06. September 2009

Schlachterprobt

Der Bad Dürkheimer Wurstmarkt vom 11. bis 15. und 18. vom 21. September ist das größte Weinfest der Welt

Roland Poh ist kein martialischer Typ, aber wenn es um den Bad Dürkheimer Wurstmarkt geht, klingt er doch etwas blutrünstig. «Ich sehe es so, dass wir hier jedes Jahr eine Schlacht zu schlagen haben.» Der 54-Jährige ist Wurstmarktmeister und trägt damit die Verantwortung für das größte Weinfest der Welt - das ist der Wurstmarkt nämlich, auch wenn der historische Name eher ans Essen denken lässt. Poh hat dafür zu sorgen, dass sich die Hunderttausenden von Besuchern gut amüsieren, wenn sie sich auf dem Volksfest die Zeit vertreiben. Und auch dafür, dass die Schausteller und Marktleute zufrieden sind. Nächste Woche geht es wieder los.    

Der Wurstmarkt vom 11. bis 15. und 18. vom 21. September ist für die beschauliche Kurstadt Bad Dürkheim eine gewaltige Herausforderung. Poh illustriert das mit ein paar Zahlen: München hat etwa 1,3 Millionen Einwohner und zählt beim Oktoberfest etwa 6,5 Millionen Besucher. «Wir haben 20 000 Einwohner und rechnen mit 600 000 Besuchern.» Faktor 30 also statt Faktor 5. Ein Aufwand, der sich aber lohnt: 30 Millionen Euro bringt der Wurstmarkt nach Bad Dürkheim, ist vor ein paar Jahren mal ausgerechnet worden.    

Bereits zum 19. Mal ist Poh in diesem Jahr Chef-Organisator des Wurstmarktes. Eigentlich arbeitet er ja als Leiter der Bürgerdienste bei der Stadt Bad Dürkheim. 20 bis 30 Prozent seiner Arbeitszeit gelten aber dem Wurstmarkt, schätzt Poh. Wenn er zurückblickt, hat sich vor allem eins geändert: «Es gibt mehr Veranstaltungen und alle kämpfen um die größten Attraktionen.» Dazu kommt, dass die Volksfeste auch abseits der Kirmesplätze immer mehr Konkurrenz verspüren. «Die Freizeitbranche rüstet immer mehr auf», sagt Poh.

Die Vorbereitungen für den nächsten Wurstmarkt beginnen in der Regel schon, wenn der vorige noch gar nicht vorbei ist. Erste Überlegungen, welcher Schausteller im kommenden Jahr zum Zug kommen könnte, werden angestellt. Entschieden wird das dann Ende November oder im Dezember, wer im kommenden September mit dabei ist. Das macht ein eigener «Wurstmarkt- und Festausschuss» des Stadtrates. Mehr als 1000 Bewerbungen gehen in der Regel für die rund 250 Plätze ein.    

In den letzten Wochen vor dem Wurstmarkt geht es dann eher um Details. Wer besorgt die Blumen für die Weinprinzessinnen, was gibt es bei der Eröffnung zum Essen? In den letzten Tagen vor dem Wurstmarkt pendelt Poh zwischen seinem Büro im Rathaus und dem Festgelände, um dort nach dem rechten zu sehen.    

Wenn es dann Petrus mit den Bad Dürkheimern gutmeint und das Wetter an den ersten Tagen mitspielt, dann fällt auch von dem Mann mit dem markanten Bart langsam die Last ab. «Mit jedem Tag, der gute Ergebnisse gebracht hat, wird es leichter», sagt Poh. Gute Ergebnisse heißt letztlich vor allem auch, dass bei den Beschickern des Wurstmarktes auch etwas hängengeblieben ist. Die Schausteller haben es immer schwerer, finanziell über die Runden zu kommen, weiß Poh.    

Der 54-Jährige will, dass beide Seiten zufrieden sind: Besucher und Beschicker: «Spaß und Kommerz schließen sich nicht aus», ist er überzeugt. Die Konsumenten würden aber immer anspruchsvoller, das merke man auch bei einem Volksfest. Sein Ziel sei es, diese Wünsche bestmöglich zu befrieden. «Wir machen den Wurstmarkt ja nicht für uns.» Der Spaß hat aber Grenzen: Hochprozentige Spirituosen darf kein Besucher mitbringen, es geht um die Sicherheit, betont Poh.    

Während des Wurstmarktes wird Poh auch dieses Jahr wieder «ordentlich unter Druck» stehen, glaubt er. Auch wenn der 54-Jährige sich und sein Team gut gewappnet sieht. Sein Rezept, um im Trubel die Nerven zu behalten? «Wenig trinken», sagt Poh. Auf dem weltgrößten Weinfest ein Vorsatz, der nicht ganz einfach umzusetzen ist. dpa www.duerkheimer-wurstmarkt.de