BARS & DRINKS
21. Juni 2009

Single Malt Whisky von den schottischen Highlands

Reise durch die Highlands zu den Whisky-Destillerien

Speyside ist die Region in den Highlands mit besonders vielen Whisky-Destillerien. In Grantown on Spey ist Graham Harvey zu Hause, ein Whisky-Connaisseur der besonderen Art. Denn er trinkt die Tropfen nicht nur gerne, er nutzt ihre Aromen noch lieber für andere Zwecke: Harvey ist Chefkoch im «Craggan Mill». Das Restaurant in einer alten Mühle aus dem 18. Jahrhundert ist bekannt für seine Küche mit Whisky-Spezialitäten - alles Harveys Kreationen.

«Es schmeckt einfach toll», sagt er. «Man muss nur den Mut haben, viel auszuprobieren.» Den hat er, und so bekommen Gäste Haggis-Suppe mit einem Hauch von 15 Jahre altem Glenfarclas serviert oder geräucherten Fisch mit einer Whisky-Tabasco-Soße. Harvey, der über seine Küchenkünste ein Buch geschrieben hat, erzählt gerne, welchen Highland-Malt er zu Hirschrücken empfiehlt und welchen zum Dessert, und so vergeht die Zeit in der «Craggan Mill» meist wie im Flug.    

Schon nicht mehr in Speyside liegt Edradour, die durchaus Chancen auf den Titel «Schottlands schnuckeligste Destillerie» hätte. In jedem Fall ist sie die kleinste. Sie liegt in Perthshire in der Nähe des Ortes Pitlochry. Die weißen Gebäude, die unter anderem die Brennblasen beherbergen, sind schon von der Straße aus zu sehen. Ein Bach plätschert davor unter einer schmalen Brücke hindurch. Auf dem Hof steht Besitzer Andrew Symington. «Wir sind die letzte Farm-Destillerie Schottlands», erzählt er, «entstanden aus einem Bauernhof, auf dem die überschüssige Gerste für die Whiskyherstellung genutzt wurde.» Die Destillerie besitzt ihre Brennlizenz seit 1847.    

«Heute arbeiten hier drei Brenner und ich selbst», sagt Symington. «Anderswo steuern die alles per Computer, wir machen das hier noch per Hand.» In der Whisky-Branche arbeitet er seit mehr als 20 Jahren. Vor 7 Jahren stand er zusammen mit seiner aus Deutschland stammenden Partnerin vor der Destillerie. «Wunderschön hier», hat sie gesagt. «Soll ich's dir kaufen?», hat er gefragt. «Ein Jahr später standen wir wieder davor, diesmal mit dem Schlüssel in der Hand.»    

Die Destillerie kann besichtigt werden, vom Raum, wo die Gerste in riesigen «Big Bags» gelagert wird, bis zu den Maischbottichen und den «Stills» für das Destillieren. Symington zeigt auf einen Holzbottich mit einer trüben Flüssigkeit. «Sie hat acht Prozent Alkohol und kommt morgen in die Brennblasen.» Geschickt füllt er eine Glasflasche und lässt die Besucher probieren - sie schmeckt wie warmes Weißbier. Nach dem Destillieren wird sie klar sein und 70 Prozent Alkohol haben.    

Das würde beim Trinken nicht viel Freude machen. Deswegen lässt Symington seinen Malt ausgiebig reifen. «Wir benutzen Sherry-, Port-, Burgunder-, Madeira- und Masala-Fässer», erklärt er. Je nachdem, wie lange der Whisky gelagert wird und in welchem Fass, entstehen ganz unterschiedliche Variationen des Edradour Malt. Im Besucherzentrum stehen sie Flasche an Flasche im Regal, eine eindrucksvolle Bandbreite, wie um zu beweisen, was geschmacklich alles möglich ist.    

In seinem aus allen Nähten platzenden Warehouse hat Symington 700 Fässer liegen. Eins davon gehört seinem Sohn Andrew Gerhard. Noch fährt der Kleine mit dem Bobbycar über den Hof. «Aber wenn er 21 wird, bekommt er das Fass zum Geburtstag», sagt der Edradour-Chef. Daraus lassen sich 700 Flaschen abfüllen - von einem dann sehr alten, sehr ungewöhnlichen Tropfen. Damit könnte man nicht nur Geburtstag feiern, sondern ein Fest wie ein Schlossherr. Andrew Gerhard Symington weiß noch gar nicht, wie gut er es hat. (Andreas Heimann, dpa)

Die schottischen Highlands    

REISEZIEL: Die Highlands liegen im Norden Schottlands. Bekannteste Stadt der Region ist Inverness. Speyside liegt östlich davon.    

ANREISE: Nach Edinburgh fliegen Lufthansa (zweimal täglich ab/bis Frankfurt/Main mit Zubringerflügen von mehreren deutschen Städten) sowie Germanwings und Ryanair (ab verschiedenen deutschen Flughäfen). Nach Glasgow geht es mit Ryanair von Hahn im Hunsrück aus. Alternativ bestehen Umsteigeverbindungen über London oder Manchester mit British Airways. Von Edinburgh und Glasgow aus lässt sich der Nordosten Schottlands mit dem Mietwagen erreichen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anreise per Fähre, zum Beispiel mit der Reederei Norfolkline, die dreimal pro Woche die Häfen Zeebrugge in Belgien und Rosyth in Schottland verbindet. Die Fähre ist jeweils 20 Stunden unterwegs.    

BESTE REISEZEIT: Anfang Juni bis Ende September.    

WÄHRUNG: Schottland hat eine eigene Nationalbank. Die Wechselkurse sind identisch mit denen in England. Für 1 Euro gibt es 0,8845 Pfund (Stand Juni 2009), www.visitbritain.de