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19. August 2009

Rucola-Bauern vor Ruin

Nach dem Fund einer Giftpflanze in einer Rucola-Packung im Supermarkt bangen die Rucola-Produzenten um ihre Existenz

Der Fund einer giftigen Pflanze in einer Rucola-Packung bedroht einige Salatbauern in ihrer Existenz. «Der Markt für Rucola ist derzeit ziemlich tot», sagte der Vorstand des Gemüsevermarkters Pfalzmarkt, Hans-Jörg Friedrich, der dpa. Wenn sich in den nächsten Wochen nichts tue, «müssen auf Rucola spezialisierte Betriebe wohl die Tür zusperren.» Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass in einer Rucola-Packung in Niedersachsen giftiges Gemeines Kreuzkraut (Senecio vulgaris) gefunden worden war. Daraufhin hatten viele Lebensmittelketten deutschen Rucola aus dem Sortiment genommen.

Betroffen ist vor allem Rheinland-Pfalz, wo sich gut die Hälfte der deutschen Rucola-Anbaufläche, die im vergangenen Jahr etwa 600 Hektar ausmachte, befindet. Von hier stammte auch die verunreinigte Packung. In der Branche herrscht derzeit absolute Krisenstimmung. «Die Leute sind am Boden zerstört», sagte der Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Franz Schatt. Derzeit hätten die Betriebe in Rheinland-Pfalz mit Umsatzeinbußen von 500 000 Euro in der Woche zu kämpfen. Etwa zehn auf Rucola spezialisierte Betriebe gibt es in dem Bundesland. Dazu kommen Landwirte, die neben Rucola auch anderes Gemüse anbauen.

Was war passiert? Ein Verbraucher hatte angegeben, in einer Rucola-Packung in Niedersachsen die auch als Greiskraut bekannte Giftpflanze gefunden zu haben, die beim Menschen Leberschäden verursachen kann. Der Bonner Wissenschaftler Helmut Wiedenfeld untersuchte die ihm aus Hannover zugesandte Packung und schlug Alarm. Daraufhin zog eine Lebensmittelkette nach der anderen Rucola aus dem Sortiment.

Bislang liegt kein amtliches Untersuchungsergebnis vor, dass auf weitere verunreinigte Rucola-Packungen schließen lassen könnte. Das niedersächsische Agrarministerium hatte bereits in der vergangenen Woche Packungen untersuchen lassen und zunächst nichts feststellen können. In Rheinland-Pfalz gibt es bislang keine Meldungen über Kreuzkraut in Rucola, in dieser und den nächsten Wochen sind aber weitere Untersuchungen geplant. In der Branche herrscht Entsetzen, welch hohe Wellen der Fund geschlagen hat. Manch einer macht das Sommerloch dafür verantwortlich. Die Verunsicherung drückt sich aber auch in Verschwörungstheorien aus, dass es bei dem Fund nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte.

Womöglich hat aber auch einfach jemand nicht genau hingeschaut, bei der Ernte in dem betroffenen Betrieb oder beim Verpacken. Das Gemeine Kreuzkraut und Rucola sehen sich ziemlich ähnlich. Letztlich kommt es darauf an, wie genau der Arbeiter hinschaut. «Es gibt ja keine Sortiermaschinen, die das aussortieren könnten», sagt Schatt. Die Bauern brauchen den Rucola derzeit wegen fehlender Nachfrage erst gar nicht zu ernten, so Schatt. «Das kann man nur noch Unterpflügen.»

Bei der Genossenschaft Pfalzmarkt in Mutterstadt sieht man keine Anzeichen dafür, dass sich deutscher Rucola schon bald wieder in den Supermarkt-Regalen finden könnte. Während die Verbraucher statt Rucola einfach einen anderen Salat kaufen können, können die Bauern nicht so einfach auf ein anderes Gemüse umstellen. «Die sitzen jetzt richtig in der Grütze», sagt Friedrich. www.bwv-rlp.de