Honza Klein unterwegs, REISE
07. Januar 2015

Reisebericht Kolumbien

Reisebericht | Kolumbien

Ein Besuch der einstigen Drogenhochburg Medellin und der umliegenden Kaffeeregion

Beim Klang so manches Stadtnahmen, kommt man automatisch auf eine Assoziation: Liebe - Paris, Rio - Carneval, New York - Wall Street, Venedig - Romantik. Und wie ist es mit dem kolumbianischen Medellin? Kartell und Drogen sind da sicherlich zwei Worte, die den meisten einfallen.

Gut eine Flugstunde von Bogota entfernt liegt die Stadt des ewigen Frühlings, wie Kolumbianer die Metropole nennen. Zwischen 1600 und 1800 Metern Höhe zieht sich die Stadt im Tal des Medellin Rivers umgeben von Bergen hin. Ein beeindruckender Anblick wenn man vom neuen Flughafen über die Berge kommende in die Stadt einfährt. Ein gigantisches Lichtermeer. So hat man das nicht erwartet.

Vorbei an edlen Wohnanlagen, Shoppingcentern geht es ins moderne Zentrum. Gerade am Wochenende bemerkt man in einigen Vierteln dabei das pulsierende Nachtleben. Zahlreiche Discotheken und Klubs, Restaurants und Bars ziehen Gäste an. War Medellin in den 80er Jahren die Stadt mit einer der höchsten Mordraten der Welt und als Hauptstadt des Drogenhandels bekannt, ist die Stadt inzwischen eines der sichersten Reiseziele Kolumbiens - von der Warnung vor den üblichen und wohl in jeder Großstadt vorhandenen Taschendieben gerade im belebten Zentrum mal abgesehen.

Doch vor allem das Zentrum Medellin bietet wohl eine der größten (und das ist nicht nur der Anzahl der Exponate geschuldet) Skulpturenausstellungen der Welt. Medellin ist die Geburtsstadt des Malers und Bildhauers Fernando Botero. An der Plazoleta des Esculturas stehen 23 seiner überdimensionalen Skulpturen, was dem Platz auch den Namen Plaza Botero eingebracht hat. Doch auch an anderen Orten der Stadt findet man Arbeiten des Künstlers.

Gut zu erreichen ist das Zentrum übrigens mit der modernen Metro, die sich. Sie zieht sich über mehr als 20 Kilometer durchs Tal und ist die einzige ihrer Art in ganz Kolumbien. Dies und noch einige andere in den vergangen Jahren durchgeführten Erneuerungen in der Stadt (neue Bibliothek, neues Verkehrskonzept etc.) brachten der Stadt den vom Wall Street Journal vergebenen Titel "Most innovated City" ein. Nun gut wenn man mehr oder weniger vom Niveau Null oder weniger kommt ist dies sicherlich eine relativierbare Auszeichnung. Beschreibt doch aber die Wandlung, die die Stadt seit dem Tod von Drogenboss Pablo Escobar 1993 durchläuft. Auf seinen Spuren gibt es schaurige Stadtführungen.

Einen eher gemächlichen Ausblick auf die 2,5 Millionen Einwohner zählende Stadt hat man bei einer Fahrt mit der von der Metro abzweigenden Seilbahn. Sie wurde zum einen angelegt, um die Armenviertel besser mit der Stadt zu verbinden und man erreicht den über der Stadt gelegenen Park Arvi. Ein ausgedehntes Naturschutzgebiet mit Seen und Wanderwegen, einem Hotel und einem sehenswerten Schmetterlingshaus. Ein schöner Kontrast zur Großstadt. Diese ist besonders in der Weihnachtszeit ein Anziehungspunkt für Gäste aus dem ganzen Land.

