REISE
20. Mai 2009

Reisen und Trinkgeld geben

Wo ist was zu viel oder zu wenig: Wieviel Trinkgeld Sie im Urlaub geben sollten. Je weiter nördlich, umso geringer das Aufgeld

Trinkgeld ist im Urlaub eine Frage des guten Tons: Kaum jemand möchte protzen oder als geizig erscheinen - und kaum jemand will es sich auf Anhieb mit dem Barkeeper oder Zimmermädchen verscherzen. Viele Touristen sind sich aber unsicher, wie viel Trinkgeld an ihrem Ziel üblich ist. Hier eine Übersicht zu ungeschriebenen Gesetzen in beliebten Reiseländern:    

«Generell gilt: Der Aufschlag ist freiwillig und zusätzlich», erklärt Katharina Bauer vom ADAC in München. «Man gibt so viel, wie man mag und wie der Service wert war», sagt Marco Montini, Direktor bei der Italienischen Zentrale für Tourismus (ENIT) in Frankfurt. «Trinkgeld gibt man für persönliche Dienstleistungen», betont Ilknur Bodur, Kulturattachée der türkischen Botschaft in Berlin - es gibt also nichts extra für Fahrrad- oder Bootsverleiher, wohl aber für Wander- oder Stadtführer, Taxifahrer, Kofferträger und Zimmermädchen.

   Wander- und Stadtführer sollten ihr Trinkgeld abhängig von Einsatz und Fachkenntnis erhalten. «Da sammelt man in der Gruppe», empfiehlt Montini. Im Taxi wird in fast allen Ländern weltweit auf den vollen Betrag aufgerundet. Dem Kofferträger gibt man von Kopenhagen bis Kairo einheitlich etwa einen Euro pro Gepäckstück und dem Zimmermädchen einen Euro pro Tag. Barkeeper bekommen ebenfalls je nach Aufwand: Für den üppig dekorierten Cocktail ist es international anerkannt, einen oder zwei Euro springen lassen. «Gibt er bloß eine Flasche Cola raus, bekommt er kein Trinkgeld», erklärt Bodur.    

Laut ADAC gilt in allen anderen Fällen die Faustregel: «Je weiter nördlich in Europa, umso geringer das Aufgeld.» In Dänemark etwa ist Trinkgeld gänzlich unüblich, bestätigt Rainer Büchtmann von Visit Denmark in Hamburg. In Österreich, Frankreich und Spanien liegt man hingegen zum Beispiel in Restaurants mit fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags richtig. In Italien werden zehn Prozent erwartet, und in der Türkei würde man mit «nur fünf Prozent» negativ auffallen.    

Trinkgeld ist zwar ein Dankeschön nach dem Abschluss einer Tätigkeit. Doch bei längeren Aufenthalten empfiehlt sich oft ein Extra zwischendurch. «Gucken, wer regelmäßig kommt», empfiehlt Martina Bier vom Ägyptischen Fremdenverkehrsamt in Frankfurt.    

Außerhalb des Euroraums ist Trinkgeld in Euro oder US-Dollar gern gesehen. Allerdings sollte es dann ein Schein sein. «Münzen lassen sich nicht in Landeswährung umtauschen», erklärt Martina Bier. Da der Euro mit Fünf-Euro-Noten startet, empfehlen sich Ein-US-Dollar-Noten als Trinkgeldschein. Diese übergibt man zum Beispiel in Ägypten persönlich. In Frankreich, Spanien und der Türkei gehört es sich hingegen, das Trinkgeld auf dem Rechnungsteller oder Restauranttisch liegen zu lassen. Nur in Österreich und Italien kann man wie in Deutschland aufrunden und «Stimmt so!» oder «Va bene cosi!» sagen.    

In den USA wäre das bloße Aufrunden des Betrages ein Fauxpas: In den Vereinigten Staaten werden mindestens 15 Prozent des Netto-Rechnungsbetrages an Trinkgeld erwartet. «In einem guten Restaurant sind sogar 20 Prozent Minimum», erläutert Rita Hille, Präsidentin des in Frankfurt ansässigen Visit USA Commitee. «Selbst bei miesem Service wäre alles unter 10 Prozent eine Beleidigung.»    

Außerhalb der USA macht sich unbeliebt, wer bei Zahlungen per Kreditkarte den Rechnungsbetrag einfach um das Trinkgeld erhöht. Der ausgewiesene Betrag muss versteuert werden und kommt oft nicht beim Kellner an. «Lassen Sie lieber Bargeld liegen», raten die Experten.    

Auch wer als Urlauber Trinkgeld gibt, kann allerdings unangenehm auffallen. So bekommen etwa Flugbegleiter nichts. «Wir haben eine Dienstanweisung, dass wir nichts annehmen dürfen», erklärt Dagmar Fischer von der Flugbegleiter-Vereinigung KabineKlar in Kelsterbach (Hessen). Besteht ein Fluggast auf Trinkgeld, muss sie es spenden. Genauso verhält es sich mit Trinkgeld für Döner- und Fastfood-Verkäufer. «Ausnahme ist, wenn bei "Starbucks" oder "World of Pancake" ein Sparschwein steht», erläutert Rita Hille für die USA.

   Wieder anders ist es auch hier beim Urlaub in Ägypten: «Bakschisch wird da an jeder Ecke gefordert», sagt Martina Bier. Doch für nichts oder nur für Auskünfte nach dem Weg sollte man auch nichts geben. Den Servicekräfte in All-Inclusive-Anlagen hingegen gebührt ein Extra - aber nicht einzeln. «In allen Anlagen gibt es dafür Tip-Boxen», so Martina Bier. Diese Trinkgeld-Kästen stehen am Eingang aller Hotelbereiche, «vom Beachboy bis zum Oberkellner bekommt daraus jeder etwas ab.» (Nadia-Maria Chaar/dpa)   

«Coperto» und «Kuver» gehen nicht aufs Haus    

In vielen Urlaubsländern finden Touristen Posten wie «Coperto» in Italien und «Kuver» in der Türkei auf ihren Restaurantrechnungen. Damit wird eine Pauschale dafür bezahlt, dass der Tisch aufgemacht wird. «Trinkgeld gibt man zusätzlich», erklärt Ilknur Bodur von der türkischen Botschaft in Berlin. Auch «Service compris» - zu Deutsch «Bedienung enthalten» - auf einer französischen Rechnung sollte man nicht wörtlich nehmen. Was nach der Rechnung kommt, geht dagegen aufs Haus. Dafür gibt es nur ein Danke - am besten in Landessprache. Auch das Wasser und die Zeitung zum Kaffee in Österreich und Frankreich oder das Gratis-Brot und Oliven in Spanien kosten nichts extra.