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18. Oktober 2016

Schlosshotel Bühlerhöhe Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Schlosshotel Bühlerhöhe | Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Für Könige, Kanzler und Scheichs war sie einst erste Adresse: die Bühlerhöhe. Seit Jahren ruht der Betrieb des einstigen Nobelhotels. Erwacht es bald aus dem Dornröschenschlaf? An einem Konzept wird offenbar gearbeitet.

Von Susanne Kupke

Moos bedeckt Skulpturen und Mauern im Park, Unkraut sprießt auf Gehwegen und überwuchert einstige Attraktionen wie das "Luftbad", in dem sich Gäste hüllenlos sonnen konnten. Der von neugierigen Blicken abgeschirmte 18 Hektar große Park hoch über dem badischen Bühl hat schon bessere Tage gesehen. Wie ein verwunschenes Märchenschloss ragt das verlassene Hotel Bühlerhöhe darin in den Herbsthimmel. Seit sechs Jahren ist die berühmte Nobelherberge an der Schwarzwaldhochstraße nahezu durchgängig im Dornröschenschlaf.

"Wir hoffen alle, dass das Hotel endlich zum Leben erwacht", sagt der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (parteilos), auf dessen Gemarkung in 800 Metern Höhe die geschichtsträchtige Immobilie liegt. Nun sieht es so aus, als ob sie demnächst wiederbelebt werden könnte.

Die Bühlerhöhe, in der einst Könige, Staatsmänner, Wirtschaftsgrößen und Stars abstiegen, ist seit Ende 2013 im Besitz einer kasachischen Investorengruppe. Noch in diesem Jahr, sagt ein Sprecher, soll die Entscheidung über die Zukunft des Baudenkmals fallen. Rathauschef Schnurr stimmt dies vorsichtig optimistisch. Zu viele Vorhaben sind in den vergangenen Jahren geplatzt.

Und die neuen Eigentümer haben sich Zeit gelassen. Die Bühlerhöhe ist ein schwieriges Unterfangen. Wirtschaftlich war sie noch nie. Doch darum ging es zumindest anfangs auch nicht. Sie ist als ein Beweis großer Liebe entstanden - ein wenig spürt man das bis heute.

Die Generalswitwe Hertha Isenbart setze mit dem Prachtbau vor rund 100 Jahren ihrem früh gestorbenen Mann ein Denkmal. "Vielen zur Genesung - einem zum Gedächtnis" steht in Stein gemeißelt am Eingangstor des Schlösschens, das in den Jahren 1912 bis 1914 vom Düsseldorfer Stararchitekten Wilhelm Kreis errichtet wurde. Als Genesungsheim für Offiziere gedacht, avancierte es schnell zum Refugium der Reichen und Mächtigen.

Das Schlosshotel überstand unbeschadet zwei Weltkriege, es sah unzählige prominente Gäste und mehrere Besitzer. Spätere Um- und Anbauten haben ihm nach Ansicht des Architekturhistorikers Ulrich Coenen nicht gerade gut getan. Doch der Kern des nach dem Vorbild von Schloss Stupinigi bei Turin errichteten Komplexes mit den unterschiedlichen Fassaden ist erhalten geblieben: das Entrée im Stil des Burgen- und Festungsbaus und die Rückseite in der Manier eines Barockschlosses, von dessen weitläufiger Terrasse der Blick ins Rheintal bis nach Frankreich reicht.

Im Inneren tritt der Besucher direkt in die eindrucksvolle, über zwei Etagen gezogene Empfangshalle mit einem kunstvoll verzierten Marmorboden und den Fensternischen zur Terrasse. Von dort geht es in den holzgetäfelten Van-Dyck-Saal mit Originalen des flämischen Malers und einem gewaltigen schwarzen Marmor-Kamin. Nebenan sind die alte Bibliothek und das Restaurant.

