Reise
02. Oktober 2017

Deutschlands Bierland Franken Auf ein Bier nach Franken

Reisebericht: Deutschlands Bierland Franken | Auf ein Bier nach Franken

Das fränkische Bierland soll ein Ort sein, wo der Seele Flügel wachsen. Also mache ich mich auf den Weg ins Bierland Franken, auf weitaus mehr als nur ein Bier - von Jens Hoffmann.

An einem sonnigen Tag Anfang September setzte ich mich in den ICE Richtung Bayreuth. Mit jedem Kilometer verblasst auch ein Stück Alltag hinter mir und als ich schließlich aussteige, ist mein Kopf angenehm leer. Alles ist ruhig, ein sanfter Wind begrüsst mich und ich laufe hinaus in die Stadt.

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Nach dem Einchecken ging es los zum Mittagessen ins Restaurant "Oskar am Markt". Wunderbares Krenfleisch, Schäuferle mit Kloß, Salat und fränkische Würstchen, dazu ein Helles aus der Region. Es fängt gut an. Mit dem Taxi geht es zum Festspielhaus, in die Eremitage und ein Spaziergang durch die historische Parkanlage. Schade, dass diese Festpieltickets um die 300 € kosten und zudem auch schwer zu bekommen sind, denn ich fühle mich in der Wagner-Stadt pudelwohl und wäre gerne im nächsten Jahr dabei.

Dann geht es hinab in die faszinierende Welt der Katakomben von Bayreuth. Oben scheint die Sonne und wir fahren in den Untergrund. Diese zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert geschaffenen, verwinkelten Gänge unter der Stadt Bayreuth haben den Charme eines riesigen Bierkellers oder eines alten Tagebaubergwerks. Spannend, aber auch etwas skurril, sie wurden früher als Kühlkeller für Bier genutzt, im zweiten Weltkrieg zog sich die Bevölkerung während der Bombenangriffe hierher zurück.

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Danach stand die Besichtigung der Maisels Bier-Erlebnis-Welt mit dem umfangreichsten Biermuseum der Welt auf dem Programm. Nach dem Genuss eines leckeren Hefeweizens geht es zum Essen ins "Liebesbier". Das "Liebesbier" von Maisel ist so etwas wie das neue Herz der Craft Beer Industrie im Frankenland.

Die Franken trinken zwar meist ein Helles, Pils oder Weißbier. Hier wird jedoch etwas anders probiert. Auf einem Brett werden uns in kleinen Gläsern verschiedene Craft-Biere serviert. Man wagt sich an ungewöhnliche Biere, wie im szenigen BRLO in Berlin. Welcome home!

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Die Bandbreite der Aromen ist beeindruckend: von rauchig, schokoladig, fruchtig, blumig, trocken oder malzig. Hier regiert der Hopfen und bestimmt den Geschmack des Biers. Das Indian Pale und das Schokobier werden im Vergleich zu einem Standard-Pils mit einer riesigen Hopfenmenge gebraut. Man merkt, dass sich schon nach ein paar Stunden im Frankenland meine Bierkenntnisse multiplizieren.

Am nächsten Morgen zieht mich die Fränkische Schweiz mit ihren Hügeln, Burgen und Schlössern in ihren Bann. Wir gleiten durch anmutige Täler und freuen uns bei zahlreichen Stopps über die Dichte an Brauereien und leckerem Essen. Wer in die Fränkische Schweiz reist, muss den Sauerbraten oder Schäufele mit Kloß probieren: Ein Bier dazu und man ist glücklich.

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Die Natur und die Landschaft gibt es obendrauf. Schafkopf statt iPad. Digital detox und Rückbesinnung auf Traditionen findet man hier überall. Dann sind wir wieder unterwegs, die Burg Rabenstein streifen wir, Höhlen, felsige Anhöhen, Fachwerkdörfer.

Ein weiteres städtebauliches Kleinod, Pottenstein wartet auf mich. Hoch über dem Dorf thront die tausendjährige Burg, die älteste Festung der Fränkischen Schweiz auf steilem Fels. Man sieht hoch aufragende Kalksteinfelsen an denen sich Bergsteiger abseilen. Die historische Altstadt liegt idyllisch eingebettet zwischen Felsen. Ich gehe kurz in mich und stelle fest, dass die Fränkische Schweiz unbestritten eine zarte Laune der Natur ist.

Dann stehen schon wieder herrliche Nikl-Biere mit Gulasch, Spätzle und Bratwürsten auf dem Tisch. Ein feiner Genuss. Nach dem Essen sollte man einen schönen Brand oder Geist probieren. Zum Bespiel von der Edelbrennerei Haas. Die Brennerei Haas destilliert das bestes Obst zu den besten Schnäpsen. Ich erfahre das die Früchte, die gut genug sind für ihre leckeren Marmeladen, für den Brand noch lange nicht gut genug sind.

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Der über 100jährigen Tradition verpflichtet, gilt es als "Familiäres Reinheitsgebot" keinen Zucker zuzusetzen und nur naturbelassene Früchte zu verwenden. Die Geiste sind von besonders hoher Qualität. Die Früchte werden mit Alkohol vermengt und destilliert, man verwendet die 20-fache Menge an Früchten die gesetzlich vorgeschrieben. Nur so kommt das unvergleichlich fruchtige Aroma voll zur Geltung.

Brände sind besonders hochwertige Destillate. Die vollreifen Früchte werden durch den eigenen Fruchtzucker zur Gärung gebracht und dabei in Alkohol umgewandelt. Diese Maische wird in einer Kupferblase destilliert. Durch dieses Verfahren entsteht die hochwertige Qualität mit der Bezeichnung "Brand". Die Geschichten um die Region machen sie genauso berühmt, wie das Bier und der Genuss. Am nächsten Morgen lässt auch das Frühstück keine Wünsche offen. Obst, Wurst und Käse, Marmeladen und frische Landeier.

Reisebericht: Deutschlands Bierland Franken | Auf ein Bier nach Franken

Sitzt man in einem der Gasthäuser wähnt man sich in einer anderen Zeit. Die Biere sind naturbelassen und bei den Rohstoffen wird Wert auf Regionalität gelegt. Überall gilt der boomende Slogan "brutal, lokal". Auf der Speisekarte findet man nur traditionell fränkische Küche, frische Produkte der Saison aus der heimischen Landwirtschaft. Dann geht es leider schon zurück. Die Sonne scheint, der Wind schiebt mit leichter Brise zahllose Wolken vor sich her. Die Rückfahrt startet vom Bahnhof in Nürnberg. Wünsche? Nein, nicht wirklich. Ich glaube, meine Flügel wachsen schon.