Wein
19. Oktober 2011

Rotwein aus dem Norden

Winzer wie Montigny in Schleswig-Holstein sind zuversichtlich, einen guten Tropfen hinzubekommen. Sie dürfen nur Wein anbauen, weil Rheinland-Pfalz einige Hektar abtrat

«So mookt wi dat» («So machen wir das») - wahrscheinlich wird der Rotwein von Hof Altmühlen in Schleswig-Holstein genau so heißen wie der Weiße. Davon hat Winzer Steffen J. Montigny in diesem Frühjahr in einer limitierten Auflage 1868 handnummerierte Flaschen in den Handel gebracht, nach drei Tagen waren sie ausverkauft.

Am Dienstag begann die erste Rotweinlese auf einem idyllischen Südhang zwischen Grebiner Mühle und Schierensee. Bei strömendem Regen schnitt Montigny, der seit 25 Jahren an der Nahe Wein anbaut und seit 2009 in Schleswig-Holstein, die ersten Trauben ab. 4000 Rotweinrebstöcke hat er hier im Sommer 2010 pflanzen lassen.

Nur weil Rheinland-Pfalz für zehn Hektar Neuanpflanzungsrechte abgetreten hatte, durfte Schleswig-Holstein überhaupt wieder Wein anbauen. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert war das schon mal der Fall, doch dann machte eine Klimaabkühlung Schluss damit. Inzwischen sind im nördlichsten Bundesland eine Hand voll Winzer aktiv, auch auf Sylt. Es musste eigens eine «Landesverordnung zur Durchführung weinrechtlicher Vorschriften und zur Änderung der Lebensmittel- und Futtermittelzuständigkeitsverordnung» erlassen werden.

In der Praxis hatten es die Winzer seit ihrem Neustart vor zwei Jahren nicht leicht: Kalte Winter, Frühjahrsfröste und Regen im Überfluss schafften keine perfekten Bedingungen. «Der Wein im letzten Jahr hat meinen Vorstellungen entsprochen», sagt Montigny. «Aber da ist noch Potenzial.» Der Sprung von der Nahe fast an die Ostsee soll sich irgendwann auch rechnen, hat Montigny doch 80 000 Euro in seine Wein-«Berge» investiert. «Das soll keine Spaßveranstaltung sein.»

Im nächsten Frühjahr wird der Winzer seinen ersten Roten verkaufen; er rechnet mit 400 Flaschen. Es wird eine Cuvée aus den Sorten Regent und Reberger sein. Um die 15 Euro dürfte die Flasche kosten, wie schon der Weiße. «Ich bin fest davon überzeugt, dass wir etwas Gutes in die Flasche bringen, das einen solchen Preis rechtfertigt», sagt Montigny. Immerhin ein Mostgewicht von 85 Grad Oechsle erwartet Montigny. Der Regen bei der Lese kostet wohl ein Grad, aber das ist verkraftbar. Weil die Trauben unverletzt sind, perlt das Wasser ab, ohne größeren Schaden zu verursachen.

«Nach dem zwar mengenmäßig eher geringen, aber qualitativ hochwertigen Ertrag bei den weißen Trauben sind wir natürlich sehr gespannt auf den ersten schleswig-holsteinischen Rotwein», sagt Montigny. «Aufgrund der hohen Minus-Temperaturen bis ins Frühjahr hinein haben die jungen Weinreben gelitten», schildert er. «Auf die Qualität der verbleibenden Trauben wirkt sich dies jedoch positiv aus, weil weniger Reben am Rebstock hängen.»

Montigny keltert auf seinem Gut in Bretzenheim an der Nahe. In 800-Liter-Boxen kommen die Trauben per Lastwagen in den Süden, wo sie bearbeitet und abgefüllt werden. Kleiner Marketing-Nachteil: Der Wein darf nicht als Schleswig-Holsteinischer Landwein vermarktet werden, sondern wird als Deutscher Landwein ausgewiesen.

Den Weinanbau im Norden hat auch das Deutsche Weininstitut in Mainz im Blick. «Das ist schon sehr ambitioniert, dort auch Rotwein anzubauen», sagt Pressesprecher Ernst Büscher. Hilfreich sei, dass mit Regent eine frühreife und pilzresistente Sorte angebaut wird.

«Ich verfolge das Projekt mit großem Interesse.» Probiert hat Büscher allerdings bisher keinen Nord-Wein. «Ich kam noch nicht dazu.» dpa