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17. Mai 2010

Sachsen-Anhalt holt Titel der besten Schülerköche

40 Kilogramm Zwiebeln zu schälen, hat nichts mit Mobbing zu tun: Die vier Mädchen von der Sekundarschule "Am Petersberg" aus Götschetal gewannen am Montag in Erfurt den Erdgaspokal der Schülerköche

Den Wettstreit mit Topf und Pfanne entschieden die Mädchen aus Sachsen-Anhalt für sich: Mit ihrem «Gaumenschmaus» trafen die Vier von der Sekundarschule «Am Petersberg» aus Götschetal beim Bundesfinale der Schülerköche am Montag in Erfurt den Geschmack der Jury. Auch die jungen Hobbyköche von der Städtischen Gesamtschule Gummersbach-Derschlag (Nordrhein-Westfalen) und der Mittelschule aus dem sächsischen Klingenberg konnten am Herd überzeugen. Für ihre kulinarischen Kreationen gab es Platz zwei und drei.

Zur Endrunde der bundesweiten Meisterschaft hatten in diesem Jahr 13 Teams in der Thüringer Landeshauptstadt die Kochlöffel geschwungen. Zwei Stunden lang brutzelten und schnippelten sie in offenen Schauküchen, bevor sie ihr Drei-Gänge-Menü an festlich geschmückten Tafeln anrichteten, die mal maritim mit Segelboot oder heimatverbunden mit Rheinsberger Schloss in der Mitte dekoriert waren.

Aus frischen Zutaten galt es in diesem Jahr eine Fisch-Vorspeise, ein Hackfleisch-Hauptgericht sowie ein Quarkdessert zu kreieren. Bei ihren Menüs bewiesen die jungen Talente Einfallsreichtum: So zauberte etwa das Berliner Team die «Welt der Arielle» auf die Teller, die niedersächsische Mannschaft versprach eine «kulinarische Urlaubsreise» und die Nachwuchsköche aus Thüringen setzten mit «a²+b²=c²» den Satz des Pythagoras geschmacklich um.

Dabei überließen die Sieben- bis Zehntklässler nichts dem Zufall: Eingespielt saß jeder Handgriff bei der Küchenarbeit. Fließig wurden Kräuter gehackt, Zucchini gehobelt, Fleisch gebraten und Sahne gerührt. «Wir haben unser Menü schon 20 Mal gekocht», verrät Anne- Sophie Rombach aus Baden-Württemberg. Die 15-Jährige trat bereits das zweite Mal zu dem Wettbewerb an.

Bundesweit hatten sich in diesem Jahr zwischen Mecklenburg- Vorpommern und Bayern knapp 1000 Schüler an dem Wettkochen beteiligt. Sie zeigten zunächst in Schul-, Regional- und Landeswettbewerben ihre Kochkünste. Den Einzug ins Finale schafften schließlich 9 Jungen und 43 Mädchen. «Das Interesse an dem von der Energiewirtschaft gesponserten Wettbewerb ist riesig», sagt Romy Schneider vom Veranstalter. Dennoch stagnierten die Teilnehmerzahlen, da die Teams nicht überall finanziert werden könnten oder einfach Lehrer fehlten, die die Mannschaften betreuen. «Der Wettbewerb ist sehr zeitaufwendig. Das läuft alles über die Freizeit.»

«Was die jungen Leute da auf die Teller bringen, sind schon Kunstwerke», sagte das langjährige Jurymitglied Bernd Lücke anerkennend. Der Profikoch und die anderen Juroren bewerteten nicht nur Geschmack und Konsistenz der Gerichte, sondern auch Ordnung und Sauberkeit in der Küche - Kriterien, die in einer Ausbildung zum Koch ebenfalls gefragt sind. Viele der einstigen Schülerköche haben in den vergangenen Jahren ihr Hobby zum Beruf gemacht.

«Kochen ist zur Zeit auch dank der Fernsehköche Kult», sagt Lücke. Oft ließen sich junge Leute allerdings von den Kochshows leiten und vergäßen dabei, dass auch unangenehmere Aufgaben wie Abwaschen Pflicht sind: «40 Kilogramm Zwiebeln zu schälen, hat nichts mit Mobbing zu tun, sondern gehört einfach dazu.» (Annett Gehler, dpa)