Hotels
15. Oktober 2017

Selektion Deutscher Luxushotels Die 30-Jahre-Bilanz

Die GOURMETWELTEN lassen die Direktoren von Brenners Park-Hotel, Hotel Nassauer Hof, Excelsior Hotel Ernst, Schloss Fuschl, Breidenbacher Hof, Grand Hotel Heiligendamm, Ritz-Carlton in Berlin, Mandarin Oriental in München und Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Bilanz ziehen.

Lieber Herr Nüser, die GOURMETWELTEN gratulieren zu 30 erfolgreichen Jahren Selektion Deutscher Luxushotels. Welches waren die größten Erfolge in dieser Zeit?

Karl Nüser, ehemaliger Geschäftsführender Gesellschafter Hotel Nassauer Hof, Wiesbaden

Für mich ist das Wichtigste, das es der Selektion gelungen ist, sich während des 30-jährigen Bestehens gemäß der sich stetig ändernden Anforderungen kontinuierlich weiterzuentwickeln, ohne unsere ursprüngliche Idee - ein Verbund von Individualisten, die mit dem gleichen Qualitätsanspruch die Kultur der Gastlichkeit pflegen und fördern - aufzugeben.

Eines der besonderen Merkmale der SDLH ist dabei die personenbezogene Mitgliedschaft - nicht das Hotel ist Mitglied, sondern der jeweilige Direktor, der seine eigene Persönlichkeit einbringt. Dies führt zu einem einzigartigen Kreis, in welchem ein offener und intensiver Austausch möglich ist - eine Tatsache, die elementar dafür ist, dass der Verbund heute noch besteht. Über die Jahre hat sich die Selektion zu einem Zusammenschluss von sehr unterschiedlichen Visionären der Branche entwickelt, die Gemeinsamkeiten herausarbeiten und Synergien nutzen, wo immer es möglich ist.

Wir haben es geschafft, unsere Schwerpunkte den Herausforderungen immer wieder anzupassen; die enge Zusammenarbeit in den Bereichen Verkauf und Human Resources trifft heute mehr denn je den Nerv der Branche.

Lieber Herr Marrenbach, Sie haben in Ihrem Haus hervorragendes Personal aus allen Generationen, das liegt Ihnen sehr am Herzen. Wie integrieren Sie dabei so erfolgreich verschiedenste Quereinsteiger?

Selektion Deutscher Luxushotels | Die 30-Jahre-Bilanz

Frank Marrenbach, Geschäftsführender Direktor Brenners Park-Hotel & Spa, Baden-Baden

Als Grandhotel mit einer starken nationalen und internationalen Strahlkraft ist es unsere Aufgabe, neben unserer Verpflichtung der Branche gegenüber auch gesellschaftliche Verantwortung in Bezug auf die Ausbildung und Förderung guter Mitarbeiter zu übernehmen.

Wir bemühen uns täglich, das umfassende Angebot eines Grandhotels mit seiner langjährigen Tradition und dem höchstmöglichen Qualitätsanspruch, mit der Freude an der Dienstleistung sowie dem respektvollen Umgang mit der Umwelt und seinen Ressourcen zu verbinden.

Dabei unterstützt uns unser nachhaltiges Weiterbildungs- und Förderungsprogramm in Form zahlreicher interner Schulungen, die von unseren erfahrenen Führungskräften gehalten werden. Den Mitarbeitern, zu denen auch der ein oder andere Quereinsteiger gehört, wird dort neben theoretischem Wissen auch praktisches "On-the-Job Coaching" angeboten. Letzteres schließt dabei die Lücke zwischen Lernen und Handeln.

Der respektvolle Umgang miteinander, voneinander lernen, füreinander da sein und Wissen weitergeben: Das sind die Grundlagen unseres generationsübergreifenden Prinzips.

Lieber Herr Matthiesen, ist die Privathotellerie heute die "letzte Bastion" eines kleinen und äußerst widerstandsfähigen "Gallier-Stammes"  am aktuellen Hotelmarkt?

