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01. Juli 2010

Restaurant Horvath in Berlin reloaded

copyright Restaurant Horvath

Perfekter Neustart des Restaurants Horvath mit Küchenchef Sebastian Frank

Edith Berlinger hat es sich verdient. Nach der Trennung von Spitzenkoch Wolfgang Müller steuerte das Horvath in schwerem Wasser. Die Phase der Unsicherheit ist vorbei: Ein österreichischer Küchenchef hat seit Mai angeheuert und er hat Großes vor, wie schon seine Vita zeigt.

Sebastian Frank besetzte im 2-Sterne-Restaurant Steirereck in Wien die Position des Chef Garde Manger, zuletzt holte er als Souschef 17 Punkte Gault Millau im Interalpen Hotel Tyrol. Im Gault Millau Restaurantführer wurde er zum Newcomer des Jahres 2008 gekürt.

Das lässt aufhorchen. Der 28jährige hat die österreichische Esskultur im Blut: "Ich versuche mit Hilfe von modernen Kochtechniken diese neu zu interpretieren, ohne dabei das Produkt in seiner Natürlichkeit zu beeinflussen oder meine Herkunft, die sich in meinen Gerichten spiegelt, zu verfälschen."

Sagt der Bub und kommt der Liebe wegen nach Berlin. In die Stadt, die schon immer ein Herz für österreichische Gourmet-Küche und -Köche hatte.

Die Weiße Tomatensuppe mit Olivenölpudding ist ein wunderbarer Start. Dann kommen Felchenfilet mit Sauerrahmtarte und Paradeisersalat, Kaninchen mit Passionsfrucht und Petersilienwurzel. Beides schöne Gänge, die uns aber nicht überzeugen.

Erst beim Stubenküken mit pochiertem Ei und Champignoncreme wachen wir auf: erstaunliche Aromen, gezielter Säureeinsatz, alles sehr präzise gearbeitet.

Dann ein dreifacher Glockenschlag: Steinbutt mit Avocado, Gurke und gebackenen Froschschenkeln, ein extrem leichter, geradezu transzendenter Gang, der beeindruckt. Genau wie der Eintopf von Flusskrebsen und Kalb mit Erbsen und geräuchertem Aal. Ein Gang zum noch einmal essen. Und noch mal.

Der Rücken und Schulter vom Lamm mit Marillen - Estragonschnitte und Pfifferlingen ist sämig und lecker, eine elegante Bodenständigkeit, wie der Topfenknödel mit Kürbiskernöl und Halbgefrorenem vom Lavendelhonig. Eine Bodenständigkeit mit ungeheure Leichtigkeit, die den Gast einzelne Geschmacksnuancen wahrnehmen und die Komplexität der Gerichte verstehen lässt.

Oder einfacher ausgedrückt: Steinbutt, Eintopf und Lamm hatten Sterne-Niveau. Das Amuse bouche Überraschungsmenü kostet in 5 Gängen 43 Euro, in 7 Gängen 57 Euro.

Es bietet damit derzeit das beste Preis-Genuss-Verhältnis auf Gourmet-Niveau in Berlin. Chapeau!

Nicht zu vergessen der aufmerksame und herzliche Service!

Was für ein gelungener Neustart in der Berliner Gastro-Szene! Dafür wurde Sebastian Frank auch gleich als Aufsteiger des Jahres 2010 bei den Berliner Meisterköchen nominiert, der Michelin wird ihm wohl einen Bib-Gourmand verleihen.

Wir wünschen Edith Berlinger, dass der Neue ihr lange erhalten bleibt! Vor allem, da das Horvath durch die angenehme Terrasse im Sommer ein ideales Open Air Restaurant am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg ist, jetzt auch noch neu möbliert. Und im Winter strahlt es durch das viele Holz im Innenraum ausreichend Wärme aus.

Demnächst eröffnet die Berlinger und Dietmar Schweitzer übrigens ein Lounge-Cafe-Restaurant an der Oberbaumbrücke, direkt am Spreeufer. Es heißt Rio Grande oder anders.

Restaurant Horváth, Paul-Lincke-Ufer 44a, 10999 Berlin, Dienstag bis Sonntag von 18 Uhr bis 1 Uhr, Tel: 030/61 28 99 92, www.restaurant-horvath.de