01. September 2009

Robinson Crusoe auf Luxus-Wellnessurlaub

Fotos: Six Senses

Eine Insel, auf der es nur um eine Sache geht: Auf Yaka Nai in Thailand dreht sich im Destination Spa von Six Senses alles um Gesundheit und Wohlbefinden

"Wir wissen aus der Ayurvedischen Lehre, dass ein Drittel des Heilprozess bei einem Menschen durch die Natur passiert, in der er lebt und die er sieht." Sonu Shivdasani, der diese Worte gelassen ausspricht, sitzt dem Connaisseur im noblen Dorchester Hotel in London gegenüber. Shivdasani gründete 1995 das Unternehmen Six Senses gemeinsam mit seiner Frau Eva, einem schwedischen Ex-Model, für das Management und die Entwicklung von Resorts und Spas.

Heute gehören 26 Resorts und über 40 Spas weltweit zur Gruppe. "Für Hotels, im speziellen Hotels, die sich ganzheitlich mit dem Thema Gesundheit und Nachhaltigkeit beschäftigen, ist es enorm wichtig, wie man mit der Natur umgeht. Wie man sie in das Hotel einbringen kann, was der Gast von der Natur sieht und sie nutzen kann, ohne die Ressourcen zu gefährden."

Der Grund, warum Shivdasani so weit ausholt: Er lud zum Gespräch über sein neues Herzstück, das Six Senses Destination Spa in Phuket, das auf der Insel Naka Yai liegt. Was denn überhaupt ein Destination Spa sein, fragen wir. "Eine Insel, die nur einen Zweck hat: Menschen in einem luxuriöser Umgebung wieder ganzheitlich gesund zu machen. Wir helfen den Gästen durch Anwendungen und ärztliche Betreuung, die Weichen für einen neuen, gesunden Lebensstil zu stellen", sagt Shivdasani vorerst ein wenig theoretisch.

In der Praxis sieht das allerdings ein wenig nach Robinson Crusoe aus, der auf Luxus-Wellnessurlaub ist. Alles auf der Insel dreht sich um die Gesundheit. In einer paradiesischen Umgebung auf dem einsamen Eiland, das den Gast wie ein Kokon einwickelt, werden nach eingehenden Konsultationen für jeden Programme entworfen: Therapeuten und Lifestyleberater stellen persönliche Programme zusammen, die Erfahrungen und Werte über die Behandlungen und den Zeitraum des Aufenthalts hinaus vermitteln sollen. Da kann dann schon passieren, dass der Kellner am Abend meint, dass das zweite Glas Wein beim natürlich gesunden Abendessen gar nicht gut sei für den Gesundungsprozess.

Verbote für Hedonisten - ob das gut geht? "Nein", antwortet Shivdasani, "die Menschen entscheiden hier selbst, was sie ihnen gut tut und was nicht. Wir geben Ratschläge und bringen unsere Erfahrung ein."

Die Umgebung macht es einem leicht: Die Gäste wohnen in luxuriös und umweltfreundlich gestalteten, rund 450 Quadratmeter großen privaten Pool Villen mit Sala und üppigen Kräutergärten. Das Herzstück ist "The 7th SENSE" - das Spa. Auf über 3.000 Quadratmetern, nach Feng Shui Richtlinien gebaut, werden weltweit erstmalig vier Spa-Konzepte in passend gestalteter Architektur vereint: China, Indien, Indonesien und Thailand. Entworfen wurde das Konzept unter der Leitung von Ana Maria da Costa Tavares, die als eine der bekanntesten Spa Expertinnen der Welt gilt.

Shivdasani ordnete die Idee des Destination Spas den Grundsätzen seiner Philosophie unter, die er SLOWLIFE nennt. Sustainable-Local-Organic-Wholesome-Learning-Inspiring-Fun-Experiences (nachhaltig, lokal, organisch, ganzheitlich, lernend, inspirierend, Spaß, Erfahrungen). "Die Welt und das Business wird schneller, als Menschen, die vom Affen abstammen, leben wir mittlerweile in einem Betondschungel voller Handy- und anderer Strahlen. Wir brauchen einen Mechanismus, um uns da rauszuwinden, sonst geht es bergab mit uns."

Der Mensch brauche Orte, wo er einen Schritt zurücktreten, langsamer schalten, Gesundes tun, natürliche Nahrung essen kann und gleichzeitig der Natur keinen Schaden zufügt.

"Wir setzen auf intelligent luxury, luxuriös zurück zur Natur", meint er, "was wir bieten, muss selten, neu, wahr und einfach sein." Er nennt ein Beispiel: "Wir bauen unseren eigenen Salat in den Resorts an. Jetzt können Sie in jedem guten Hotel der Welt eine Flasche Mouton Rothschild 1982 bestellen, auch bei uns. Aber einen Salat zu bekommen, der noch vor einer Stunde im Garten stand, das geht nicht überall, das machen nur wenige. Der Salat ist nachhaltig gewachsen, frisch, regional. Unsere Gäste sprechen nach den Essen meist nicht über den Mouton Rothschild, sondern über den Salat."

Überhaupt gehe es ihm darum, nachhaltig für Mensch und Natur zu wirtschaften: "Heute bauen wir carbon-neutrale Hotels, die keine CO2-Emmissionen ausstoßen. Das wird in zehn Jahren zum Standard gehören. Unser Ziel ist es, 2020 mit unseren Hotelanlagen mehr CO2 zu absorbieren als wir ausstoßen. Wir werden Hotels bauen, die ihre ökologischen Fußabdrücke von selbst verwischen. Das wird durch die Weiterentwicklung der Technik, die auch billiger wird, und die Rückbesinnung auf die natürlichen, regionalen Ressourcen möglich sein." www.sixsenses.com

Ihr Connaisseur

Robert Kropf mit Grüßen aus Yaka Nai

 

Zur Kolumne Der Connaisseur