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24. Dezember 2009

Sarah Wiener im Interview

Interview mit TV-Köchin Sarah Wiener über gesundes Essen für Kinder

Über die Feiertage wird gern und viel gegessen - oft zu viel. Starköchin Sarah Wiener (47) hält abwechslungsreiche, gesunde Kost für entscheidend. Im Interview mit dpa dringt sie darauf, Kinder mehr über gesundes Essen aufzuklären. Zugleich warnt sie davor, die Ernährung zu einer Art Ersatzreligion zu machen.

Die Bundesregierung kämpft mit mehreren Initiativen gegen Übergewicht. Kann man politisch überhaupt etwas ausrichten?

Wiener: «Im Kampf gegen Übergewicht muss man da ansetzen, wo man die Kinder und Jugendlichen erreicht: in den Schulen. Daher halte ich Ernährungskunde und Kochkurse in der Schule für extrem wichtig. Den Kindern wird heute alles Mögliche beigebracht, aber nicht, wie sie sich gesund ernähren können. Kochkurse tragen dazu bei, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen, ihnen durch die Praxis ein Kulturgut zu vermitteln und gleichzeitig interaktive Kommunikation, Geschmacksbildung, Teamgeist, Feinmotorik und Kreativität zu fördern. Da es viele Familien scheinbar nicht mehr schaffen, den eigenen Kindern das Kochen beizubringen, sollten die Schulen diese Aufgabe übernehmen.»

Ungesunde Ernährung ist verpönt. Wird da übertrieben?

Wiener: «Aus der Ernährung wird manchmal so eine Art Ersatzreligion gemacht: du darfst, du sollst, du musst. Da wächst eine Begehrlichkeit und auch eine Irritation heran, die ich für ungesunder halte als irgendwelche Speisen mit Fetten, Zucker und Kohlenhydraten. Ich habe da eine ganz pragmatische Sicht: Iss' was du willst, bekoch' dich selber, iss' abwechslungsreich, am besten regional und saisonal, schau, wie die Tiere aufgewachsen und womit sie gefüttert worden sind.»

Es gibt immer mehr fettleibige Kinder. Sollten Kinder noch Schokoriegel oder Pommes frites essen?

Wiener: «Schokoriegel und Pommes sind lecker - warum sollten Kinder das nicht auch mal essen? Aber bitte nicht jeden Tag. Es macht die Abwechslung, und es macht natürlich auch der Zugang zu den Lebensmitteln. Viele Kinder wachsen mit Fertiggerichten auf und können mit Kohlrabi oder Fenchel wenig anfangen. Es wird aber auch wenig Obstsalat angeboten. Ich glaube, dass Kinder genauso gern bestimmte Obstarten essen würden wie sie manchmal ein Stück Kuchen essen. Ich halte nichts davon, wenn man sagt, Pizza, Burger, Fritten, panierte Hähnchen geht nicht, hier steht der gedämpfte Fisch und der Salat. Das ist unsinnig. Ich glaube, dass man auch Freude am Essen haben sollte. Schulobst ist ein Anfang.»

Was halten Sie von der umstrittenen Kennzeichnung potenzieller Dickmacher in den Ampelfarben?

Wiener: «Wenn die Leute keine Zeit haben oder zu faul sind, das Etikett zu studieren, ist die Ampel-Kennzeichnung ein Schritt in die richtige Richtung. Aufklärung tut not. Ob das aber die letzte Weisheit ist oder vielleicht ein bisschen zu kurz gegriffen ist - die Diskussion sollte man führen.»

Haben Sie ein Rezept, um Völlerei über die Festtage zu verhindern?

Wiener: «Es ist so wie mit allen Dingen: Bewusst essen. Wenn man schon völlert, dann mit allen Sinnen. Wenn das jetzt nicht ausufert und ein wochenlanger Exzess ist, ist ja auch gar nichts dagegen zu sagen, ab und an über die Stränge zu schlagen. Oft denkt man gerade nicht darüber nach und stopft sich etwas 'rein, obwohl es grauslig schmeckt und obwohl man nicht wirklich Hunger hat. Dem gilt es zu trotzen.»

Was steht bei Sarah Wiener auf dem Tisch?

Wiener: «An Weihnachten geht es bei mir traditionell zu. Es gibt Ente, ich liebe Ente. Dazu gibt's diesmal Kartoffelpüree und verschiedene Arten von Gemüse und Salat. Als Nachspeise einen Kuchen.»