Ein elegant geschwungenes Treppenhaus führt ins Obergeschoss. Weiße Handtücher liegen in den Bädern der Suite, in der Konrad Adenauer sich von Staatsgeschäften erholte. So oft war der erste Kanzler der jungen Republik in den 1950er Jahren auf der Bühlerhöhe, dass mancher schon wähnte, sie sei ein Staatshotel.

Die Betten der zur Suite gehörenden Schlafgemächer sind mit weißem Linnen bezogen. Drei Sofas und ein Flügel stehen im großzügigen Wohnraum mit den Zier-Säulen. Von der Stuckdecke spendet ein Kronleuchter Licht.

Bezugsfertig also? Nicht ganz. Das "Denkmal von besonderer Bedeutung" wird zwar beheizt und in Stand gehalten. Es ist nach Angaben von Bauexperten in "substanziell gutem Zustand". Doch von mancher Türklinke blättert die goldene Farbe, die Teppichböden müssen raus, und die Einrichtung selbst der Suite bräuchte - wie das Schwimmbad - dringend ein Face-Lifting.

Dafür, aber auch für die Renovierung der Bäder sowie der veralteten Technik etwa bei Lüftung und Brandschutz, wären schon vor Jahren an die 30 Millionen Euro nötig gewesen, hatte SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp ausgerechnet. Der Kurzzeit-Bühlerhöhe-Eigentümer verkaufte die kostenträchtige Immobilie 2010 an den ukrainischen Geschäftsmann Igor Bakai. Dieser wiederum meldete Insolvenz an.

Seit Ende 2013 gehört sie den kasachischen Investoren, die als Bühlerhöhe Castle Invest GmbH firmieren. Die letzte große Renovierung stammt aus der Zeit, als Max Grundig Schlossherr war. Er soll in den 1980er Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Komplex investiert haben.

Ein solches Haus braucht mehr als oberflächliche Kosmetik. "Wir brauchen eine Vision", sagt der Sprecher der neuen Eigentümer. Kernfrage sei: "Womit möchten wir Gäste anziehen?"

Bauhistoriker Coenen hätte eine Idee: Warum nicht neben das historische Ensemble eine architektonische Attraktion stellen nach dem Vorbild der Schweizer "Therme Vals" von Stararchitekt Peter Zumthor?

Klar ist, das Haus mit seinen 90 Zimmern und Suiten soll wieder erste Adresse für die Reichen und Mächtigen werden. So wie früher, als Staatsmänner der Weimarer Republik wie Reichskanzler Gustav Stresemann zu Gast waren, Unternehmer wie Carl Bosch oder Wissenschaftler wie Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg.

Unter den illustren Gästen waren auch der norwegische Dichter Knut Hamsun, König Hussein von Jordanien und Modezar Karl Lagerfeld, für den die Bühlerhöhe schlicht "ein Höhepunkt" war. Tennislegende Boris Becker verbrachte seine Hochzeitsnacht im legendären Schwarzwaldhotel und die englische Nationalelf bezog dort zur Fußball-WM Quartier.

Auch Diktator Adolf Hitler hatte 1933 einen zwölfstündigen Auftritt. Als er noch nachts auf dem Balkon mit Joseph Goebbels lautstark palaverte, verbat sich dies eine Zimmernachbarin. "Die beiden Männer zogen sich daraufhin unter lebhafter Entschuldigung in das Zimmer zurück", heißt es in den Erinnerungen der Bühlerhöhe.

Doch braucht es überhaupt so nahe an Baden-Baden ein weiteres Nobelhotel? Wellness, Spa und Gesundheit ist traditionell Teil des Bühlerhöhe-Konzeptes - es ist nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) auch perspektivisch ein Megatrend - unter anderem weil die Menschen immer älter werden.

Und es gibt einen weiteren Trumpf. "Die Bühlerhöhe ist eine Attraktion eigener Güte", sagt ein Dehoga-Sprecher. "Ein solches Haus kann Gäste anziehen, von denen wir noch gar nichts wissen." dpa