Henning Matthiesen, Geschäftsführender Direktor Excelsior Hotel Ernst, Köln

Seit Jahren schon verlauten Analysten und Fachpresse im regelmäßigen Turnus besorgniserregende Schlagzeilen wie "Die Privathotellerie kann nur in der Nische überleben" oder "Kettensägen an der Privathotellerie". Als geschäftsführender Direktor des Excelsior Hotel Ernst sehe ich derartigen Schwarzmalereien allerdings gelassen entgegen, denn privatgeführte Hotels punkten mit Attributen, mit denen Kettenhäuser längst nicht mehr aufwarten können.

Privathotels sind individuell, unabhängig und schöpfen Wettbewerbsvorteile durch kurze Entscheidungswege. Durch Standardisierungen und Gleichschaltungen von Abläufen wie in Kettenhäuser üblich werden zwar kurzfristig Renditen erwirtschaftet - mittel- bis langfristig schmälern Prozessoptimierungen dieser Art aber vor allem eins: Das Gasterlebnis.

Lieber Herr Kernatsch, das Motto "Im Winter im Schnee, im Sommer am See" scheint ganz erfolgreich für das Thema Saisonmitarbeiter zu stehen. Könnte man so etwas auch innerhalb der Selektion umsetzen?

Paul J. Kernatsch, Generaldirektor Schloss Fuschl Resort & Spa

Das Schloss Fuschl ist in der Tat ein Saisonbetrieb und beschäftigt im Sommer fast doppelt so viel Mitarbeiter wie im Winter. Selbstverständlich hat sich über die Jahre ein Stamm guter, hoch motivierter Teilzeitkräfte gebildet und wir nutzen die Sommersaison gerne, um passende Mitarbeiter zu finden und langfristig an das Hotel zu binden. Es ist interessant zu beobachten, dass vor allem für die jüngeren Mitarbeiter - ungefähr bis Ende 20 - der monetäre Anreiz im Vordergrund steht und diese nach unserer Hauptsaison in die Skigebiete wechseln, um saisonunabhängig vergleichsweise viel Geld zu verdienen.

Hier liegt eine große Chance für uns, die Besten mit guten Entwicklungsmöglichkeiten und attraktiven Benefits von einer langfristigen Karriere in der Luxushotellerie - inklusive in den anderen Betrieben der Selektionshäuser - zu überzeugen.

Lieber Herr Petrovic, was ist für Sie der Garant zum Erfolg an einem so schillernden Standort wie Berlin?

Robert Petrovic, General Manager The Ritz-Carlton, Berlin

Unsere Gäste - ganz gleich ob prominent oder nicht - reisen aus der ganzen Welt an, um Berlin zu erleben. Daher ist es für uns besonders wichtig, ihnen mit dem The Ritz-Carlton, Berlin ein Zuhause auf Zeit zu bieten, in dem sie sich wohl und sicher fühlen können. Diskretion, ein Blick fürs Detail sowie höchste Service- und Sicherheitsstandards zählen zu unseren wichtigsten Eigenschaften und begeistern unsere Gäste seit nunmehr 13 Jahren immer wieder aufs Neue.

Lieber Herr Heydarian, die Selektion engagiert sich erfolgreich im Bereich Fair Job Hotels. Welche Erfahrungen haben Sie bereits gemacht?

Selektion Deutscher Luxushotels | Die 30-Jahre-Bilanz

Cyrus Heydarian, General Manager Breidenbacher Hof, a Capella Hotel, Düsseldorf

Als Mitglied der Capella Hotel Gruppe hat der Breidenbacher Hof zwei Kernziele, die er seinen Mitarbeitern mit auf den Weg gibt: Continuous Improvement und Meaningful Experiences. Letzteres liegt uns besonders am Herzen. Als Mitarbeiter wählen wir Talente aus, die als leidenschaftliche Gastgeber unsere Gäste bei allem was sie tun in den Mittelpunkt stellen und an sich selbst den Anspruch stellen, den Gästen ein unvergessliches Erlebnis bei uns im Hause zu bescheren. Schon kleine Gesten können ausreichen, um dem Gast ein heimisches Gefühl zu vermitteln und ihn sprichwörtlich in den Arm zu nehmen.

