WEIN
17. November 2009

Rekord für Hospize de Beaune

Rekord bei der Wein-Versteigerung in Beaune im Burgund

Der Docht erlosch, der Wein war verkauft: Die traditionelle Weinversteigerung in der französischen Weinstadt Beaune hat am Sonntag ein Rekordergebnis erreicht. Knapp 800 Fässer Spätburgunder und Chardonnay wurden am Sonntag für insgesamt mehr als fünf Millionen Euro versteigert, das beste Ergebnis seit neun Jahren. Im vergangenen Jahr waren es 2,8 Millionen Euro gewesen. «Im Saal herrschte beste Stimmung», sagte eine Sprecherin der Hospize von Beaune. Der französische Sänger und Schauspieler Patrick Bruel animierte das Publikum in dem historischen Saal, gemeinsam das Lied «Mon amour de St Jean» zu singen.    

Die größte Benefiz-Weinversteigerung weltweit gilt als Gradmesser für die Qualität des neuen Weins. Der Jahrgang 2009 gilt unter Winzern im Burgund schon jetzt als vielversprechend. Die günstigen Wetterbedingungen haben die Trauben gut reifen lassen. Bei der Weinlese musste nur wenig aussortiert werden. Der am Sonntag versteigerte Wein ist im Unterschied zum Beaujolais nouveau, der von diesem Donnerstag an angeboten wird, nicht zum sofortigen Genuss vorgesehen, sondern soll noch eine Weile in den Holzfässern reifen.

Traditionell werden die Fässer «bei Kerzenlicht» versteigert, was bedeutet, dass derjenige den Zuschlag erhält, bei dessen Gebot der Docht verlischt. Seit einigen Jahren gilt dies nur noch für die beiden «Fässer des Präsidenten», die für wohltätige Zwecke versteigert werden. In diesem Jahr kamen 81 000 Euro zusammen, die unter anderem an die Obdachlosenhilfe «Restos du coeur» gehen.    

Die Fässer, die jeweils 228 Liter enthalten, haben schon Höchstpreise von bis zu 200 000 Euro erzielt - was sich allerdings nicht nur mit der Qualität des jungen Weins, sondern eher durch das Prestige erklärt. Ein in Beaune ersteigertes Fass gilt unter Weinkennern immer noch als etwas Besonderes.

Im vergangenen Jahr waren bei der Versteigerung lediglich 2,8 Millionen Euro zusammengekommen. Der Erlös geht an die Hospize von Beaune, die auf eine Stiftung im 15. Jahrhundert zurückgehen. Der burgundische Herzog Nicolas Rolin gründete damals ein Krankenhaus für die Armen. Zahlreiche Einwohner von Beaune unterstützten sein Werk, in dem sie ihm ihre Weinberge vermachten. Heute besitzen die Hospize von Beaune noch etwa 60 Hektar in besten Lagen. Auf etwa 50 Hektar wächst blauer Spätburgunder, auf den übrigen heller Chardonnay.    

Mit den Einnahmen wird sowohl ein modernes Krankenhaus als auch den Erhalt des ursprünglichen Gebäudes finanziert. Die Anlage im spätgotischen Stil mit ihrem bunten Ziegeldach zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Region. Erhalten hat sich auch ein Altarbild des flämischen Meistes Rogier van der Weyden, das das Jüngste Gericht zeigt. Es hing ursprünglich im Krankensaal und sollte die Patienten an die Existenz von Paradies und Hölle erinnern. (Ulrike Koltermann, dpa)