REISE
27. August 2010

Restaurants und Michelinsterne rund um den Tegernsee

Vier Michelin-Sterne strahlen über dem Tegernsee zwischen München und Österreich: Christian Jürgens hat in Rottach-Egern im Seehotel Überfahrt zwei davon

Essen und Trinken hat am Tegernsee Tradition: «Wer dort noch nicht eine Maß - oder mehr - getrunken hat, der hat noch nicht einmal die niederen Weihen als Kenner bairischer Lebensart empfangen», schrieb der bayrische Dichter Eugen Roth über das «Herzogliche Bräustüberl» in Tegernsee.

Mit einem Benediktinerkloster fing im 8. Jahrhundert alles an. 1675 erhielten die Mönche das Braurecht, und wegen des süffigen Biers kommen die Gäste heute noch. Daneben locken Weißwurst, Schweinshaxe, Bierbratl oder Fisch, aber auch Süßspeisen wie Palatschinken oder Apfelkücherl stehen auf der Karte.    

Jeden Tag, vom frühen Morgen bis zum späten Abend, sind die Plätze unterm Gewölbe bei Einheimischen und Urlaubern begehrt, und bei schönem Wetter sitzt man auf der Terrasse mit Seeblick. Qualität und Preis stimmen - kaum ein Gericht kostet mehr als zehn Euro. «Das Schöne ist die kulinarische Vielfalt, die wir am Tegernsee haben», erzählt Sandra Weiß von Tegernseer Tal Tourismus. «Das Angebot reicht vom lauschigen Biergarten über bewirtschaftete Almen bis hin zu guten Restaurants mit gehobener regionaler Küche.» Auch Gourmets kommen auf ihre Kosten: Immerhin vier Michelin-Sterne strahlen über dem See.

Gleich zwei davon hat sich Christian Jürgens erkocht. «Sein Refugium liegt drüben in Rottach-Egern im Seehotel Überfahrt», sagt Weiß. Fährschiffer gaben der «Überfahrt» ihren Namen, noch immer fährt Tag für Tag ein Ruderer zur Anlagestelle des Hotels und bringt Gäste ans Ufer der Egerner Bucht. Den Rahmen für das ganz besondere Gourmeterlebnis bei Jürgens bilden mit Hirschleder bezogene Wände und großformatige Schwarzweißfotografien mit Tegernseer Herbst- und Winterlandschaften.    

Schon ein Klassiker auf der Speisekarte ist die Kartoffelkiste: ein mit flüssigem Ei gefüllter Kartoffelwürfel mit Perigord-Trüffelmousseline. Gern verwendet Jürgens Fleisch vom Biobauern, frisches Gemüse, das auf den Feldern ringsum wächst, und Forellen, die im Tegernsee gefischt oder fangfrisch von der «Herzoglichen Fischzucht» in Kreuth bezogen werden.    

Wer mag, kann die Fische, frisch geräuchert, auch gleich vor Ort an den Fischteichen in Wildbad Kreuth probieren. «Bei schönem Wetter kommen viele Wanderer und Radfahrer und machen bei uns Station», sagt Dominik Blees, ein gelernter Fischwirt, der sich um die Aufzucht der Forellen, Renken und Saiblinge kümmert: «Jeden Vormittag gibt's frisch mit Buchenholz geräucherten Fisch.» Am besten schmecke er, wenn er noch leicht warm aus dem Räucherofen kommt. Wer will, bekommt auch einen Fisch seiner Wahl direkt aus dem Teich zum Mitnehmen.    

Blees greift dann zu einem Kescher, zieht ihn durchs Wasser und präsentiert einem älteren Herrn aus Kreuth die zappelnde Pracht im Netz. «Diese beiden da hätte ich gern», sagt der und zeigt auf zwei Forellen. Seine Frau wird sie heute Abend auf der Terrasse grillen. «Probieren Sie auch mal einen Steckerlfisch, da werden Sie staunen», empfiehlt der Herr Urlaubern aus Norddeutschland. «Am besten schmeckt er bei den zahlreichen Waldfesten, die den ganzen Sommer rund um den Tegernsee gefeiert werden.»    

Diese Feste sind für den Tegernsee das, was das Oktoberfest für die Münchner ist. Einheimische und Gäste sitzen gemeinsam an langen Tischen bei einer zünftigen Brotzeit, zu der Haxn, Hendl, Brezen und natürlich eine frische Maß Tegernseer Bier gehören. Und der Steckerlfisch eben. Zumeist sind es Forellen oder Saiblinge, die auf dem Holzkohlegrill landen. Zuvor werden die ganzen, ausgenommenen Fische mit einer Marinade aus Öl, Gewürzen und Knoblauch eingestrichen und auf gewässerte Holzstäbe gespießt. Gegessen wird er oft auf dem Papier, in dem er nach dem Grillen eingepackt wurde.    

Kreuth ist auch Ausgangspunkt vieler Wanderungen. Sie führen entlang der Weißach und zur Wolfsschlucht. Unterwegs bietet die Almwirtschaft Siebenhütten die Möglichkeit zur Rast. Schon am Vormittag duftet es verführerisch aus der urigen Holzhütte. «Ich habe gerade den Kuchen aus dem Backofen geholt. Der ist für die Kaffeegäste am Nachmittag bestimmt, doch probieren dürfen Sie jetzt schon ein kleines Stück», sagt die Wirtin. «Und gehen Sie mal zum Max Hagn in die Enzianhütte», rät sie. «Der hat auch tollen Kuchen und feine Torten.»    

Die im Ortsteil Enterrottach gelegene Blockhütte ist ein Geheimtipp. «Angefangen hat alles vor über 100 Jahren, als meine Urgroßmutter selbstgebrannten Schnaps ausschenkte», erzählt Maximilian Hagn, der die Familientradition weiterführt. «Später gab's einfache Brotzeiten und den hauseigenen Gebirgsenzian in Flaschen abgefüllt zum Mitnehmen. Im Laufe der Jahre entstand so aus der Brennerei ein Restaurant», sagt Hagn. Heute bietet das gemütliche Lokal auch selbstgemachten Kuchen und feine Schokoladen an.

Besonders beliebt sind die mit Bierbrand gefüllten und mit weiß-blauen Rauten verzierten Pralinen. Die werden gern als Mitbringsel genommen. In den Regalen stehen auch heimischer Honig und die eleganten Flaschen mit Slyrs-Whisky vom benachbarten Schliersee. Die Destillerie kann ebenso besichtigt werden wie die gerade eröffnete Naturkäserei in Kreuth, in der sich Milchbauern zusammengeschlossen haben, um hochwertige Käsesorten eigenständig zu vermarkten.    

«Den Kaiserschmarren vom Ertl Georg kennt man in ganz Deutschland», hat Sandra Weiß versichert. Serviert wird er in 900 Meter Höhe am Fuß des Hirschbergs, dem Hausberg von Kreuth. Doch im Almgasthof «Café Aibl» schmeckt auch das Wild vorzüglich. Es ist immer frisch, schließlich kommt es aus der eigenen Jagd. Und zur Verdauung genehmigt man sich einen Schnaps aus der hauseigenen Brennerei und schaut zufrieden ins Tal und auf die Kreuther Bergwelt. (Detlef Berg, dpa)   

Informationen: Tegernseer Tal Tourismus, Hauptstraße 2, 83684 Tegernsee, Tel: 08022/92 73 80, www.tegernsee.com