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10. Juli 2018

Schutz vor Diebstahl im Hotel Zimmerkarte ist zweite Identität

Foto © Prostock-studio / fotolia

Ferienzeit ist Einbruchzeit - das gilt auch im Urlaub im Hotel. Diebstahl aus dem Zimmer ist zwar selten, kommt aber immer wieder vor. Eine Versicherung schützt oft nicht. Was können Reisende tun?

Von Lena Paul

Im Urlaub ist das Hotelzimmer der Ort, an dem man seine persönlichen Dinge aufbewahrt. Es fühlt sich an wie ein Zuhause auf Zeit - und leider ist auch dort Diebstahl möglich. Geld weg, Schmuck weg, Kamera weg: Das vermiest die Reise gründlich. Mit ein paar Tipps und der richtigen Verhaltensweise können Urlauber das Risiko eines Diebstahls jedoch deutlich minimieren.

Der Safe ist mehr als Dekoration

Wenn es im Zimmer einen Safe gibt, sollte man diesen grundsätzlich nutzen. Dazu rät zum Beispiel die Hotelkette Best Western. Das setzt jedoch voraus, dass der Gast die Funktionsweise des Safes kennt und beherrscht. Bei Problemen sollte er das Personal ansprechen. Den Code legt man individuell fest. Die Zimmernummer sollte es nicht sein.

In vielen Zimmern ist der Safe allerdings sehr klein, nur die wichtigsten Dokumente oder Schmuck passen hinein. Größere Gegenstände von relevantem Wert sollten daher im Zimmer möglichst versteckt werden, etwa im Koffer oder Kleiderschrank. Denn Diebe haben oft nicht viel Zeit. Wenn sie auf den ersten Blick nichts entdecken, verliert das Zimmer an Attraktivität. Darauf weist Oliver von Dobrowolski von der Präventionsabteilung des Landeskriminalsamts Berlin hin.

Besonders wertvolle Gegenstände wie eine teure Kamera kann man auf Nachfrage auch im Tresor an der Rezeption aufbewahren lassen, sofern man das Gerät nicht ohnehin dabei hat. Überfalle auf Portiers in Hotels hat es zwar schon gegeben, sind aber Einzelfälle.

«Bitte nicht stören!» schreckt nicht ab

In den meisten Hotels kann der Gast mit einem Schild an der Tür das Personal darauf hinweisen, dass er nicht gestört werden möchte. Diebe schreckt der Hinweis aber nicht unbedingt ab. Sie klopfen einfach an der Zimmertür. Rührt sich nichts, ist das Zimmer wahrscheinlich leer. Schaden könne es aber nicht, dass Bitte-nicht-stören-Schild von außen an die Tür zu hängen, sagt von Dobrowolski. Allerdings kann es dann sein, dass das Hotelpersonal das Zimmer nicht reinigt.

Risikofaktoren: Balkone, Fenster, Entfernung vom Aufzug

In Wohnhäusern gilt: Das Erdgeschoss ist besonders anfällig für Einbrüche. Diebe können sich durch ebenerdige Fenster und Türen leichter Zugang verschaffen. Das gilt in Hotels erst einmal auch. Daher sollten Fenster und Balkontüren beim Verlassen des Zimmers stets geschlossen bleiben. Auch gekippte Fenster und Türen im Erdgeschoss können Dieben helfen. Wer das Zimmer im Sommer kühlen will, sollte ohnehin eher auf die Klimaanlage setzen.

Diebe gelangen jedoch nicht unbedingt vom Außenbereich ins Zimmer, sondern vom Flur aus. Hotels sind meist so aufgebaut, dass die Zimmer durch lange Flure zugänglich sind. In der Mitte befindet sich der Aufzug. Diebe haben es immer dann leicht, wenn die Gefahr entdeckt zu werden, sehr gering ist. Wenn sie also nicht gestört werden. Von Dobrowolski weist darauf hin, dass jene Zimmer anfälliger sind, die in verwinkelten Ecken oder am hinteren Ende des Flures liegen. Es lohnt zudem ein prüfender Blick: Gibt es Videoüberwachung?

Die Zimmernummer ist die zweite Identität

Ob beim Frühstück, im Spa-Bereich oder abends an der Bar: Das Personal fragt immer nach der Zimmernummer. Wenn ein Dieb diese kennt und dann auch noch den dazugehörigen Namen des Gastes, ist der Grundstein für einen möglichen Diebstahl gelegt. Zuerst sollte man sich darüber im Klaren sein, wem genau man die Zimmernummer mitteilt, sagt von Dobrowolski. «Könnte es ein Fremder sein, oder macht er einen professionellen Eindruck und ist Ihnen schon öfter über den Weg gelaufen?» Generell ratsam ist es, mit der Zimmernummer stets diskret umzugehen.

Die Best-Western-Gruppe weist darauf hin, dass es in den meisten Hotels inzwischen elektronische Karten gibt. Manchmal bekommt der Gast aber noch einen Schlüssel ausgehändigt. Urlauber achten bei der Anreise am besten genau darauf, ob die Zimmernummer irgendwo zu sehen ist. Die Karten sind meistens nur mit dem Hotelnamen versehen oder sogar ganz weiß. Bei den Schlüsseln hängt oft ein kleiner Anhänger mit der Nummer dran. Entweder man gibt den Schlüssel an der Rezeption ab, dann kann im schlimmsten Fall jemand mithören. Riskant ist es aber auch, den Schlüssel mit der Nummer unterwegs zu verlieren.

Versicherungen bringen wenig

Eine Hausratversicherung schützt zwar prinzipiell auch bei Diebstahl aus dem Hotelzimmer, jedoch oft nur in der Theorie. «In den meisten Fällen sind keine Einbruchspuren vorhanden. Dann hat man ein Problem, die Versicherung zahlt in der Regel nicht», sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg. Gibt es Spuren, dann müssen Urlauber den Diebstahl auf jeden Fall bei der Polizei anzeigen.

Eine Reisegepäckversicherung ist nach Ansicht der Expertin nicht empfehlenswert. Denn diese nimmt in der Regel einen Abzug vor, wenn der Versicherte fahrlässig gehandelt hat. «Und das gilt schon dann, wenn man die Sachen außer Acht gelassen, also das Hotelzimmer verlassen hat», sagt Boss. Der Reisende bekommt dann im besten Fall nur einen kleinen Teil der Schadensumme zurück.

Sorgsam mit Wertsachen umgehen

Urlauber sollten mit ihren Wertsachen im Hotelzimmer genauso sorgsam umgehen wie zu Hause auch. Zur Beruhigung: Das Risiko, dass jemand einbricht oder etwas mitgehen lässt, ist gering. «Da haben es Taschendiebe in Restaurants oder am Strand deutlich einfacher», sagt Anke Cimbal, Sprecherin von Best Western in Deutschland. dpa