Das zweite Ziel bezieht sich darauf, die internen Arbeitsabläufe zu optimieren, um so effizient auf die Bedürfnisse eines jeden Gastes eingehen zu können und den Mitarbeitern eine solide Vertrauensbasis zu bieten. Das Wichtigste in einem Hotel sind die Mitarbeiter, die mit Ihrer Leidenschaft und Expertise danach streben, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr mit 15 weiteren Gründungsmitgliedern die Initiative "Fair Job Hotels" ins Leben gerufen. Gemeinsam halten wir an verbindlichen Werten und Standards fest, die eine Grundlage für ein gutes und vertrauensvolles Miteinander zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber ermöglichen. Gegenseitiges Vertrauen und eine verlässliche, faire Basis sind dabei essentiell.

Auch im Rahmen dieser Initiative spielt die Selektion Deutscher Luxushotels eine tragende Rolle, denn neben uns war es ebenso den Gründungsmitgliedern Wolfgang M. Greiner aus dem Mandarin Oriental in München und Ingo C. Peters vom Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg sowie auch allen anderen Mitgliedshotels der Selektion Deutscher Luxushotels eine Herzensangelegenheit "Fair Job Hotels" beizutreten und als gutes Beispiel voran zu schreiten.

Lieber Herr Greiner, Sie machen Ihren Gästen Appetit mit dem außergewöhnlichen Nobu-Konzept in München, ziehen Sie doch bitte Bilanz!

 

Wolfgang M. Greiner, Generaldirektor Mandarin Oriental München

Die Kooperation mit Nobu Matsuhisa ist nicht die erste, die Mandarin Oriental mit einem berühmten Küchenchef oder Gastronom eingegangen ist. So unterhalten zum Beispiel die Häuser in London, Miami oder Paris mit Heston Blumenthal, Gaston Acurio oder Thierry Marx erfolgreiche Kooperationen mit herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Gastro-Szene. Seit knapp zwei Jahren gehört das Mandarin in München nun auch zu den Häusern, die sich mit einer starken internationalen gastronomischen Marke weit über die Stadt- und Landesgrenzen re-positionieren.

An einem eher traditionellen Standort wie München ist das ein gewagter Schritt: Nicht nur, dass wir in unserem einzigen Restaurant Konzept-Gastronomie anbieten - wenngleich auch auf sehr hohem Niveau -, sondern wir haben auch das Design des gesamten F&B- Bereichs komplett verändert und verjüngt. Der Erfolg der letzten beiden Jahre hat uns Recht gegeben.

Natürlich gab es in den ersten Monaten einen unglaublichen Zulauf, der sich gottlob seit Anfang diesen Jahres etwas normalisiert hat. Nach wie vor sind wir unter den Top Restaurants der Stadt: Im Hinblick auf die Anzahl der Cover sind wir ein Szenerestaurant, während der erreichte Umsatz pro Gast mit dem Niveau der Sternegastronomie mithalten kann.

Lieber Herr Peruzzo, das Grand Hotel Heiligendamm hat sich in den vergangenen zwei Jahren stabilisiert, was ist Ihr Erfolgsrezept?

Thomas Peruzzo, Geschäftsführender Direktor Grand Hotel Heiligendamm

Wir haben intensiv an uns gearbeitet, denn nichts ist beständiger als der Wandel. Wir mussten ein wenig umdenken bei der Entwicklung und Durchsetzung von Strategien, eine eindeutige Zielgruppenorientierung festlegen, Stärken und Schwächen auf den Prüfstand bringen und vor allem unsere Kernkompetenzen ausbauen. Dazu gehörte auch, uns die exklusive Lage des Grand Hotel Heiligendamm direkt am Strand noch ein wenig mehr zu Nutzen zumachen.

Es ist nicht zu übersehen, dass unsere Gäste authentische Werte schätzen, damit meine ich z.B. die Ostsee, die Waldluft, laue Sommerabende am Strand, dazu ein kleines Lagerfeuer mit Barbecue ... Da haben wir noch einmal eingehakt und die Strandbar vergrößert und mit Musikinstallationen, neuen Möbeln, Dekor verschönert. Dazu gehörte auch, weitere Strandkörbe anzuschaffen - schließlich soll es sich jeder Gast z.B. während unserer legendären Sommeraktionen- direkt am Meer- gemütlich machen können.

