Wein
21. September 2010

Rotwein aus Deutschland legt zu

Deutscher Rotwein wird bei Weintrinkern im eigenen Land immer beliebter. Das liegt auch an der besseren Qualität, besonders beim Spätburgunder haben die Winzer viel dazugelernt. Gespräch mit Christina Fischer

Im klassischen Weißweinland Deutschland legen die roten Tropfen bei der Qualität immer mehr zu. Das bleibt auch kritischen Weintrinkern nicht verborgen. Der große Rotweinboom der vergangenen zehn Jahre ist zwar vorbei, dennoch haben sich die deutschen Roten fest im Markt etabliert. Im Wettstreit mit Italienern und Franzosen machen inzwischen vor allem Spätburgunder Boden gut.

Im Lebensmitteleinzelhandel sind die deutschen Rotweine inzwischen mit einem Anteil von 31 Prozent der eingekauften Menge Marktführer, gefolgt von Frankreich (22 Prozent) und Italien (13 Prozent), wie das Deutsche Weininstitut (DWI) in Mainz mitteilte. 2003 lagen die französischen Rotweine mit einem Marktanteil von 29 Prozent noch weit vor den heimischen Roten, die damals nur auf 20 Prozent kamen. Zu diesem Erfolg habe vor allem der Erfolg des Dornfelder beigetragen.

«Der Rotweinkonsum in Deutschland nimmt derzeit nicht mehr zu», sagt Sommelière Christina Fischer in Köln. Es habe sich inzwischen ein «gleichberechtigtes Nebeneinander» von Weiß und Rot eingependelt. Die Menschen hierzulande tränken zwar tendenziell mehr frische Weißweine. Auch Wein-Neulinge ließen sich eher einen Weißen als einen Roten einschenken, sagt die Expertin. Aber: «Der deutsche Rotwein hat aufgeholt», betont Fischer - auch im Bezug auf ausländische Weine.

Bot sie Anfang der 1990er-Jahre Gästen deutschen Rotwein an, winkten die oft ab. «Heute fragen viele danach.» Typischer Einstiegsrotwein sei Spätburgunder, der auch unter dem Namen Pinot Noir auf den Karten steht. Besonders gefragt seien süffige Weintypen mit Aromen, die an dunkle Früchte wie Kirschen und Waldbeeren erinnern und im Holzfass gelagert wurden.

Im Vergleich zu den europäischen Nachbarn ist Deutschland bei der Rotwein-Bereitung im Holzfass noch ein Neuling. Erst seit den 1980er Jahren ständen hierzulande die Barrique-Fässchen in den Kellern, erzählt Fischer. «Da kamen zuerst ganz absonderliche Weine zutage.» Heute beherrschten die Winzer den Barrique-Ausbau. «Inzwischen gibt es für 7 bis 14 Euro köstliche Weine mit moderatem Holzeinsatz, die richtig Spaß machen», sagt Fischer.

Nach Meinung des badischen Winzers Fritz Keller war der deutsche Rotwein noch nie so gut wie derzeit, viele Produzenten hätten dazugelernt. «Vor etwa 15 bis 20 Jahren hat eine Entwicklung begonnen, dass nicht nur Spitzenwinzer gute Rotweine im Programm haben, sondern auch der breite Mittelbau der Weingüter», sagt er und fügt hinzu: «Wir sind noch lange nicht an der Spitze angekommen.»

Vor allem den Spätburgunder sieht er auf einem guten Weg. «Es gibt wenige Landstriche, wo man so gute Pinot Noir machen kann, wie hier», sagt Keller. Inzwischen habe sich ein ganz eigener Typus des deutschen Spätburgunders entwickelt. Früher seien Reben gepflanzt worden, die viel Wein lieferten und deren Trauben besonders zuckerreich waren. Inzwischen setzten Weingüter auf kleinere Erträge und dadurch eine natürliche Konzentration von Inhaltsstoffen und Geschmacksträgern. Die Weinberge, die nach diesen Qualitätskriterien gepflanzt wurden, kommen jetzt in die reifen, guten Jahrgänge hinein.

Auf etwa 37 Prozent der rund 102 000 Hektar Rebfläche in Deutschland wachsen rote Trauben. Dabei sind nach DWI-Zahlen die Sorten Spätburgunder und Dornfelder am wichtigsten. Die größte Rotweinproduktion haben inzwischen die beiden größten Anbaugebiete Rheinhessen und Pfalz. Eine beachtenswerte Rotweintradition können Württemberg und Baden vorweisen, die Winzer an der Ahr bauen nahezu nur rote Trauben an.

Die DWI-Experten und Keller glauben nicht, dass die Anbaufläche für Rotwein noch wächst. «Wenn wir das halten können von der Menge her, dann ist es schon sehr gut. Wenn wir diese Menge verbessern können, dann sind wir auf dem richtigen Weg», sagt der Winzer. (Andrea Löbbecke, dpa)

Zu Weißer Burgunder aus Deutschland

Die vier wichtigsten deutschen Rotweinsorten

Die Rebflächen in den 13 deutschen Anbaugebieten sind zu 37 Prozent mit Rotweinen bepflanzt. Am beliebtesten sind Spätburgunder, Dornfelder, Portugieser und Trollinger:

Spätburgunder: Dieses Mitglied der Burgunderfamilie soll 884 vom Kaiser Karl dem Dicken an den Bodensee gebracht worden sein. Im 13. Jahrhundert wurde die Sorte im Rheingau gepflanzt, im 18. Jahrhundert kam sie vermutlich an die Ahr. In Deutschland steht Spätburgunder heute auf fast zwölf Prozent der Gesamtrebfläche. Die edle und alte Sorte verlangt viel Sorgfalt und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Spätburgunder wird vornehmlich als trockener Wein ausgebaut. Er schmeckt vollmundig und samtig und hat ein fruchtiges Aroma mit Nuancen von Mandel.

Dornfelder: Die Sorte ist die erfolgreichste deutsche Neuzüchtung unter den Rotweinen. Benannt ist er nach dem Gründer der Weinbauschule in Weinsberg, Imanuel Dornfeld. In dem württembergischen Ort wurden 1955 die ersten Dornfelder-Reben gezogen. Inzwischen wachsen sie auf mehr als acht Prozent der Rebfläche. Die Reben gelten als robust. Die Sorte wird vornehmlich als trockener Rotwein, teilweise auch halbtrocken ausgebaut. Dornfelder ist gut an seiner tiefdunklen Farbe zu erkennen.

Portugieser: Er gilt als unkomplizierter, süffiger und frischer Schoppenwein. Die Sorte kam im 19. Jahrhundert über Österreich nach Deutschland und steht inzwischen auf vier Prozent der Rebfläche. Sie stellt geringe Boden- und Lagenansprüche. Vielfach wird der Most zu Weißherbst (Rosé) ausgebaut. Auch die Rotweine vom Portugieser sind meist in hellem Rubinrot gefärbt. Der Alkoholgehalt ist oft etwas niedriger als bei anderen Rotweinen.

Trollinger: Er wird überwiegend in Württemberg angebaut und gilt als schwäbisches Nationalgetränk. Dabei hatten die Römer die ersten Reben aus Südtirol über die Alpen zuerst an die Bergstraße und in die Pfalz gebracht. Der Trollinger braucht eine lange Vegetationsperiode, um reif zu werden. Die meisten Weine bauen die Kellermeister zu frischen, kernigen und bodenständigen Tropfen aus. Eine gewisse Restsüße verleiht dem harmonischen, meist hellroten Trinkwein zusätzliche Süffigkeit.