Reise
10. August 2009

Segeln auf der Ostsee vor der mecklenburgischen Küste

Mecklenburg setzt auf Wassersportler: Segeln vor Warnemünde hat schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts Tradition

Heute ist das ehemalige Fischerdorf ein Stadtteil von Rostock. «Das Revier hier hat alles, was das Seglerherz begehrt», schwärmt Uwe Jahnke vom ältesten Warnemünder Segel-Club. Eine fast geradlinige Küste, gute Strömungsverhältnisse und sichere Wassertiefen wissen Segler zu schätzen. Nicht umsonst wählte das Nationale Olympische Komitee Warnemünde schon zweimal für Bewerbungen als Segelstandort aus.    

Das Segelrevier gilt als relativ windsicher. Von Juni bis August sind Westwinde vorherrschend, Stürme eher selten. Auch an eher windschwachen Sommertagen ist Segeln wegen des Landwinds möglich. Am späten Vormittag setzt oft Seewind ein, gegen Abend lässt er wieder nach. Die meisten Freizeitsegler legen in der Yachthafenresidenz Hohe Düne an. Der Hafen mit 750 Liegeplätzen ist ausgelegt für Boote bis 60 Meter Länge und vier Meter Tiefgang.    

«Captain's word is law - das Wort des Kapitäns ist Gesetz», hören die sieben Chartergäste an Bord der 14 Meter langen «Utsider» das alte Leitmotiv aus dem Mund des 21-jährigen Skippers Jan Brügge. Das Jugendprojekt «Utsider» führt talentierte Segler zwischen 18 und 27 Jahren an den Offshore-Regattasport heran. Sie sind für alle Aufgaben selbst verantwortlich und nehmen regelmäßig an europäischen Regatten teil. Das in Neuseeland gebaute Rennboot mit Heimathafen Warnemünde besteht nur aus Kohlefasern. Auf jeglichen Komfort unter Deck wurde verzichtet, es besticht aber durch technische Details wie regulierbaren Wasserballast oder den drehbaren Mast.

Vor jedem Törn werden die neuen Mitsegler mit den wichtigsten Kommandos und der Technik an Bord vertraut gemacht. Nach einem Probeschlag auf der Warnow, die in Rostock in die Ostsee mündet, geht es aufs offene Meer. Bis nach Kühlungsborn sind es nur zwölf Seemeilen. «Die Überfahrt bei fünf bis sechs Beaufort und meterhoher Welle ist auch für geübte Segler anspruchsvoll», betont Brügge. Im Stakkato schlägt das Boot gegen die Wellen, immer wieder spritzt die Gischt über die Crew. Trotz starkem Nordwestwind macht die «Utsider» beim Kreuzen über sieben Knoten. Das permanente Geschaukel schlägt den Anfängern an Bord schnell auf den Magen.    

Nach knapp drei Stunden Kreuzen gegen den Wind ist das erste Etappenziel erreicht. «Wenn Sie über 70-Jährige nach Kühlungsborn fragen, sagen die: "Noch nie gehört". Aber an ihren Sommerurlaub in den Fischerdörfern Arendsee, Fulgen und Brunshaupten, aus denen 1938 Kühlungsborn hervorging, erinnern sie sich gern», erzählt Peter Brauer, der seit sechs Jahren die touristische Entwicklung des Seebades vorantreibt. Hinter dem Ort liegt die Kühlung - ein großes, hügeliges Wandergebiet. Der westliche Teil von Kühlungsborn gilt als ruhig, der östliche mit vielen Hotels, Geschäften, Restaurants und der Marina wirkt eher wie die Playa de Palma des Nordens. Verbunden sind die beiden Teile durch eine fünf Kilometer lange Promenade.    

Die Marina wurde 2005 eingeweiht, im Sommer legen täglich bis zu 150 Schiffe an. Der Yachthafen ist nur 20 Kilometer von der Autobahn A20 entfernt. Da wundert es nicht, dass die Hälfte der 400 Liegeplätze an Dauerlieger vergeben ist. Jeden Morgen um 8.30 Uhr bespricht der Meteorologe Ronald Eixmann mit den Skippern das Seewetter. Ist Rasmus, der Gott des Windes, den Bootsurlaubern mal nicht hold, können sie im Hafenhaus Fahrräder mieten oder bis nach Heiligendamm wandern.    

Rund 25 Seemeilen sind es von Kühlungsborn bis nach Boltenhagen. Nach gut einem Drittel erscheint backbords die nur von Vögeln bewohnte Halbinsel Langenwerder. Kurz darauf folgt die Insel Poel, bei Skippern und Naturfreunden ein beliebter und ruhiger Anlaufpunkt. Schilfgürtel und Salzwiesen umrahmen das flunderflache Eiland. Auf dem Meeresboden schlummert noch so mancher Schatz aus der Hansezeit. An der Nordküste bargen Archäologen 1999 das Wrack der Poeler Kogge. Der originalgetreue Nachbau aus Vollholz liegt heute im Wismarer Hafen vor Anker: die 30 Meter lange «Wissemara».    

Nach rund 15 Seemeilen bei auffrischendem Wind grüßt von weitem die Weiße Wieck - ein 2008 eröffneter Ferienpark. Gebaut wurde er auf der ehemals militärisch genutzten Halbinsel Tarnewitz. Vor den weißen Hotels liegt die Marina Boltenhagen. «Der Hafen besticht durch seine Lage: An der deutschen Ostseeküste ist er der einzige, der nach Süden ausgerichtet ist - Welle oder Schwell gibt hier nicht», erklärt Hafenmeister Hasko Braake. Ausgelegt ist die Marina für Schiffe bis 40 Meter Länge, Platz ist für 290 Boote.    

Nördlich der beschaulich gelegenen Weißen Wieck liegt das Naturschutzgebiet Lieps. Auf der Sandbank werden auch Seehunde gesichtet. In der Wohlenberger Wieck wechseln steile Uferpartien mit breiten Sandstränden. Die Bucht gilt als gutes Segelrevier und zieht Freizeitkapitäne aus Berlin, Bremen, Hamburg und Hannover an. «Wer einmal die Magie des Windes in den Segeln gespürt hat, den lässt das Meer nicht mehr los», ist Uwe Jahnke überzeugt.

Nicht umsonst ziehen maritime Veranstaltungen wie die Warnemünder Woche, die Jahnke seit 18 Jahren organisiert, Tausende Besucher an. Für weniger erfahrene Wasserfans bietet die Hanse Sail im August in Rostock viele Möglichkeiten zum Mitsegeln: von Traditionsseglern über moderne Yachten bis hin zu Katamaranen und Speedsailing-Booten. (Janette Heidenreich/dpa)

Mecklenburg setzt auf Wassersportler    

Mecklenburg-Vorpommern setzt auf den Ausbau der maritimen Infrastruktur. Wassersport-Urlauber machen rund 10 Prozent aller Gäste aus. An der mehr als 1900 Kilometer langen Ostseeküste wird das Hafennetz immer dichter: Zwischen Wismarer Bucht und Insel Usedom gibt es 200 Marinas und rund 18 000 öffentliche Liegeplätze.

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Platz der Freundschaft 1, 18059 Rostock,  www.auf-nach-mv.de/maritim