt die Homepage. dpa