Aber auch die Liebe zur Geschichte unseres Hauses findet unbedingt Anerkennung. So erfüllt zum Beispiel unser Kurhaus- 2017 wird es 200 Jahre alt- einst von Gründer zum Zwecke eines Gesellschaftshauses erbaut, auch heute genau diesen Zweck. Im majestätischen Ballsaal oder im Musiksalon finden Konzerte und Lesungen mit hochkarätigen Künstlern statt. Wir haben einen wirklich guten Mix aus Tradition, Moderne, hochwertiger Kultur und Erholung sowie Entspannung gefunden. Das Angebot auf unserer komplett neuen Homepage haben wir nicht nur, aber mit einem doch intensiveren Focus auf unsere wachsenden Zielgruppen wie junge Familien, Tagungs- und Wellnessgäste gelegt. Und wir haben noch genug Ideen im Gepäck- es bleibt spannend!

Lieber Herr Peters, welche touristischen Auswirkungen erwarten Sie für Hamburgs Hotellerie durch die neue Elbphilharmonie? Gerade erst haben Sie einen wunderbaren Abend mit dem Ordre des Coteaux de Champagne in Ihrem Haus veranstaltet.

Selektion Deutscher Luxushotels | Die 30-Jahre-Bilanz

Ingo C. Peters, Vorsitzender der Selektion Deutscher Luxushotels, Regional Vice President Europe und General Manager Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, Hamburg

Die Stadt wird immer mehr zur Ganzjahres-Destination: Unsere Gäste kommen im Sommer, um das gute Wetter und das allgegenwärtige Wasser zu genießen; im Herbst, um die neusten Musicals zu besuchen; im Winter besuchen sie die Weihnachtsmärkte und im Frühling die grandiosen Konzerte in der Elbphilharmonie. So hat jede der vier Jahreszeiten ihren besonderen Reiz.

Durch das umfangreiche Angebot steigen die Besucherzahlen und somit natürlich auch die durchschnittliche Belegungsrate der Hotels. Deshalb wird Hamburg auch für internationale Hotelkonzerne immer interessanter. Die Herausforderung als Hotelier besteht heute darin, den Gast zu begeistern. Das ist uns mit der Renovierung unseres Hauses und erst kürzlich mit der Eröffnung des NIKKEI NINE sehr gut gelungen.

Die Selektion Deutscher Luxushotels

Die Selektion Deutscher Luxushotels ist der Zusammenschluss acht deutscher und eines österreichischen Luxushotels, die unter dem Leitsatz "Kunst der Gastlichkeit prägen und pflegen" mit höchster Servicequalität und einer maßgeschneiderten Angebotspalette dem weltweiten Trend der anonymen Beherbergung entgegen treten. Die gelebte Synthese zwischen Tradition und Moderne in allen Selektionshäusern gewährt höchste Zufriedenheit für Gäste aller Generationen. Jedes der neun Mitgliedshäuser genießt internationales Renommee; alle sind dafür bekannt dafür, einzigartigen Service in erlesenstem Ambiente zu offerieren. Der Zusammenschluss, der in diesem Jahr sein 30jähriges Jubiläum feiert, hat das Bild der deutschen Top-Hotellerie im Ausland in den letzten Jahren entscheidend prägte. Er wurde 1987 mit ursprünglich drei Mitgliedern gegründet und arbeitet unter anderem in Fragen des Marketings, der Kundenbindung und der Ausbildung eng zusammen.

Mitgliedshotels sind das Grand Hotel Heiligendamm, das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg, das Ritz Carlton Berlin, der Breidenbacher Hof in Düsseldorf, das Hotel Excelsior Ernst in Köln, der Nassauer Hof in Wiesbaden, das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden, das Mandarin Oriental Munich sowie das Hotel Schloss Fuschl in Salzburg. Darüber hinaus gehören Mercedes-Benz und Pro Sky als Kooperationspartner zum Verbund. www.selektion-deutscher-luxushotels.com