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29. September 2009

Riesling-Lese beginnt im Rheingau

Im Rheingau setzt die Riesling-Lese ein - auch rheinhessische Winzer rechnen mit gutem Jahrgang

In den nächsten drei bis vier Tagen werde es richtig losgehen, sagte der Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes in Eltville, Klaus-Peter Keßler. Derzeit werde verstärkt Spätburgunder gelesen. Der habe bereits Mostgewichte von 95 bis 100 Grad Oechsle. Beim Riesling seien bisher 85 bis 86 Grad gemessen worden. Die Trauben seien insgesamt noch sehr gesund. Nur vereinzelt gebe es etwas Pilzbefall.

Die Winzer hoffen auf eine Fortsetzung des ruhigen und vor allem trockenen Wetters. «Wenn es nicht regnet, ist es gut», sagte Keßler. Sonnenschein sei schön, «aber mit einem bedeckten Himmel muss man auch mal vorlieb nehmen». Während die Oechsle-Grade Hoffnungen auf einen qualitätvollen Jahrgang wecken, wird die Erntemenge in diesem Herbst deutlich unter dem Vorjahr liegen. Keßler schätzt den Rückgang auf 10 bis 20 Prozent.

Der Zeitpunkt der Lese ist gemessen an den vergangenen Jahren normal. Früher - vor 30 und 40 Jahren - wurde allerdings erst Ende Oktober/Anfang November gelesen, berichtete der Präsident des Weinbauverbandes. Die frühere Lese habe etwas mit dem Klimawandel zu tun, aber auch mit modernen Spritzmitteln gegen Pflanzenkrankheiten: Damals seien dafür kupferhaltige Mittel eingesetzt worden, die auch das Wachstum der Pflanzen gebremst hätten. Die modernen Mittel seien viel besser.

An der Bergstraße hatte bereits vor gut zwei Wochen die Weinlese begonnen. Gelesen wurde die Sorte Müller-Thurgau, die früher reift als der Riesling. Die Winzer an der Bergstraße erwarten wegen des guten Wetters in diesem Herbst einen sehr guten Jahrgang. Auch sie rechnen aber mit einer geringeren Erntemenge; das Minus dürfte etwa zehn Prozent betragen. Die Winzer an der Bergstraße bewirtschaften eine Fläche von 263 Hektar. Davon liegen 222 Hektar an der hessischen und 41 Hektar an der badischen Bergstraße.

Im Rheingau bauen 927 Betriebe auf einer Fläche von zusammen 3125 Hektar Wein an. Auf knapp 79 Prozent der Fläche wächst Riesling und auf gut zwölf Prozent Spätburgunder. Frühe Sorten wie Müller-Thurgau gibt es nur auf kleinen Flächen.

Auch die Winzer im größten deutschen Weinbaugebiet Rheinhessen rechnen wegen günstiger Wetterbedingungen für die Reben im Sommer mit einem sehr guten Jahrgang 2009. Im Vergleich zu den Vorjahren werde die Erntemenge jedoch deutlich geringer ausfallen, teilte der Rheinhessische Weinwirtschaftsrat am Dienstag in Oppenheim (Kreis Mainz-Bingen) mit. «Durch das stabile Wetter stellen wir einen ruhigen Leseverlauf fest, der aufgrund der vergleichsweise niedrigen Erntemenge relativ entspannt verläuft», sagte der Vorsitzende Wolfgang Trautwein laut Mitteilung.

Die Weinlese in Rheinhessen habe inzwischen alle Gemeinden des Gebietes erreicht. Derzeit werden Hauptrebsorten wie Müller-Thurgau und Silvaner geerntet. Nach einem recht kalten Winter gab es einen frühen Austrieb und eine frühe Blüte. Der Sommer sei mit der abwechslungsreichen Witterung, ausreichend Regen und ohne große Hitzeperioden für die Aromenbildung in den Trauben nahezu optimal verlaufen. dpa

Oechsle-Grade geben Auskunft über die Mostqualität

Die Oechsle-Grade geben Auskunft über die Inhaltsstoffe des Weimmostes und damit über seine Qualität. Sie beziffern das sogenannte Mostgewicht, das vor allem vom Zucker im Most bestimmt wird. Den bilden die Beeren beim Reifen; später ist der Zucker beim Gären für den künftigen Alkoholgehalt des Weines von entscheidender Bedeutung.

Aber auch andere Inhaltsstoffe wie Säuren und Mineralien tragen zum Mostgewicht bei. Der Name geht auf den Goldschmied Ferdinand Oechsle (1774-1852) zurück. Er gilt als Erfinder der Mostwaage, mit der die Dichte des Mostes bestimmt werden kann, obwohl eine solche Waage bereits von dem 1790 gestorbenen Erfinder Philipp Mathäus Hahn entwickelt worden war.

Oechsle erwarb sich vor allem große Verdienste um die Verbreitung und Fortentwicklung des Messinstrumentes. Inzwischen werden Oechslegrade meist mit einem Refraktometer gemessen, das die Dichte einer Flüssigkeit anhand der Brechung des Lichts bestimmen kann.