Wein
26. Mai 2014

Riesling: "Neue Welt" macht deutschen Winzern Konkurrenz

Das weltweite Riesling-Comeback hat deutschen Spitzenwinzern zu lukrativen Exporten verholfen. Doch man wolle dem schnellen Geld widerstehen, heißt es auf dem Internationalen Riesling Symposium. Zugleich wird die Konkurrenz aus Übersee stärker

Von Thomas Maier

Deutsche Rieslinge, die in Spitzenrestaurants in New York oder Tokio kredenzt werden: Noch vor einigen Jahren hätte das kaum jemand zu träumen gewagt. Auf dem Internationalen Riesling-Symposium in Eltville präsentieren sich am Montag die Top-Erzeuger des Landes daher selbstbewusst. Doch die weltweite Riesling-Renaissance hat durchaus ihre Risiken, wie Wilhelm Weil vom Verband der Prädikatsweingüter (VDP) weiß.

"Wir wollen auf keinen Fall modisch sein", sagt der Rheingau-Winzer - und hat das warnende Beispiel des Chardonnay vor Augen. Als in den 1980er Jahren die Weißweintraube weltweit in Mode kam, verfiel auch die Qualität. Zu viele wollten mit dem Chardonnay das schnelle Geld machen. Der Riesling dürfe nicht "kopierbar" und "kommerzialisiert" werden, verlangt Weil.

Dafür gibt es schon deshalb gute Chancen, da weltweit viel weniger Riesling als Chardonnay angebaut wird. Mit weniger als einem Prozent an der weltweiten Rebfläche ist der Riesling ein echtes Nischenprodukt. Deutschland baut zwar immer noch fast die Hälfte des globalen Rieslings an. Dahinter folgen inzwischen aber die Produzenten aus der "Neuen Welt": Australien und die USA. Von dort aus nahm die Riesling-Renaissance auch ihren Ausgang.

Für Deutschlands Winzer bedeutet dies auch, dass die Konkurrenz auf dem Weltmarkt wächst. Was die Qualität angeht, stehen viele Rieslinge aus Übersee den deutschen Produkten nicht mehr nach, wie der Weinpublizist Stuart Pigott auf der Tagung berichtet. "Diese Weine haben Säure und sind von großer Feinheit", weist er gängige Vorurteile zurück. Erstaunlich ist für ihn, dass die mit besten Riesling-Weine Neuseelands praktisch in der Wüste produziert werden.

Der Riesling braucht also nicht unbedingt kühle Klimazonen. Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Klima und der Qualität des Rieslings gebe es nicht, meint auch Hans Reiner Schultz, Professor an der renommierten Weinbau-Hochschule im Rheingau-Ort Geisenheim. Hinzu kommt, dass sich die Weinanbau-Gebiete in Deutschland und anderen Ländern durch den Klimawandel erwärmen.

Die Kellertechnik dürfte also auch beim Riesling immer wichtiger werden. Und auch beim Marketing haben die Winzer trotz aller jüngsten Erfolge Nachholbedarf. Der Verbraucher sei beim Riesling wegen des Restzuckergehaltes des Weins immer noch oft verunsichert, sagt Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreichischen Wein Marketing GmbH.

Während in Europa derzeit der trockene Riesling alles dominiert, wird in den USA der Riesling immer noch oft mit dem "Zuckerwasser" identifiziert, das dort in 1960er Jahren als "Liebfrauenmilch" verramscht wurde.

Um die Konsumenten besser aufzuklären, kommt aus den USA von der International Riesling Foundation gerade wieder eine neue Initiative: Künftig sollen alle Rieslinge auf dem Etikett als "dry", "medium dry", "medium sweet" oder "sweet" eingestuft werden. Schon 26 Millionen Flaschen tragen in den USA dort dieses neue Kennzeichnungssystem.

VDP-Winzer Weil findet diese Orientierung am Geschmackseindruck des Weins gar nicht schlecht, wie er sagt. In Deutschland gebe es mit "trocken", "halbtrocken", "feinherb" und "edelsüß" eine vergleichbare Einteilung. dpa

Mehr zum Weingut Weil

Mehr zum Internationalen Riesling Symposium

Hinten links der Turmberg, festgehalten von Axel Biesler