13. März 2009

Slow Food trennt sich von Gambero Rosso

Jetzt ist es offiziell: Slow Food Italien trennt sich vom Weinführer "Vini d'Italia" und überlässt den Führer samt seiner Drei-Gläser-Wertung der Gambero Rosso Holding

Als Ersatz wird Slow Food Editore seinen Weinführer für alle Tage ausbauen und die Preisobergrenze auf 10 Euro hinauf setzen.

Letztes Jahr noch hatte Slow-Food-Präsident Carlo Petrini den Weinführer "Vini d'Italia" wie üblich auf dem Salone del Gusto in Turin vor tausend Winzern und Weinexperten vorgestellt. Danach kamen in Internet-Blogs erste Scheidungsgerüchte auf. Spekuliert wurde, dass Slow Food Italien einen neuen Weinführer zusammen mit dem darin bereits darin erfahrenen Verlag "L'Espresso - La Repubblica" entwickeln wolle. Dies könnte für 2010 tatsächlich der Fall sein. Petrini ist als Journalist Kolumnist der linksliberalen "La Repubblica".

Offiziell ist aber nur die Rede davon, dass der "Guida al Vino quotidiano" (Führer des Weins für alle Tage) ausgebaut werden soll, der ähnlich wie "Osterie d'Italia" von den italienischen Convivien mit Informationen bestückt wird. In der aktuellen Ausgabe gibt es zwei Preisobergrenzen: 6 und 8 Euro. In die nächste Ausgabe sollen auch gute Weine bis 10 Euro aufgenommen werden. Bisher hat der Weinführer keine Noten verteilt sondern nur über gute Weine informiert.

Carlo Petrinis Vertrauter Gigi Piumatti, bisher Slow-Food-Vertreter in der Leitung des Vini d'Italia, sagte, man wolle erst einmal eine Denkpause einlegen und mit den Convivien reden. Man müsse die gesamte Bewertung von Weinen neu überdenken. Es gehe nicht nur um das, was in der Flasche sei, sondern auch um Nachhaltigkeit und ethische Aspekte.

Einbezogen werden soll auch die von Slow Food begründete Winzervereinigung "Vignerons d'Europe". Die nächste Zusammenkunft der europäischen Winzer findet im Dezember 2009 in Florenz statt. Der deutsche Slow-Food-Vorsitzende und Weinsachverständige Otto Geisel wurde von Petrini beauftragt, diese Konferenz zu leiten.

Indirekt wirkt sich die "Scheidung" auch auf Deutschland aus, denn der Hallwag Verlag hatte bisher zusammen mit deutschen Convivien, namentlich München, Berlin, Hamburg und Frankfurt, jedes Jahr die deutsche Ausgabe des "Vini" vorgestellt. Auf der Slow-Food-Messe "Markt des guten Geschmacks" (2. bis 5. April in Stuttgart) wird auch Slow Food Deutschland das Projekt "Guter Wein für alle Tage" starten. (Slow Food)

Niko meint: Das wurde auch Zeit. Zwar ist der Vini d'italia der bedeutendste Italienführer und wird auch zukünftig bei mir auf dem Schreibtisch liegen. Aber Slow Food muss natürlich den Focus auf biologisch und biodynamisch produzierte Weine richten, die beim Gambero Rosso in der Minderzahl sind. Und mit dem neuen Projekt kann Slow Food das richtige Signal setzen.