Wer schon immer einmal wissen wollte wie Weihnachtsbeleuchtung richtig geht, sollte Medellin im Dezember besuchen. Über fast 2 Kilometer ist der Fluss mit Lichterketten und verschiedenen Lichtobjekten (Schiffe, Fische...) überspannt und dekoriert. Mehr als 800 Kilometer Lichtschläuche mit etwa 30 Millionen Lampen werden dafür Jahr für Jahr ausgerollt. Abend für Abend ein beeindruckender Anblick. Um danach noch einen Drink zu nehmen und am nächsten Tag eine Tour ins Umland zu starten. Etwa ins gut 100 Kilometer entfernte Jardin. Wobei 100 Kilometer in dieser Region gut drei Stunden Autofahrt bedeuten. Keine besonders gute Straße und die Berglandschaft sorgen für diese Fahrzeit.

Es geht hinein in eine Gegend, die Kolumbien Wirtschaft bestimmt. "Wir sind ein Land nur wegen des Kaffees", erzählt Luis Eduardo Zapata. Der alte Herr betreibt in den Bergen unweit der Hauptstraße ein kleines Hotel und pflanzt Kaffee. Seit mehr als 200 Jahren macht seine Familie das. Sehr traditionell, alles in Handarbeit. Wer möchte kann bei ihm seinen eigenen Kaffeestrauch setzen und in gut drei Jahren wieder kommen um die ersten eigenen Bohnen zu ernten. Bis dahin zelebriert der alte Herr die Zubereitung des Getränks und man muss schon schmunzeln, wie er sich für Touristen ein wenig klischeehaft aber liebenswürdig kleidet.

Bei ihm fehlt dann auch nicht der Aquardiente, ein mit Ouzo oder Pernod zu vergleichendem Getränk. In Jardin angekommen steht bei vielen Gästen in einer der vielen Bars rings um den Marktplatz eine Flasche des Getränks auf dem Tisch. Ein liebenswürdiger Ort, der fast wie eine Filmkulisse wirkt. Wären da nicht die erwähnten vielen Bars aus denen Musik hallt, dutzende Menschen dafür, manchen reiten einfach mit ihrem Pferd zum bestellen, auf dem Platz bieten Händler das Obst der Region und allerlei Garküchen laden zu probieren. Farbenfroh reihen sich die Häuser um den Platz. Lateinamerika wie aus dem Bilderbuch. Erst weit, weit nach Mitternacht zieht ein wenig Ruhe ein.

Ein Bier kostet etwa einen Euro, der Kaffee am Marken 40 Cent. Überall in der Umgegend sieht man die Sträucher. Oft an steilen Hängen, wo man sich kaum vorstellen kann, wie dort jemals geerntet werden soll. Eine Kooperative kümmert sich um die Vermarktung der Ernte. So kommen auch die Bohnen für Nespresso aus dieser Gegend. Nun weiß man dass ein Kilo Nespresso etwa 80 Euro kostet, wenn man es mit der Menge vergleicht, die ein Kilo Bohnen ergibt. 2,50 bis 3 Euro bekommen die Bauern für ein Kilo.

Unweit von Jardin erstreckt sich dann ungestüme Berglandschaft. Von dort hat man einen guten Ausblick auf Jardin und kann mit dem Pferd oder Muli zur Cueva del Esplendor gelangen. Mitten im Bergwald gelegen, gelangt man auf einem Wanderweg zu einer Höhle in deren Mitten ein Fluss die Decke durchstoßen hat und nun als Wasserfall ins Innere stürzt. Ein beeindruckender Anblick und ein lautes Spektakel. Allerdings ist die Tour nicht ganz einfach. Wanderwege sind kaum ausgebaut, überhaupt ist eine touristische Infrastruktur kaum vorhanden. Zudem kann gerade auf dem Land fast niemand Englisch. Ein wenig Spanischkenntnisse oder zumindest ein gutes Übersetzungsprogramm auf dem iPhone sind also hilfreich. Kein Wunder dass der Tourismus da noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Potential indes hat die Region um Medellin. www.columbia.travel 

Bin dann mal wieder unterwegs