RESTAURANTS
05. November 2009

Restaurant Vivaldi im Schlosshotel Berlin reloaded

Das Schlosshotel im Grunewald zeigt Flagge: Nachdem es über 2 Jahre in der Versenkung verschwunden war, bitten die charmante neue Direktorin Tania Saez de Guinoa und Chefkoch Jens Rittmeyer die Berliner wieder in das Hotel im Grunewald

Selten hatte man erlebt, dass ein Hotel so spurlos im Bermuda-Dreieck aus Arroganz, Unfähigkeit und Ahnungslosigkeit verschwinden kann. Das Schlosshotel unter Führung der spanischen Alma-Gruppe war nach der Übernahme zunächst komplett vom Genuss-Radar verschwunden.

Oder kann man es anders bezeichnen, wenn ein überforderter Manager kurz nach der damaligen Übernahme - da war Uta Felgner noch kurzfristig Direktorin - sinngemäß und sinnfrei vor Journalisten verkündet: "Wir machen hier jetzt 2 Sterne statt nur einem im Restaurant". Punkt. Und kürzt im selben Atemzug das Personal gut um die Hälfte! Die Gastro-Experten bogen sich vor Lachen und klopften sich auf die Schenkel.

Schwamm drüber. Einen Michelin-Stern könnten sie bald wieder haben im gerade erst wieder eröffneten Restaurant Vivaldi. Der Chefkoch dreht auf und kann auf erstklassige Referenzen verweisen: Jens Rittmeyer hatte als Stationen das Victorian in Düsseldorf und das Restaurant Dieter Müller. Im Restaurant São Gabriel im portugiesischen Almancil an der Algarve hielt er über Jahre hinweg einen Michelin-Stern.

Das dezent und beschwingt renovierte Vivaldi bietet nun drei Menüs: Gourmet, regional und ein vegetarisches. Unser Salat von Wurzelgemüsen mit Chardonnay-Essig und Arganöl war extrem frisch, nichts schlapp oder pampig - ja, an den Salaten und Gemüsen erkennt ihr die wahren Künstler unter den Köchen! Der Salat mit vielen Wildkräutern war knackig und lecker, selten so konsequent vegetarisch genossen.

Die Spinatsuppe mit Trüffel und Wachtelei kam herrlich aromatisch, einzig die Temperatur hätte etwas höher sein können. Der gegrillte Steinbutt mit Kürbis, kleingeschnittenen Schweineohren und Kopfsalat ist ein typischer Gang, wie man ihn an der Algarve oder in Südspanien bekommt: der Fisch perfekt auf dem Punkt, eine herrliche Kombination. Allein der Kopfsalat hätte noch ein wenig mehr in den Vordergrund gehört.

Der Müritz-Waller mit Perlgraupen, Chorizo und Bohnenkraut setzte dem Essen das i-Tüpfelchen auf. Und der Bio-Riesling dazu von Battenfeld-Spanier aus Rheinhessen passte wie angegossen. Die erstklassigen Mini Amuse bouche zu Beginn und die Dessert-Grüße zum Schluss schlossen den Kreis. Die Preise wurden übrigens leicht nach unten korrigiert (Menü für 65 bis 110 Euro).

Fazit: ein rundum gelungener Neustart von Tania Saez de Guinoa und Jens Rittmeyer, das Vivaldi ist auf Sterne-Kurs. Das Restaurant müssen Michelin und Gault Millau im kommenden Jahr näher unter die Lupe nehmen.

Die Berliner sind wieder Willkommen und können beruhigt in ihr glänzendes Schlosshotel in den Grunewald zurückkehren - sogar die legendäre Tea-Time aus alten Zeiten soll wieder aufleben.

Schlosshotel im Grunewald, Brahmsstraße 10, 14193 Berlin, Tel: +49 (0)30/895 84-0,  www.schlosshotelberlin.com

Restaurant Vivaldi mit Wintergarten copyright Schlosshotel/Alma, Jens Rittmeyer Foto: Rothenberger