Restaurants
12. März 2015

Restaurants in Köln Wo Niedecken spielt und Biolek speist

Köln ist keine Stadt, die sich auf den ersten Blick erschließt. Man braucht einen Einheimischen, um die wirklich netten Ecken zu finden. Am besten gleich Wolfgang Niedecken, Alfred Biolek und Alice Schwarzer

Von Christoph Driessen

Köln ist keine Schönheit wie Hamburg oder München und erst recht keine Weltstadt wie Berlin. Und doch gelten die Kölner als die größten Lokalpatrioten. Karnevalslieder wie «Viva Colonia» und «Hey Kölle - Du bes e Jeföhl» bezeugen das. Um sich den Charme der Millionenstadt zu erschließen, ist man hier mehr noch als an anderen Orten auf die Tipps von Einheimischen angewiesen.

Alfred Biolek (80) erinnert sich noch an die erste Reaktion seiner Mutter, als er ihr Anfang der 70er Jahre erzählte, dass er aus beruflichen Gründen von München nach Köln ziehen werde. «Da ist es doch kein bissele schön!», warnte sie ihn. Und doch hat sich Biolek von Anfang an wohlgefühlt: «Es ist eine offene Stadt, sie schließt niemanden aus. In München gehört lang nicht jeder mit dazu. In Köln schon.»

Biolek wohnt im Belgischen Viertel, dem Genießerviertel von Köln voller Restaurants, Straßencafés und origineller kleiner Läden. Der ehemalige «alfredissimo!»-Moderator empfiehlt unter anderem sein Stammlokal «Acht». Auch die Tapas-Bar «Ouzeria» schätzt er, und seinen Milchkaffee trinkt «Bio» bevorzugt im Café-Restaurant «Stadtgarten», das er von seiner Wohnung aus sehen kann. Der Stadtgarten ist Kölns älteste Parkanlage voller knorriger Baumriesen.

Überquert man vom Belgischen Viertel aus die Innere Kanalstraße - eine der berüchtigten Schnellstraßen, die Köln überall durchschneiden - kommt man ins Multikulti-Viertel Ehrenfeld. Es ist schon von weitem an der mächtigen Kuppel der Zentralmoschee zu erkennen. Dies ist die Heimat von Günter Wallraff. Keine hundert Meter von seiner Wohnung entfernt pocht Ehrenfelds Hauptschlagader, die Venloer Straße. Tagsüber droht hier ständig der Verkehrsinfarkt: Autos parken in der zweiten Reihe, Lieferwagen blockieren den Radweg. Doch mitten in diesem Chaos sieht man Cafébesucher seelenruhig am Straßenrand sitzen, Tee trinken und das Gesicht in die Sonne halten. Diese relaxte Grundhaltung ist typisch für Ehrenfeld.

Günter Wallraff kennt hier jede Ecke. Da ist die über 40 Jahre alte Taverne «Alekos», dem Vernehmen nach Kölns ältester Grieche. Da ist die Traditionsgaststätte «Haus Scholzen», wo man Wochen im Voraus buchen muss. Und da ist das Weinhaus «Secco», in dem Wallraff seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. «Streng genommen bin ich kein Kölner, sondern Ehrenfelder», stellt der Enthüllungsjournalist klar. «Hier sind Zugewanderte aus allen möglichen Kulturen. Und: Es gelingt. In den Schulen wachsen die Kinder zusammen auf.»

Was für Wallraff die Venloer Straße, ist für Wolfgang Niedecken (63) die Severinstraße - ein uralter römischer Ausfallweg, der heute das Herz der Kölner Südstadt bildet. In dieser viel besungenen, urkölschen Straße ist für den BAP-Sänger fast jedes Haus mit einer Kindheitserinnerung verknüpft. Vor dem Eckhaus Severinstraße 1 - direkt gegenüber dem mittelalterlichen Stadttor - deutet er auf das Fenster ganz links in der zweiten Etage: «Da bin ich aufgewachsen, ich hatte hinten das letzte Zimmer.» Im Erdgeschoss betrieb sein Vater Josef ein Lebensmittelgeschäft.

Zwischen den Ständen eines Bauernmarktes schaut er an der spitztürmigen Severinskirche empor, einer der zwölf wunderschönen romanischen Kirchen der Stadt: Dort ist er getauft worden, zur Kommunion gegangen und Messdiener gewesen. Niedecken mag ihn, den «Dorfzustand hier», der auch für andere Kölner «Veedel» so typisch ist.

Die Anfänge von BAP sind mit dem Namen «Chlodwig-Eck» in der Annostraße 1-3 verbunden. Hier gaben sie ihre ersten Konzerte, feierten ihre Plattenerfolge. «Ja», sagt Niedecken, «ich weiß schon, wo ich hingehör.»

Viele Köln-Besucher wollen ein richtiges Brauhaus erleben - dafür ist die Kölsch-Stadt schließlich weithin bekannt. Eines der ursprünglichsten ist das «Päffgen» in der Friesenstraße. Dort hatte Alice Schwarzer - Wahl-Kölnerin seit 1976 - ein Erlebnis der besonderen Art mit der französischen Philosophin Simone de Beauvoir: Der Gast aus Paris hatte rheinischen Sauerbraten bestellt, aber nach einer Stunde stand immer noch nichts auf dem Tisch.

Schwarzer ging in die Küche: «Sagt mal Leute, was ist denn los?» Die Antwort: «Der Koch ist besoffen!» Madame de Beauvoir bekam einen Lachanfall. Und Schwarzer schätzt bis heute «die selbstverständliche Offenheit der Kölner, die Herzlichkeit der Begegnung, die Selbstironie».

Nach so viel Kölschem mag einem der Sinn nach einer eher international gefärbten Location stehen. Ideal wäre dann das Kino «Metropolis», das alle Filme im Original zeigt. Hier trifft sich Kölns beachtliche englischsprachige Exil-Gemeinde.

Und vielleicht begegnet man sogar Charlotte Roche (36), die das Kino als gebürtige Britin zu schätzen weiß. Das angrenzende Agnesviertel ist ein Schmuckstück mit vielen Gründerzeitfassaden und urgemütlichen Bars und Cafés. Die Autorin von «Feuchtgebiete» will jedenfalls nie mehr da weg. Als sie vor einiger Zeit auf dem Amt gefragt wurde, ob ihre Adresse noch stimme, hat sie geantwortet: «Ja. Und das bleibt auch so. Für immer.» dpa

Tipp:

Die erwähnten Orte liegen in den reizvollsten Kölner Vierteln, die sich alle außerhalb des Zentrums befinden. Von den Adressen aus am besten einfach losbummeln - es kann gar nicht schiefgehen. 

Informationen: Köln Tourismus, Kardinal-Höffner-Platz 1, 50667 Köln, Tel: +49/221/346 430, koelntourismus.de